
Der Suchtselbsthilfeverein LOS eröffnet im Teplitz-Pavillon in Sachsenhausen eine neue Begegnungsstätte für Suchterkrankte und Angehörige – ohne Druck…
Frankfurt wächst, und mit ihm auch der Bedarf an niedrigschwelliger Unterstützung für Menschen mit Suchterkrankungen. Der Suchtselbsthilfeverein LOS – Leben ohne Sucht – macht jetzt einen wichtigen Schritt: Im Teplitz-Pavillon in Sachsenhausen, Teplitz-Schönauer-Straße 1a, eröffnet der Verein eine neue Begegnungsstätte. Der Startschuss fiel am 8. August ab 13 Uhr – mit Würstchen, Salaten, Kuchen und kalten Getränken. „Das soll eine richtig schöne Party werden“, sagte LOS-Vorstandsvorsitzender Andreas Heimann im Vorfeld.
Die Idee hinter der Begegnungsstätte ist so einfach wie wirkungsvoll: Wer die Menschen schon kennt, dem fällt der erste Schritt in eine Selbsthilfegruppe leichter. „Für viele Suchterkrankte ist es eine riesengroße Hemmschwelle, als neue Person in eine Gruppe zu kommen“, erklärt Heimann. Genau hier setzt der neue Treffpunkt an. Statt direkt in eine Gesprächsgruppe einzutauchen, können Betroffene, Angehörige, Freunde und Interessierte einfach vorbeikommen – und gemeinsam Kaffee trinken.
Der Raum im Teplitz-Pavillon wird bereits jetzt für die donnerstägliche Gesprächsgruppe des Vereins genutzt, die dort zwischen 19 und 21 Uhr stattfindet. Künftig soll die Begegnungsstätte zusätzlich dienstags und donnerstags als offener Treffpunkt zugänglich sein. „Das Angebot soll sich an alle richten, sodass man unvoreingenommen den Kontakt zu einer Gesprächsgruppe suchen kann“, so Heimann.
LOS organisiert in erster Linie Selbsthilfegruppen, in denen Teilnehmende und Gruppenleiterinnen sowie Gruppenleiter ihr Wissen aus eigenen Suchterfahrungen teilen. Vor allem Menschen mit Abhängigkeit von Alkohol, Tabletten, Amphetaminen und anderen Drogen kommen zu den Treffen – aber auch Personen mit anderen Suchterkrankungen wie Kaufsucht sind ausdrücklich willkommen. „Ich würde niemanden wegschicken“, betont Heimann.
Der 65-Jährige weiß selbst, wovon er spricht: Er ist alkoholkrank und seit 22 Jahren abstinent. „Mir wurde geholfen, aus meiner Sucht herauszukommen, und ich möchte das weitergeben“, sagt er. Aufhören müssen Betroffene zwar letztlich selbst – aber der Verein begleitet sie auf diesem Weg: „Wir sagen nicht: Komm rein, dann bist du geheilt, sondern wir helfen den Menschen auf dem Weg dahin.“
2016 hat Heimann den Verein in Sachsenhausen mitgegründet. Inzwischen gibt es Treffpunkte an sieben Standorten in Hessen sowie zwei Online-Angebote. Jede Gruppe umfasst acht bis maximal 15 Personen, 18 Ehrenamtliche tragen den Verein. Für die Zukunft sind neben dem offenen Treffpunkt auch Vorträge, Seminare, Filmabende, eine Weihnachtsfeier und sogar ein Brettspiel-Turnier geplant.
Heimann beobachtet außerdem, dass die Suchthilfe in Offenbach zunehmend wegbricht – eine Entwicklung, die er aufhalten möchte. „In Offenbach platzen unsere Gruppen aus allen Nähten.“ Deshalb sollen künftig auch andere Vereine und Gruppen die Räume der Begegnungsstätte nutzen dürfen. „Es ist wichtig, dass wir alle zusammenarbeiten. Konkurrenzdenken ist der größte Quatsch“, sagt Heimann.
Die neue Begegnungsstätte im Teplitz-Pavillon ist mehr als ein Raum – sie ist ein Zeichen dafür, dass Suchtselbsthilfe in Frankfurt und der Region ernst genommen wird. Wenn du oder jemand aus deinem Umfeld Unterstützung sucht oder einfach mal reinschnuppern möchte: Komm vorbei, setz dich hin und trink einen Kaffee. Manchmal ist das der wichtigste erste Schritt.






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