
Frankfurter Start-up Recover Society setzt auf Eisbäder, Sauerstofftherapie und Rotlicht – aber was bringt der Longevity-Trend wirklich? Wir haben nachgefragt.
Fitter, gesünder, länger jung – und das mitten in Frankfurt. Was klingt wie ein Werbeversprechen aus einer Science-Fiction-Serie, ist für das Frankfurter Start-up Recover Society tägliche Realität. Im sechsten Stock des Frankfurter Roomers Hotels haben die Gründer Marcus Naumann und Nicolai Gropper eine futuristische Wellnesswelt erschaffen – irgendwo zwischen Raumschiff, Labor und Beauty-Salon. Vor rund einem Jahr öffnete der sogenannte Recovery Hub seine Türen, und seitdem dreht sich dort alles um ein Ziel: gesundes, langes Leben.
Naumann bringt es auf den Punkt: „Wir bauen Orte der Erholung, Orte der Prävention.“ Dabei gehe es nicht ums ewige Leben – sondern darum, schon im mittleren Alter die richtigen Weichen zu stellen für ein „gesundes, würdevolles Altern in guter Gesundheit“.
Das Angebot von Recover Society klingt beeindruckend: Eisbäder, hyperbare Sauerstofftherapie, Rotlichttherapie, Mikrostrombehandlung, Wasserplasma-Inhalation und Infusionen. Wer eine der Anwendungen buchen möchte, wird zunächst bei einer umfassenden Körperanalyse durchgecheckt. Für die medizinische Expertise haben Naumann und Gropper – selbst Produktstratege und Innovationsmanager – den Arzt Dominik Duscher ins Team geholt. Denn das Start-up will mehr als Wellness: „Die wissenschaftliche Basis ist eigentlich so ein bisschen der Leitstern von allem, was wir machen“, sagt Naumann.
Klingt alles gut – aber hält es auch, was es verspricht? Forschende der Yale University haben in einer aktuellen Studie in der Fachzeitschrift Nature Medicine 51 verschiedene Longevity-Interventionen untersucht. Ergebnis: Es gab zwar Veränderungen bei biologischen Alterungsmarkern – ob das aber tatsächlich zu einem längeren oder gesünderen Leben führt, lasse sich bislang nicht sicher sagen.
Altersforscher Björn Schumacher von der Uni Köln sieht die Studienlage bei den meisten Anwendungen noch als zu gering an, um klare Aussagen zu treffen. Bei der hyperbaren Sauerstofftherapie sieht es laut Schumacher etwas besser aus: „Es gibt durchaus Studien dazu, die nahelegen, dass diese hyperbarischen Kammern einen positiven Effekt haben.“
Und der Grundstein für ein langes, gesundes Leben lasse sich auch deutlich günstiger legen, sagt Schumacher: „Indem man regelmäßig Sport treibt, sich gesund ernährt und auf schädliche Dinge verzichtet.“ Das bestätigt übrigens auch Gründer Naumann selbst: „Alles, was wir hier machen, bringt dir nichts, wenn du schlecht schläfst.“
150 Euro für eine Stunde Sauerstofftherapie – das ist nicht für jeden drin. Naumann ist sich dieser Kehrseite des Trends bewusst: „Dass soziale Klassen hierbei extrem voneinander getrennt werden.“ Dagegen müsse man auch gesellschaftlich arbeiten, betont er. Kundin Beata Behringer, die nach einer Thorax-OP regelmäßig die Sauerstoffkammer nutzt, sagt: „Ich habe danach viel mehr Energie. Mir geht es generell einfach viel besser.“ Für sie ist der Preis es wert – aber eben nicht für jeden.
Was am Ende bleibt: Der Longevity-Trend bringt Menschen dazu, sich mehr Gedanken über ihre eigene Gesundheit zu machen. Und das findet selbst Altersforscher Schumacher positiv – ganz egal, ob mit Eisbad auf dem Dach oder mit einem Spaziergang im Frankfurter Stadtwald. Der Sound der Weltstadt lebt eben auch von Menschen, die Neues wagen. Jetzt reinhören – und vielleicht auch einfach mal abtauchen.






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