
Martin Guth las im Dauernheimer Auenlandhof aus seinem Debütroman „Meine Frau, ihr Mann und ich“ – mit Selbstironie, Sprachwitz und Live-Musik über…
Wann ist der Mann ein Mann? Diese Frage – unsterblich gemacht durch Herbert Grönemeyer – stand im Mittelpunkt eines besonderen Kulturabends im Wetteraukreis. Der Niddaer Kulturamtsleiter Martin Guth, früher Kabarettist, Musiker und Comedian, präsentierte im Biergarten des Dauernheimer Auenlandhofs seinen 2015 erschienenen Debütroman „Meine Frau, ihr Mann und ich“ – und das nicht nur als klassische Lesung, sondern auch mit Gesang und Gitarre. Der Sound der Weltstadt kommt halt manchmal auch auf der Gartenwiese an!
Die Zuhörerinnen und Zuhörer auf der bestens besetzten Gartenwiese unter alten Bäumen wurden gleich ins kalte Wasser geworfen: Guth startete mit nicht weniger als zwei Sexszenen in den ersten 15 Minuten – darunter eine, in der das Alter Ego seines Helden Jan die eigene Ehefrau Heike in flagranti mit einem Drummer und Bandkumpel erwischt. Was folgte, war ein temporeicher Mix aus Sarkasmus, Satire, Nachdenklichkeit und Sprachwitz.
Im Zentrum steht Jan, der unter dem Einfluss seiner Ehefrau Heike zum Softie mutiert. Trotz aller Klimmzüge als verständnisvoller Ehemann und kompetente „Zahn-, Schnuller- und Schwimmflügel-Fee“ der beiden gemeinsamen Töchter Hanna und Lina kann er den Seitensprung der Gattin mit dem testosterongeschwängerten Macho-Kumpel nicht verhindern. Der steinige Weg zurück zur eigenen Identität führt Jan als alleinerziehenden Vater unter anderem versehentlich in die Frauensauna einer Wellness-Oase – und lässt ihn wutentbrannt CDs aus dem Autofenster werfen, weil er den verursachten Liebeskummer nicht erträgt.
Guth lieferte seinen Vortrag mal sarkastisch und bissig, mal leise und einfühlsam – voller Selbstironie und Sprachwitz. Die Botschaft dahinter blieb dabei klar: Bleib dir selbst treu, auch und gerade wenn du liebst. Denn die Frage, wie man sich innerhalb einer Beziehung verändert und was man tun kann, um sich selbst nicht fremd zu werden, geht Männer und Frauen gleichermaßen an. Dass er das alles aus dem Abstand von Jahren erzählte – und, wie er selbst unterstrich, noch immer glücklich verheiratet ist – gab dem Ganzen eine entspannte, humorvolle Note.
Aber Guth blieb nicht nur beim gesprochenen Wort. Als einstiger Musiker und Sänger griff er auch im Auenlandhof zum Mikrofon und performte den titelgebenden Song „Meine Frau, ihr Mann und ich“ – ein Stück, das den Wandel zum Weichei gekonnt auf die Schippe nimmt und fragt, was all die Selbstentfremdung eigentlich gebracht hat.
Für zustimmendes Kopfnicken im Publikum sorgte ein weiterer Song: das vertonte Trauma der Bundesjugendspiele. Guth, einst selbst pummeliger Gymnasiast, erinnerte damit an eine Zeit, in der die Begriffe „Mobbing“ und „Dissen“ noch unbekannt waren – die Phänomene aber trotzdem allgegenwärtig waren, vor allem für unsportliche und figürlich benachteiligte Mitschüler.
Das Schreiben, Singen, Komponieren und Performen hat für Guth auch eine therapeutische Funktion, wie er dem Publikum verriet. Dabei ließ er – ganz ähnlich wie der launig moderierende Hausherr André Hülsbömer – bewusst offen, wie viel Realität tatsächlich in seinen Ehe- und Familienstorys steckt. Immerhin: Die echte Ehefrau heißt nicht Heike, auch wenn sie nach dem Erscheinen des Buches auf Butzbacher Straßen häufig so angesprochen wurde. Und Martin und Jan seien nicht deckungsgleich – wobei Guth selbst einräumte, dass der „echte Martin“ und der Buch- und Bühnen-Martin auch für ihn nicht immer klar voneinander zu trennen seien.
Den geistreichen Nachmittag beschloss der vielseitige Sprach-Jongleur schließlich mit einer Auswahl an Stilblüten aus der Lokalpresse – ein passend augenzwinkernder Abschluss eines kurzweiligen Kulturerlebnisses im Wetteraukreis. Wer solche Veranstaltungen in der Region nicht verpassen will: Jetzt reinhören und immer up to date bleiben mit dem besten Programm im Main-Gebiet!






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