
Ein Badeschiff auf dem Main? Nach 20 Jahren Diskussion sagt Frankfurt klar Nein. Warum das Projekt scheiterte und was Mainz jetzt anders macht.
Berlin hat eins, Wien hat eins – und Frankfurt? Fehlanzeige. Seit rund zwei Jahrzehnten wird in unserer Stadt diskutiert, ob ein Badeschiff auf dem Main möglich wäre. Doch jetzt ist klar: Es wird wohl nichts daraus. Die Stadt Frankfurt hat dem Projekt eine deutliche Absage erteilt. Das Urteil aus dem Umweltdezernat klingt ernüchternd: „politisch nicht gewollt.“
Dabei ist die Idee eigentlich verlockend – gerade im Sommer, wenn die Sonne über den Mainkai knallt und man sich nichts sehnlicher wünscht als eine Abkühlung direkt am Wasser. Der Sound der Weltstadt trifft auf einen Fluss, der zum Baden einlädt – zumindest theoretisch.
Vor allem Frankfurter Projektentwickler Eckart von Schwanenflug hat das Vorhaben über viele Jahre hartnäckig verfolgt. Er brachte immer wieder konkrete Pläne auf den Tisch: Ein 50 Meter langes Becken mit vier Bahnen, dazu Sauna, Wellness, Fitnessstudio und Bistro. Eine echte Wohlfühl-Oase mitten auf dem Main – das war die Vision.
Doch von Schwanenflug zieht heute eine bittere Bilanz. Er habe sich „komplett rausgezogen“ aus dem Projekt, sagt er. Der Grund: seitens der Stadt habe es „null Unterstützung“ gegeben. Seine Worte sind deutlich: „Die Stadt hat keine Energie, um das zu verfolgen. Es ist politisch nicht gewollt.“ Frustrierender kann eine Aussage kaum sein, wenn man jahrelang Vorarbeit geleistet hat.
Vor drei Jahren schien kurz wieder Bewegung in die Sache zu kommen. Der Magistrat gab damals bekannt, im Zusammenhang mit der Mainkai-Sperrung das „Urban Land Institute“ mit einem Expertenworkshop beauftragt zu haben – unter anderem mit dem Thema Badeboot auf dem Main. Doch auch dieser Anlauf verlief im Sand. Geblieben ist: nichts.
Aktuell liegt der Stadt laut einer Sprecherin des Umweltdezernats keine einzige Anfrage für ein Badeschiff auf dem Main vor. Keine konkreten Planungen, keine Beschlüsse, keine Perspektive.
Die Stadt hat in den vergangenen Jahren mehrfach geprüft, was ein solches Vorhaben bedeuten würde – mit Gesprächen, internen Abstimmungen und der Beteiligung verschiedener Fachämter. Das Ergebnis: jede Menge komplexe Fragen, die unbeantwortet bleiben.
Denn ein Badeschiff ist rechtlich gesehen eine wasserrechtliche Anlage. Das bedeutet: Hochwasserschutz, Schutz des Gewässerrandstreifens, Vorgaben rund um die Bundeswasserstraße Main, Fragen der Ver- und Entsorgung sowie ökologische Belange müssen alle berücksichtigt werden. Dazu kommen Auswirkungen auf das Stadtbild und die Flusslandschaft. Die kritische fachliche Einschätzung des Umwelt- und Grünflächenamtes hat sich laut Sprecherin bis heute nicht verändert.
Besonders pikant: Während Frankfurt das Thema zu den Akten legt, bringt die Nachbarstadt Mainz gerade eine Ausschreibung für eine Machbarkeitsstudie zu einem Badeschiff auf dem Rhein auf den Weg. Man darf gespannt sein, ob Mainz schafft, woran Frankfurt seit 20 Jahren gescheitert ist.
Für alle Frankfurter, die vom Schwimmen auf dem Main geträumt haben: Der Traum scheint vorerst ausgeträumt. Schade, oder? Was meint ihr – sollte die Stadt das Thema wirklich begraben? Diskutiert mit und hört rein bei Radio Frankfurt – das beste Programm im Main-Gebiet!


Das „Ensemble in transition



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