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Milliarden Sterne im Blick: Die Sternwarte auf dem Kleinen Feldberg

Auf dem Kleinen Feldberg im Taunus blicken Hobby-Astronomen mit einem 60-cm-Teleskop auf Milliarden Sterne. Wir zeigen, was die Sternwarte so besonders macht.

Redaktion
·
7. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 13 Stunden

Raus aus der Stadt – rauf in den Taunus!

Während Frankfurt unten im Lichtermeer versinkt, passiert auf dem Kleinen Feldberg im Taunus etwas Magisches: Der Himmel wird dunkel – und das Universum öffnet sich. Auf rund 800 Metern Höhe betreibt der Physikalische Verein Frankfurt eine Sternwarte mit zwei Kuppeln, begleitet vom Zirpen eines Grillenorchesters und dem ersten Funkeln des Sommerdreiecks. Klingt nach Abenteuer? Ist es auch!

Das Herzstück: Die „dicke Oma“

Unter einer der beiden Kuppeln schlummert das absolute Highlight der Anlage – liebevoll von den Sternfreunden „dicke Oma“ genannt. Dahinter steckt ein Spiegelteleskop mit einem Hauptspiegel von 60 Zentimetern Durchmesser. Für ein Amateurinstrument ist das außergewöhnlich groß. Volker Heinrich, passionierter Astronom beim Physikalischen Verein, erklärt warum das so wichtig ist: „Je größer der Spiegel, desto mehr Licht sammelt das Teleskop – und desto schwächere Objekte werden sichtbar.“ Die Konsequenz? „Da sind wir bei Milliarden von Sternen, die wir erkennen können.“ Besonders spektakulär: der Blick auf eine ferne Galaxie oder den Saturn bei ruhiger Luft.

Unten in Frankfurt hat der Verein übrigens auch eine Stadtsternwarte. Die eignet sich vor allem für Sonne, Mond, Planeten und besonders helle Objekte. „Damit können wir die Leute ein bisschen anfüttern“, sagt Heinrich. Wer dann Feuer gefangen hat, muss raus aus dem Rhein-Main-Kessel – und hoch auf den Kleinen Feldberg.

Geschichte, Erdbeben und Atlantikwellen

Das Gelände auf dem Kleinen Feldberg hat eine lange wissenschaftliche Vergangenheit. Schon 1911 war das Observatorium in Betrieb, 1913 wurde es offiziell eröffnet. Früher starteten hier Wetterballons, bis 2009 arbeitete ein eigener Wetterbeobachter des Deutschen Wetterdienstes auf dem Gipfel – zu jeder vollen Stunde. Heute übernehmen automatische Anlagen diese Aufgabe.

Doch der Kleine Feldberg kann noch mehr: Er ist auch eine Erdbebenwarte. Ein Messschacht reicht rund 40 Meter tief bis auf den Fels. Heinrich gerät ins Schwärmen, wenn er über das empfindliche Spiegel-Seismometer spricht: „Damit lässt sich von hier aus sogar das Anschlagen der Atlantikwellen an der Küste erfassen.“ Beeindruckend, oder?

Echte Wissenschaft – ehrenamtlich und mit Herzblut

Der 1824 gegründete Physikalische Verein treibt Astronomie zwar „aus Jux und Dollerei“, wie Heinrich selbst sagt – doch die Ergebnisse sind absolut ernst zu nehmen. Ein Vereinsmitglied hat über Jahrzehnte sogenannte Quasare vermessen, also extrem weit entfernte Objekte, deren Licht Milliarden Jahre bis zur Erde unterwegs ist. Diese Messreihe ist so wertvoll, dass sie auch von professionellen Astronomen genutzt wird.

Außerdem beobachtet der Verein Exoplaneten, betreibt ein ferngesteuertes Teleskop in Spanien und unterstützt Jugendliche bei eigenen Forschungsprojekten – mit Erfolgen bei „Jugend forscht“. Und dann wären da noch die rund 300 Kleinplaneten, die Vereinsmitglieder entdeckt haben. Einige tragen heute Namen wie „Frankfurt“ oder „Skywalker“. Den Vorschlag „Chewbacca“ lehnte die zuständige Kommission allerdings ab. Schade eigentlich!

Sternschnuppen-Saison: Die Perseiden im August

Für das nächste große Himmelsspektakel braucht ihr kein Teleskop. Im August sind die Perseiden zu sehen – und die genießt man am besten mit bloßem Auge. Heinrich empfiehlt Frankfurter Familien und Astronomie-Begeisterten zur Hochzeit vom 11. bis 14. August einen Ausflug in den Hintertaunus: „Dort einen dunklen Platz suchen, Liegestühle oder eine Decke mitnehmen, warme Kleidung, Getränke und ein paar Kekse einpacken.“ Technik? Höchstens ein Fernglas. Ansonsten gilt: „Handy mal weg – und den Blick nach oben schweifen lassen.“

In besonders guten Augustnächten haben die Sternfreunde bereits 600 bis 700 Sternschnuppen gezählt. „Da sind uns natürlich irgendwann die Wünsche ausgegangen“, lacht Heinrich. Ausgelöst werden Sternschnuppen meist von winzigen Staubkörnern – selbst ein Teilchen von nur einem Tausendstel Gramm kann sichtbar werden, wenn es mit enormer Geschwindigkeit auf die Atmosphäre trifft. In rund 90 bis 100 Kilometern Höhe beginnt es zu leuchten – und verdampft.

Der Blick ins All erdet uns alle

Am Ende geht es Volker Heinrich um mehr als Teleskope und Messreihen. „Für mich liegt der Reiz der Astronomie in der Ungeheuerlichkeit des Universums“, sagt er. Wer begreift, dass ein schwacher Lichtfleck am Himmel eine Galaxie mit Hunderten Milliarden Sonnen sein könnte, stößt schnell an die Grenzen seiner Vorstellungskraft. „Da fängt das Gehirn an zu kochen.“ Und gleichzeitig: Irdische Konflikte wirken aus kosmischer Perspektive plötzlich kleiner. Heinrichs Fazit? „Der Blick ins All erdet mich.“ Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen – außer vielleicht: Jetzt reinhören, Decke schnappen und ab in den Taunus!

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