
Nathan Evans begeisterte Frankfurt im Zoom: Der Wellerman-Star zeigte mit Band Saint Phnx, dass er weit mehr als ein viraler TikTok-Hit ist.
Ein kleiner Flachmann macht die Runde, ein schottischer Toast erklingt durch den Saal, und plötzlich fühlt sich das Frankfurter Zoom an wie eine gemütliche Kneipe irgendwo in den schottischen Highlands. Nathan Evans und die Band Saint Phnx haben die Main-Metropole kurzerhand in eine Insel des Frohsinns verwandelt – und das Publikum hat mitgespielt, vom ersten bis zum letzten Ton.
Gitarrist Stevie Jukes von Saint Phnx erklärte beim Konzert, warum das gemeinsame Album mit Nathan Evans den Namen „Angels‘ Share“ trägt. Der Begriff stammt aus der Whiskyherstellung: Während ein Fass über Jahre reift, verdunstet ein Teil des Inhalts – das ist der „Schluck der Engel“. Für die Musiker steckt darin eine tiefe Bedeutung. „Es ist wie im Leben“, sagte Jukes. Menschen, Erinnerungen und gemeinsame Momente verschwinden irgendwann. „Aber ganz weg sind sie nicht. Sie bleiben ein Teil von uns.“ Mit diesen Worten stießen Musiker und Publikum gemeinsam an: „Slàinte mhath!“ – zum Wohl!
Wer Nathan Evans nur als den Mann kennt, der 2020 mit „Soon May the Wellerman Come“ das Internet im Sturm eroberte, erlebt in Frankfurt eine echte Überraschung. Vor einigen Jahren war der heute 31-Jährige noch Postbote in der schottischen Kleinstadt Airdrie. In seiner Freizeit sang er, spielte Gitarre und stellte kurze Videos ins Internet – bis TikTok sein Leben auf den Kopf stellte. Aus dem Feierabendmusiker wurde innerhalb kürzester Zeit ein international gefeierter Künstler.
Doch „Wellerman“ ist an diesem Abend nicht das große Finale, sondern eher der Ausgangspunkt. Evans möchte zeigen, was aus ihm geworden ist. Gemeinsam mit der vierköpfigen Band Saint Phnx verbindet er traditionelle Folk-Elemente mit Rock und Pop. Akustikgitarre trifft auf wuchtige Drums, schottische Melodien treffen auf große, stadiontaugliche Refrains. Der Sound, der im Frankfurter Zoom erklingt, ist definitiv mehr als ein viraler Eintagserfolg.
Immer wieder dreht sich der Abend um Schottland und das Leben dort. Evans erzählt, wie er als Kind mit seiner Familie sechs oder sieben Stunden lang zur Isle of Skye fuhr. Im Auto lief eine Kassette mit alter schottischer Folkmusik – The Corries – immer wieder von vorn bis hinten, während die Landschaft an den Fenstern vorbeizog. Diese Kindheitserinnerungen stecken noch heute in seinen Liedern.
Besonders greifbar wird diese Verbundenheit bei „Caledonia“, einem Stück, das Evans nach eigener Aussage bei jedem Konzert spielt. Es klingt nach einem Ort, an den man immer wieder zurückkehrt. Und mit „Cotton Eye Joe“ – dem bekannten Song der schwedischen Country-Dance-Band Rednex aus dem Jahr 1994 – beweist Evans außerdem seinen Sinn für Humor: Er spinnt die Geschichte des Originals weiter und singt davon, dass er längst verheiratet wäre, hätte Cotton Eye Joe ihm seine Frau nicht gestohlen. Das Publikum ist begeistert.
Zwischen all dem Frohsinn werden die Töne auch nachdenklicher. Evans spricht offen davon, dass er selbst durch eine schwere Zeit gegangen ist. „Euer Leben kann sich in einer Sekunde ändern“, sagt er – und meint das in beide Richtungen. „Es gibt Licht am Ende des Tunnels.“ Er selbst sei ein lebendes Beispiel dafür, bevor er „Paper Planes“ anstimmt. So wird der Abend im Zoom zu mehr als nur einem Konzert. Hinter dem erfolgreichen Musiker, der inzwischen auf großen Bühnen steht, bleibt der Mensch sichtbar – authentisch, geerdet und nah am Publikum.
Der Sound der Weltstadt trifft auf schottischen Folk-Rock: Nathan Evans und Saint Phnx haben Frankfurt einen Abend beschert, der noch lange nachhallt. Neugierig geworden? Dann schau auf radiofrankfurt.de vorbei und bleib immer auf dem Laufenden, was in der Region passiert – das beste Programm im Main-Gebiet wartet auf dich!






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