
In Karben brettern Autos und Motorräder trotz Sperrung über Gehwege einer Baustelle. Anwohner fordern mehr Kontrolle – jetzt droht die Vollsperrung.
Stellt euch vor: Ihr steht vor eurer Haustür, und plötzlich rauscht ein Auto mit ordentlich Tempo über den Gehweg an euch vorbei – direkt neben einer Baustelle, die eigentlich längst gesperrt ist. Genau das ist die Realität für die Anwohner der Burg-Gräfenröder Straße und Ludwigstraße in Karben. Täglich, manchmal bis tief in die Nacht, passieren dort Szenen, bei denen einem der Atem stockt.
Die Baustelle an der Groß-Karbener Ortsdurchfahrt ist offiziell gesperrt, es gibt eine ausgeschilderte Umleitung – doch viele Fahrerinnen und Fahrer scheren sich schlicht nicht darum. Autos drücken sich in beachtlichem Tempo am Gehweg vorbei, Motorräder brettern über Bordsteine, und das alles an Ecken, die kaum einsehbar sind. Beim Ortstermin mit betroffenen Anwohnern sind in kurzer Zeit rund ein Dutzend solcher waghalsigen Manöver zu beobachten.
Anwohner Roland Seibel, der direkt an der betroffenen Ecke wohnt, bringt es auf den Punkt: „Die Beschilderung, dass hier gesperrt ist und es eine offizielle Umleitung gibt, ignorieren viele völlig.“ Und weiter: „Das Schlimmste aber ist die extreme Rücksichtslosigkeit der Fahrer.“ Seine Nachbarinnen und Nachbarn, die anonym bleiben möchten, sehen das genauso.
Das ist nicht nur lästig – es ist gefährlich. Direkt an der Ecke Burg-Gräfenröder Straße/Röderweg mündet ein Weg in die Straße, den regelmäßig Fußgängerinnen und Fußgänger queren. Ein Rennradfahrer konnte beim Ortstermin in letzter Sekunde auf dem Bordstein abbremsen, als ein Jugendlicher mit Hund um die Ecke kam. „Es wäre schon mehrfach fast zu einem Unfall gekommen, weil Fahrräder oder Motorräder auf dem Gehweg mit hoher Geschwindigkeit vorbeifahren“, sagt Roland Seibel. „Wir sind einfach froh, dass noch nichts passiert ist.“
Dazu kommt: Auch die Bauarbeiter selbst bekommen den Frust der rücksichtslosen Durchfahrenden zu spüren – sie werden angehupt oder sogar angepöbelt, wenn sie ihre Arbeit machen.
Die Anwohner sind sauer – und das nicht nur wegen der Fahrer. Denn das Ordnungsamt habe trotz mehrfacher Anrufe keine einzige Kontrolle durchgeführt, berichten sie. „Es wäre ein Einfaches gewesen, frühzeitig regelmäßig durch das Ordnungsamt zu kontrollieren“, sagt ein Anwohner. Andere Ideen der Nachbarschaft: Poller, Schwellen oder eine veränderte Beschilderung. Ein gemeinsames Gespräch mit der Stadt habe man sich gewünscht – doch das blieb aus.
Bürgermeister Guido Rahn (CDU) verweist auf die aktuelle Baustellenentwicklung: „Das Problem des baustellenfremden Durchgangsverkehrs erübrigt sich mit dem unmittelbaren Vorrücken der Arbeiten: Die Ortsdurchfahrt ist ab sofort am Beginn des ersten Bauabschnitts (Ludwigstraße) voll gesperrt.“ Gehwege und Fahrbahn seien dort bereits zurückgebaut – ein Durchfahren sei schlicht nicht mehr möglich. Auch im Bereich Burg-Gräfenröder Straße/Röderweg werde die Straße in Kürze komplett geschlossen.
Für die Anwohner heißt das: Ihre Grundstücke bleiben erreichbar – in direkter Abstimmung mit der Baufirma, was laut Rahn und Anwohnern bislang „reibungslos“ läuft. „Die Bauarbeiter vor Ort sind stets sehr hilfsbereit“, bestätigt eine Anwohnerin.
Die Vollsperrung könnte für die geplagten Anwohnerinnen und Anwohner endlich etwas Luft verschaffen. Doch Entwarnung gibt es noch lange nicht: Die Bauarbeiten laufen voraussichtlich bis 2027. Es bleibt also spannend, wie sich die Lage weiterentwickelt – und ob die Stadt künftig schneller reagiert, wenn Anwohner Alarm schlagen. Wir bleiben für euch dran!






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