
Frankfurt ist die einzige deutsche Großstadt ohne Krematorium – ein Kühlzelt in Offenbach macht das Problem jetzt sichtbar. Jetzt wird ein Neubau gefordert.
Das klingt kaum glaublich, ist aber Realität: Seit 2014 ist Frankfurt die einzige Großstadt in Deutschland, die kein eigenes Krematorium betreibt. Und jetzt kommt das Thema mit voller Wucht zurück auf die politische Agenda – ausgelöst durch einen beunruhigenden Vorfall im Sommer.
An besonders heißen Tagen stieg die Sterblichkeit im Rhein-Main-Gebiet deutlich an. Gleichzeitig wird im Krematorium in Offenbach, wo auch viele verstorbene Frankfurterinnen und Frankfurter eingeäschert werden, gerade eine der beiden Ofenlinien modernisiert. Das fatale Zusammentreffen beider Faktoren führte dazu, dass dort vorübergehend ein Kühlzelt an der Anlage aufgebaut werden musste. Ein Bild, das viele Menschen in der Region schockiert hat.
Für die Fraktion BFF-DFRA-Freie Wähler im Frankfurter Stadtparlament ist das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Ihr Fraktionsvorsitzender Mathias Pfeiffer macht seinem Ärger Luft: „Das ist mit der Würde der Verstorbenen und dem Respekt vor den Angehörigen nicht vereinbar.“ Er nennt es ein „Armutszeugnis“ für eine Stadt wie Frankfurt, dass Verstorbene quer durch das Rhein-Main-Gebiet gefahren werden müssten. Sein Fazit: „Schluss mit dem Leichentourismus!“
Das Krematorium im historischen Portalbau des Frankfurter Hauptfriedhofs – fertiggestellt 1912 – wurde Ende 2013 geschlossen. Damals war von den ursprünglich vier Öfen nur noch einer in Betrieb. Die beim Umbau 1995 eingeplante Kapazität von 8.000 Einäscherungen pro Jahr wurde nie erreicht. Am Ende waren es gerade mal 1.900 – und das Krematorium benötigte einen jährlichen Zuschuss von 200.000 Euro. Ein Akteneinsichtsausschuss befasste sich damals mit der Schließung, die bereits seinerzeit für Kritik sorgte. BFF-DFRA-Freie Wähler macht für diesen Zustand insbesondere die damalige Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen) verantwortlich.
Eine Rolle spielte auch, dass 2003 private Unternehmen als Krematoriumsbetreiber zugelassen wurden – was den Druck auf die städtische Anlage weiter erhöhte und die Nachfrage sinken ließ.
Die Fraktion BFF-DFRA-Freie Wähler hat einen Antrag gestellt: Der Magistrat soll prüfen, ob Bau und Betrieb eines modernen Krematoriums in Frankfurt wirtschaftlich darstellbar sind. Dabei sollen auch mögliche Standorte und eine öffentlich-private Partnerschaft untersucht werden. Besonders interessant: Die Fraktion möchte das Projekt auch unter dem Gesichtspunkt von Klimaschutz und Nachhaltigkeit bewertet wissen – zum Beispiel mit Blick auf Wärmerückgewinnung und alternative Energieträger.
Die Stadtseite zeigt sich wenig begeistert. Das Grünflächenamt teilt mit, dass die Stadtverwaltung gar keine Zahlen darüber hat, wo Frankfurter Verstorbene heute eingeäschert werden – das sei Sache der Bestattungshäuser. Eine Wiederinbetriebnahme eines städtischen Krematoriums sei angesichts der Dichte an Krematorien rund um Frankfurt nicht wirtschaftlich. Zudem könne wegen der heutigen gesetzlichen Anforderungen nicht auf die alten Strukturen zurückgegriffen werden.
Dabei ist der Bedarf durchaus vorhanden: Im vergangenen Jahr stieg der Anteil der Urnenbestattungen in Frankfurt nochmals leicht an. 76 Prozent aller 4.730 Bestattungen auf den 36 Frankfurter Friedhöfen waren Urnenbestattungen – der Trend zur Einäscherung ist also ungebrochen.
Eins ist klar: Das Thema ist zurück auf dem Tisch – und es betrifft uns alle. Würde, Respekt und eine würdevolle Versorgung auch im Tod sind keine Kleinigkeiten. Ob Frankfurt tatsächlich ein neues Krematorium bekommt, liegt jetzt beim Magistrat. Wir bleiben für euch dran und berichten weiter – hier bei Radio Frankfurt, dem Sound der Weltstadt!






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