
Liebesschlösser am Eisernen Steg in Frankfurt auf der Kippe: 405 Stimmen fordern ihre Entfernung. Was Stadt, Denkmalamt und das ASE dazu sagen.
Namen, Herzen, Jahrestage, Liebesschwüre – die Geländer des Eisernen Stegs sind über und über bedeckt mit Liebesschlössern. Für viele Paare und Touristen ist das eine romantische Tradition, für andere ein Ärgernis. Jetzt wird aus dem Murren Konsequenz: Auf der Ideenplattform der Stadt Frankfurt hat Mitte Juni ein Bürger offiziell vorgeschlagen, die Schlösser zu entfernen und das Anbringen neuer Schlösser künftig zu unterbinden. Das Ergebnis? 405 Unterstützungsstimmen – weit mehr als das nötige Quorum von 200. Die Stadt muss sich jetzt damit befassen!
Der Bürger hinter dem Vorschlag bringt gleich mehrere Argumente auf den Tisch: Die Schlösser veränderten das Erscheinungsbild des denkmalgeschützten Bauwerks, erschwerten Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten und verursachten zusätzlichen Aufwand. Als Alternative schlägt er einen eigens für Liebesschlösser vorgesehenen Ort vor – die Romantik also nicht abschaffen, sondern einfach verlagern.
Wer jetzt denkt, die Stadt greift sofort zur Zange – weit gefehlt. Das Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE), das für die Brücke zuständig ist, sieht das Ganze entspannt. Amtsleiter Eike Rothauge erklärt, dass es „aus technischer Sicht“ keine Probleme gebe. Die Schlösser stünden für viele Paare für ihre Verbundenheit mit Frankfurt und hätten längst touristische Bedeutung. Der Eiserne Steg sei dadurch zu einem beliebten Fotohotspot geworden – ganz im Sinne der Stadt.
Auch die Zahlen klingen erstmal dramatisch, sind es aber nicht: Das Gesamtgewicht der Schlösser schätzt das ASE auf bis zu 5.000 Kilogramm – also satte fünf Tonnen! Klingt viel, macht aber laut Amt nur rund ein Prozent der maximal möglichen Brückenbelastung aus. Gefährlich wird’s also nicht. Und die Kosten? Schlösser müssen zwar manchmal entfernt werden – etwa wenn sie an Handläufen hängen, scharfkantig in den Verkehrsraum ragen oder bei Reparaturen im Weg sind. Finanziell bezeichnet das ASE den Aufwand gemessen an der gesamten Brückenunterhaltung aber als „marginal“.
Etwas weniger entspannt ist das Denkmalamt. Konservatorin Caroline Hero räumt ein, dass die Schlösser das Erscheinungsbild des Ziergeländers „in unerfreulicher Weise“ verändern. Wie dem Problem ohne permanente Überwachung beizukommen sei, könne sie allerdings nicht sagen. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es: Bisher sind – abgesehen von einem „geringen Abrieb des Lacküberzugs“ – keine Schäden bekannt. Und da das Ziergeländer ohnehin ein Nachbau von 1992 ist, sei die Frage aus denkmalfachlicher Sicht „weniger von Belang“. Das Denkmalamt habe das ASE aber darauf aufmerksam gemacht, dass die Veränderung des Erscheinungsbilds problematisch sei und statische Probleme entstehen könnten.
Vorerst bleiben die Liebesschlösser, wo sie sind – geduldet, aber ohne Bestandsschutz. Ein Recht auf ewige Liebe am Eisernen Steg gibt es nämlich nicht. Müssen Schlösser aus Sicherheitsgründen oder wegen Bauarbeiten weg, darf die Stadt jederzeit zur Zange greifen. Die Idee mit dem alternativen Standort bleibt im Raum – ob sie die Politik überzeugt, wird sich zeigen, wenn sich die Stadt offiziell mit dem Vorschlag auseinandergesetzt hat.
Wie seht ihr das, Frankfurt? Gehören die Schlösser zum Eisernen Steg wie der Main zur Stadt – oder wäre ein bisschen mehr Ordnung gut? Schreibt es uns! Der Sound der Weltstadt lebt von euren Meinungen.






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