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Mahnmal am Merianplatz: Frankfurt erinnert an vergiftete Platanen im Nordend

Am Merianplatz im Frankfurter Nordend erinnert jetzt eine Stahlskulptur an zwei vergiftete Platanen. Wer das Mahnmal gebaut hat und was dahintersteckt.

Redaktion
·
14. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Stunden

Ein Baumstumpf aus Stahl als Zeichen gegen das Vergessen

Frankfurt hat ein neues Mahnmal – und das hat eine traurige Geschichte. Am Montag, dem 14. September, wurde am Merianplatz im Nordend eine Metallskulptur enthüllt, die an zwei Platanen erinnert, die mutwillig vergiftet und anschließend gefällt werden mussten. Der Giftanschlag hatte die Stadt 2025 schockiert – jetzt bekommt dieser Schock ein sichtbares Gesicht.

Angebohrt und vergiftet – der Anschlag auf zwei Stadtbäume

Im Mai 2025 wurde bekannt, dass die beiden Platanen am ehemaligen Merianbad an der Berger Straße angebohrt und mit dem Pflanzengift Glyphosat vergiftet worden waren. Die mehr als 60 Jahre alten Bäume überlebten den Anschlag nicht. Im Juli 2025 mussten sie unter großer Anteilnahme der Bevölkerung gefällt werden. Rund 200 Menschen beteiligten sich an einer Abschiedsfeier – ein Zeichen dafür, wie tief der Verlust ins Herz des Stadtteils getroffen hatte.

Klima- und Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodríguez (Grüne) erinnert bei der Enthüllung: „Weder die Präsenz der großen Bäume noch die Tat dürfen in Vergessenheit geraten.“ Die Betroffenheit und Fassungslosigkeit hätten nicht nur im Stadtteil geherrscht – sie hätten sich durch ganz Frankfurt gezogen. Und genau deshalb sei es wichtig, dass das Mahnmal bleibt.

200 Kilo Stahl, 100 Stunden Arbeit – eine Azubi baut das Denkmal

Die Stele ist rund zwei Meter hoch, wiegt etwa 200 Kilogramm und hat unter 1.000 Euro an Material- und Energiekosten gekostet. Gebaut wurde sie von Juliana Güldenberg, einer Auszubildenden im Bereich Metallbau des Grünflächenamts. Mit einem Plasmabrenner schnitt sie Stahlplatten in Streifen und schweißte sie zu einem Baumstumpf zusammen – in rund 100 Stunden, in enger Abstimmung mit dem Ortsbeirat und ihrem Ausbilder René Haberhauer.

Besonders berührend: Selbst das Loch, durch das das Gift in die Bäume eingeträufelt wurde, haben die beiden in der Skulptur umgesetzt. Am Fuß des stählernen Stammes befinden sich Blätter, auf denen Worte stehen wie „Entsetzen“, „Trauer“ und „Wut“ – Gefühle, die viele Frankfurterinnen und Frankfurter nach dem Anschlag bewegt haben.

Neue Bäume, entsiegelte Flächen – der Merianplatz wächst neu

Der Ortsbeirat 3 hatte früh die Idee aufgegriffen, den Bäumen ein Denkmal zu setzen – und noch mehr zu tun. Das Gremium sprach sich außerdem für eine stärkere Begrünung des Platzes aus. Das Grünflächenamt setzte den Wunsch um: Im Frühjahr wurden Teile des Merianplatzes entsiegelt, Sträucher und acht neue Bäume wurden gepflanzt.

Aber Zapf-Rodríguez macht keinen Hehl daraus: „Die neuen Bäume brauchen viele Jahre, bis sie die Größe und Wirkung der alten Platanen erreicht haben.“ Genau das macht die Skulptur so wichtig – sie zeigt, dass Bäume eben nicht einfach austauschbar sind. Karin Guder (Grüne), Vorsteherin des Ortsbeirats 3, hofft, dass das Kunstwerk helfen kann, Gefühle besser zu verstehen, auszudrücken und zu beruhigen.

Täter unbekannt – der Fall bleibt ungelöst

Wer hinter dem Giftanschlag steckt, ist bis heute unklar. Der Ortsbeirat und der Gewerbeverein der unteren Berger Straße hatten eine Belohnung von 1.000 Euro für Hinweise ausgelobt – ohne Erfolg. Auch die Polizei konnte keine verantwortliche Person ermitteln. Die Idee, Stadtbäume mit Kameras zu überwachen, fand im Ortsbeirat keine Mehrheit. Bei 230.000 Stadtbäumen sei das kaum umsetzbar, sagt Zapf-Rodríguez. Ihr Ansatz: den Wert des Grüns stärker ins Bewusstsein rücken. Bäume produzieren Sauerstoff, kühlen das Klima und filtern Schadstoffe – das müsse deutlicher vermittelt werden.

Heike Appel, Leiterin des Grünflächenamts, sagt, dass es in Frankfurt bisher kaum Anschläge auf Bäume gegeben habe. Ein weiterer Fall sei ihr bekannt: Ein Straßenbaum in Oberrad sei im vergangenen Jahr ebenfalls vergiftet worden und gestorben – eine Verbindung zum Nordend sehe sie jedoch nicht.

Frankfurt trauert – und erinnert sich

Das Mahnmal am Merianplatz ist mehr als ein Kunstwerk. Es ist ein Statement: gegen mutwillige Zerstörung, für den Wert des städtischen Grüns und für eine Gemeinschaft, die zusammenhält. Schaut vorbei, wenn ihr im Nordend unterwegs seid – und nehmt euch einen Moment für die zwei Platanen, die hier einmal standen.

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