
Gerhard van der Beck aus Hochheim sammelt seit über 25 Jahren mit seiner Drehorgel auf Volksfesten Spenden – bisher über 415.
Stell dir vor, du läufst über ein Weinfest, hörst vertraute Melodien – und weißt sofort: Der ist das! Gerhard van der Beck aus Hochheim ist in seiner Region längst eine Legende. Seit mehr als 25 Jahren zieht der 71-Jährige mit seiner Drehorgel über Volksfeste, Märkte und Weinfeste. Und das Beste daran? Jede Münze, die in seinen Hut wandert, geht an Menschen, die Hilfe brauchen. Insgesamt hat er so bisher 415.124,60 Euro gesammelt. Eine Zahl, die er übrigens auf den Cent genau kennt – denn er führt über alle Beträge sehr genau Buch.
Allein beim Wickerer Weinfest kamen am vergangenen Wochenende stolze 3.400 Euro zusammen. Das zeigt, wie sehr die Menschen in der Region hinter Gerhard van der Beck und seinem Engagement stehen. „Wenn die Leute die Musik hören, fangen sie schon an, ihr Portemonnaie rauszuholen“, sagt er selbst – und lacht dabei. Sein Markenzeichen ist dabei nicht nur die Drehorgel, sondern auch sein Hut: „Dann erkennen mich die meisten.“
Das gesammelte Geld fließt vor allem an die Kinderkrebshilfe, aber auch an Hospizvereine und die Aidshilfe. Besonders bewegend: Manchmal kommen Jugendliche auf ihn zu und berichten, dass sie selbst von seinen Spenden profitiert haben. „Dann muss ich auch mal schlucken“, gibt er zu.
Wie kommt man eigentlich auf die Idee, mit einer Drehorgel Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln? Bei Gerhard van der Beck begann alles mit einem Geburtstag. Er wollte zum 80. Geburtstag seiner Mutter als Moritatensänger auftreten – genau wie schon bei der Verlobung seiner Schwester. Auf der Suche nach einer Leih-Drehorgel fuhr er zur Frankfurter Musikmesse und war so begeistert, dass er kurzerhand eine eigene kaufte – inklusive eines Sonderangebots mit 500 Liedern. Mittlerweile umfasst sein Repertoire 1.700 Melodien. Als erstes neues Stück ließ er übrigens das Hochheimer Lied hinzufügen – regionaler geht’s kaum!
Seinen musikalischen Hintergrund hat van der Beck aus seiner ersten Ausbildung: Er war Kirchenmusiker. Beruflich war er später als Leiter des Referats für Ehrenamt und Stiftungen bei der Stadt Frankfurt tätig, bevor er in die Stabsstelle Flüchtlingsmanagement wechselte und dort Flüchtlingsunterkünfte verwaltete.
Gerhard van der Beck ist nicht nur Drehorgelspieler. Wer denkt, er sitze in seiner Freizeit einfach auf dem Sofa, irrt gewaltig. Seit 2009 läuft er regelmäßig Jakobswege – zuerst den Camino Francés von Frankreich aus, später verschiedene Routen durch Spanien. Anfang Mai dieses Jahres legte er die Strecke von Porto nach Santiago zurück. „Das ist einfach absolute Ruhe. Da bekomme ich wieder den Kopf frei“, sagt er. Manchmal läuft er auch einfach bis nach Mainz und wieder zurück – um neue Ideen zu entwickeln.
Und die kommen! Auf dem Jakobsweg entstand zum Beispiel die Idee, Trauerredner zu werden. Er machte den Lehrgang, erwarb das Zertifikat und ist seitdem aktiv im Einsatz. Dazu kommen noch ein Kurs als Bauchredner und Zauberer für Kinder – sowie die Tätigkeit als Imker.
Nach dem Wickerer Weinfest hat Gerhard van der Beck noch einiges vor: Mit seiner Drehorgel wird er auf dem Hochheimer Markt und dem Weihnachtsmarkt zu erleben sein. Außerdem hat ihn eine Senioreneinrichtung angefragt. Wer also das Glück hat, ihn mit seinem Hut und seiner Drehorgel zu treffen – einfach ein paar Münzen hineinwerfen. Jeder Cent zählt!
Gerhard van der Beck ist genau das, was Frankfurt und die Region brauchen: ein Mensch, der mit Herzblut, Musik und unglaublicher Ausdauer etwas bewegt. 415.124,60 Euro sprechen eine deutliche Sprache. Chapeau!






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