
Das neue Restaurant Lai in Frankfurt bringt Modern Vietnamese Fusion ins Westend. Tolle Ideen, stylisches Ambiente – aber die Würze darf ruhig mutiger sein.
Wer in Frankfurt essen geht, hat die Qual der Wahl. Aber das neue Restaurant Lai in der Barckhausstraße 16 macht schon beim Betreten klar: Hier läuft etwas anders. Kein Asia-Kitsch, kein buntes Lampion-Chaos – stattdessen ein stylisches, modernes Interior im Erdgeschoss eines Bürohauses. Seit Januar 2025 öffnet das Lai seine Türen und bringt „Modern Vietnamese Fusion“ ins Frankfurter Westend.
Die Macher hinter dem Lai sind Andy Beyer und Hong Mai Beyer-Ngo – die beiden kennt man in Frankfurt bereits vom Restaurant Comai im Ostend, wo traditionelle vietnamesische Küche auf dem Teller landet. Mit dem Lai wagen sie jetzt deutlich mehr: vietnamesische Gerichte mit europäischem Twist, europäische Gerichte mit vietnamesischen Elementen. Crossover pur.
Das Konzept klingt spannend – und auf vielen Tellern hält es auch, was es verspricht. Ein Highlight ist das Bo tai chanh: Rinder-Carpaccio mit vietnamesischem Chimichurri, eingelegten Zwiebeln, Limette, Röstzwiebeln, Chili-Crunch und Erdnüssen für 16 Euro. Kräuterig, aromatisch, exotisch – eine überzeugende Kombination.
Auch die Pho bo gibt es hier in einer besonderen Version: als Surf-and-Turf mit sous-vide gegartem Filet und Hummer für 60 Euro. Und wer es etwas erdiger mag, greift zu den Bo sot vang Short Ribs mit Karotten, Kartoffeln, Reis und Rotweinsoße (28 Euro) – fast wie ein amerikanisches Comfort-Food-Gericht mit asiatischem Hauch.
Weitere spannende Fusion-Momente: knusprige Tofuwürfel mit Chimichurri-Dip (6 Euro), Maiskörner in Butter (5,50 Euro) oder die gegarte Entenbrust mit Kokoswaffeln (35 Euro). Die Pho-Wantan-Vorspeise – gedämpfte Rindfleisch-Dumplings in Pho-Bouillon mit Frühlingszwiebeln, Koriander und Chili-Crunch – zeigt ebenfalls, wohin die Reise geht.
So mutig das Konzept auf dem Papier klingt – in der Küche fehlt es manchmal an Courage. Viele Gerichte kommen sehr mild daher. Reispapierrollen, vegane Frühlingsrollen oder das Cha ca la vong (gegrilltes Zanderfilet in Zitronengras-Kurkuma-Marinade, 28 Euro) sind so zurückhaltend gewürzt, dass die typische Aromenvielfalt der vietnamesischen Küche zu kurz kommt. Chilisoße gibt es auf Wunsch extra – aber das sorgt letztlich nur für einen Einheitsgeschmack, keine echte Tiefe.
Das Küchenteam unterschätzt offenbar die Gaumen seiner Gäste. Etwas mehr Würze und Mut würden vielen Tellern noch richtig guttun.
Auch bei Getränken und Nachspeisen bleibt das Lai seinem Konzept treu. Hausgemachter Lychee-Eistee, Guaven-Soda oder Saigon-Lager stehen ebenso auf der Karte wie der „Lai Signature Wine“ von Schloss Vollrads im Rheingau. Zum Dessert empfiehlt sich das Vinamisu (8 Euro) – eine gelungene Abwandlung des Tiramisu-Klassikers mit Mascarpone, Kakao, Lotus-Crumble und vietnamesischem Kaffee. Apropos: Der vietnamesische Kaffee selbst – pechschwarz, extrem stark, fast schon kakaoartig – ist ein toller Abschluss des Abends.
Das Lai hat eindeutig das Zeug, eine echte Bereicherung für Frankfurts Gastro-Szene zu sein. Das Konzept ist mutig, das Ambiente einladend, einige Gerichte wirklich überzeugend. Aber damit das Fusion-Versprechen vollständig eingelöst wird, braucht es in der Küche noch etwas mehr Traute beim Würzen. Wer neugierig ist, sollte trotzdem vorbeischauen – und sich vielleicht schon mal die Chilisoße vorbestellen.
Lai Dining, Barckhausstraße 16, Frankfurt | Tel. 069 / 75 79 40 54 | www.comai.de/lai
Geöffnet: Mo–Fr 11:30–22 Uhr, Sa 12–22 Uhr, So geschlossen.






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