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Klappstühle im Fischaufstieg: Rudelbaden in der Nidda sorgt für Ärger in Frankfurt

Mitten im geschützten Fischaufstieg der Nidda: Badende ignorieren das Betretungsverbot und sorgen in Frankfurt für hitzige Debatten online und offline.

Redaktion
·
18. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 3 Tagen

Sonnenbaden verboten – aber trotzdem mittendrin

Stell dir vor: Samstagnachmittag, 17.40 Uhr, pralle Hitze im Frankfurter Westen. Und mitten im geschützten Nebenarm der Nidda – genau dort, wo eigentlich Fische ungestört zu ihren Laichplätzen wandern sollen – stehen ein gutes Dutzend Klappstühle im seichten Wasser. Dazu eine Kühlbox, ein pinkfarbener Sonnenschirm und jede Menge Badegäste. Was wie eine harmlose Sommerszene klingt, ist in Wirklichkeit ein klarer Verstoß gegen geltendes Recht und schadet dem Ökosystem der renaturierten Nidda massiv.

Was an der Nidda eigentlich verboten ist

Die Stadt Frankfurt hatte bereits 2023 eine Allgemeinverfügung zum Schutz des renaturierten Abschnitts am ehemaligen Höchster Wehr erlassen. In der ausgewiesenen Regelungszone sind Baden, Lagern, Picknicken, Grillen sowie das Aufstellen von Bänken, Tischen und Stühlen ausdrücklich verboten. Im besonders sensiblen Kernbereich mit Streichwehr, Insel und Fischaufstieg gilt sogar ein generelles Betretungsverbot.

Der Grund dafür: Der rund 150 Meter lange und etwa zehn Meter breite Nebenarm am Nieder Ufer wurde eigens angelegt, damit Fische das Wehr überwinden und flussaufwärts zu ihren Laichplätzen gelangen können. Schon das bloße Betreten der Gewässersohle kann das Gestein ständig umlagern – und damit Fischeier zwischen den Steinen abschwemmen. Auch geschützte Vogelarten wie Flussregenpfeifer und Eisvogel sowie Libellen und Muscheln nutzen den Bereich. Die Stadt bewertet ihn als „ökologisch besonders wertvoll“.

Facebook-Foto entfacht Sturm der Empörung

Eine Facebook-Nutzerin fotografierte die Szene und teilte das Bild in der Gruppe „Nied – the best of Frankfurt West“ – versehen mit dem Kommentar: „Ignoranz ist die Kunst, mit offenen Augen nichts sehen zu wollen!“ Was folgte, war ein echter Shitstorm. Hunderte Frankfurterinnen und Frankfurter diskutierten hitzig, der Ton wurde dabei zunehmend aggressiver und beleidigender. Am Ende mussten die Moderatoren der Stadtteilgruppe die Kommentarfunktion komplett deaktivieren, weil sie mit dem Löschen unflätiger Beiträge einfach nicht mehr nachkamen.

Neben dem Baden selbst sorgte auch der hinterlassene Müll für Empörung. „Das Schlimme ist aber auch, dass die Leute ihren Müll liegen lassen“, schrieb eine Nutzerin über die Picknick-Gesellschaften an und in der Nidda. Andere wiesen auf legale Alternativen hin: „Wer planschen will, soll das bitte im Silobad, Brentanobad, Hausener Freibad oder in Badeseen tun.“

Gesundheitsrisiko obendrauf

Wer jetzt denkt, ein bisschen Waten in der Nidda sei doch harmlos – da gibt’s noch einen weiteren Grund zur Vorsicht. Main und Nidda sind in Frankfurt keine zugelassenen Badegewässer. Das Gesundheitsamt weist auf Belastungen durch Bakterien wie E. coli und intestinale Enterokokken hin sowie auf mögliche Einträge aus Kläranlagen und Mischwasserentlastungen. Aus infektionshygienischer Sicht könne das Schwimmen in diesen Gewässern nicht befürwortet werden.

Ortsbeirat fordert Konsequenzen

Das Problem ist übrigens nicht neu. Bereits Anfang Juli hatte das Kreisblatt über die Zustände an den renaturierten Nidda-Abschnitten berichtet. An heißen Wochenenden seien dort mehrere Hundert Menschen unterwegs – in den als Laichplätze angelegten Flachwasserbereichen werde gebadet und Ball gespielt, am Ufer gegrillt und gefeiert. Das ernüchternde Fazit: „Jedes Jahr wieder werden die Landschaftsschutzgebiete zu Grill- und Badeplätzen missbraucht.“

Der Ortsbeirat 6 hat die Stadt inzwischen gefragt, wie viele Kontrollen es in den vergangenen Jahren überhaupt gegeben habe und wie die Schutzregeln künftig wirksamer durchgesetzt werden könnten. Eine berechtigte Frage – denn solange kaum kontrolliert wird, werden Klappstühle im Fischaufstieg wohl keine Seltenheit bleiben.

Klar ist: Frankfurt hat tolle Alternativen für heiße Sommertage. Die Nidda in ihrem geschützten Bereich gehört den Fischen – nicht den Klappstühlen.

Quellen

Update: Es gibt neue Entwicklungen zu diesem Thema:

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