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Frankfurter CSD-Sprecher nach Berliner Anschlag: „Wir zeigen uns jetzt erst recht

Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD spricht Frankfurts CSD-Sprecher Sebastian Reggentin Klartext: Die queere Community zeigt sich weiterhin – laut und…

Redaktion
·
27. Juli 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Stunde

Schock und Trauer in der Frankfurter queeren Community

Nach dem Terroranschlag am Rande des Berliner CSD – eine Frau starb, 29 Menschen wurden verletzt, als ein Auto in eine Menschenmenge fuhr – ist auch Frankfurt tief erschüttert. Die queere Community hier am Main trauert, doch sie lässt sich nicht einschüchtern. Das macht Sebastian Reggentin, Sprecher des Frankfurter CSD, unmissverständlich klar: „Wir zeigen uns jetzt erst recht. Und werden beim nächsten CSD doppelt so laut sein.“

Nur eine Woche zuvor hatte der Frankfurter CSD noch friedlich und fröhlich gefeiert – mit 17.000 Menschen allein bei der Demo. Der Kontrast zu den Ereignissen in Berlin trifft deshalb besonders hart. „Viele aus der Frankfurter Community waren auch vor Ort. Also sehr nah dran“, sagt Reggentin. Die Berliner und Frankfurter CSD-Organisierenden kennen sich persönlich: „Wir kennen uns alle untereinander und wissen, was für ein Herzblut dahintersteckt, und dann ist dies natürlich immer ein Angriff auf die queere Community.“

„Die Angst war immer da“

Reggentin gibt zu, dass der Anschlag für ihn keine völlige Überraschung war – auch wenn er einen lähmt. Sein erster Gedanke beim Lesen der Nachricht: „Jetzt ist es doch passiert.“ Die Gefahr bei Großveranstaltungen sei in der Community immer präsent gewesen. „Die Angst, dass bei Großveranstaltungen etwas passieren könnte, war immer da.“ Terrorabwehr sei deshalb ein fester Bestandteil der Absprachen mit der Polizei. Auch der Umzug des Frankfurter CSD ans Mainufer – weg von der Konstablerwache – hatte Sicherheitsgründe: Am Mainufer gibt es weniger Zugänge, die sich besser sichern lassen.

Trotzdem ist Reggentin klar: „Für jeden Einzelnen ist klar, dass die Zeiten gefährlicher werden. Aber wir lassen uns nicht in Ecken zurückdrängen, dann würden wir genau das erreichen, was solche Menschen erreichen wollen.“

Queerfeindliche Vorfälle auch in Frankfurt

Der Berliner Anschlag ist nicht das einzige Alarmsignal. Am selben Sonntagmorgen, nur Stunden nach dem Attentat, häuften sich auch in Frankfurt queerfeindliche Übergriffe. Die Polizei meldete zwei Vorfälle: Eine 26-jährige Person aus der queeren Community wurde gegen 6 Uhr an der Konstablerwache von einem unbekannten Mann wegen ihrer Kleidung beleidigt und mit der flachen Hand geschlagen. Der Tatverdächtige flüchtete danach.

Außerdem fahndet die Polizei Frankfurt nach fünf weiteren Personen, die in der Casparistraße eine 42-jährige Person mutmaßlich aufgrund ihrer sexuellen Orientierung beleidigt und bedroht haben sollen. Einer der Männer soll dabei einen Hammer in der Hand gehalten haben. Beide Vorfälle ereigneten sich kurz nach dem Berliner Anschlag – ein beunruhigendes Zeichen.

Mutig und sichtbar bleiben – das ist das Ziel

Annette Kühn, Vorstandsfrau des Queeren Kulturhauses (Lesbisch Schwules Kulturhaus LSKH) unweit der Konstablerwache, teilt die Haltung von Reggentin. Sie beobachtet die zunehmende Queerfeindlichkeit mit großer Sorge – auch den Vorfall wenige Tage vor dem Frankfurter CSD, bei dem ein schwuler Mann mit einer Glasflasche verletzt wurde. Sie warnt außerdem davor, den Anschlag politisch zu instrumentalisieren oder Minderheiten gegeneinander auszuspielen: „Das ist das ganz falsche Signal.“

Ihre Antwort darauf ist genauso klar wie die von Reggentin: Das Queere Kulturhaus hat ein großes Banner mit dem Schriftzug „Queeres Kulturhaus“ am Gebäude angebracht. „Es ist wichtig, dass wir uns nicht verunsichern lassen, sondern mutig und sichtbar bleiben.“

Am Sonntagabend versammelten sich bereits Trauernde zu einer Mahnwache am Römerberg, organisiert von „Fridays for Future“. Die Grünen riefen zudem für den Montagabend zu einer Gedenkveranstaltung am Paulsplatz auf. Frankfurt trauert – und Frankfurt kämpft weiter. Der Sound der Weltstadt gehört allen.

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