
Die Netzskulptur „A Sky Full of Hope
Die Netzskulptur „A Sky Full of Hope“ an der Konstablerwache ist jetzt offiziell da. Am Dienstagmorgen stellten Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und die US-amerikanische Künstlerin Janet Echelman das Werk gemeinsam vor – am Abend folgte die feierliche Einweihung mit Licht- und Klanginszenierung. Doch was viele erhofft hatten, ist eingetroffen: Die Diskussion rund um die Installation ist damit nicht zu Ende, sondern geht erst richtig los. Wie wir in einem früheren Beitrag berichteten, hatte das Projekt schon vor der Eröffnung für einen handfesten Shitstorm gesorgt.
Mehr als sieben Meter hoch hängt das farbige Netz über dem Platz, getragen von vier massiven Stützen. Rund 103 Kilometer Garn wurden verarbeitet – aus hochfesten Polymerfasern, wie sie auch in der Raumfahrttechnik zum Einsatz kommen. Das Netz reagiert auf Wind und Wetter, bei Dunkelheit wird es beleuchtet. Geplant ist, die Skulptur bis Oktober 2029 zu zeigen, allerdings jeweils in den Wintermonaten abzuhängen.
Der Titel „Earthtime 1.78″ trägt eine besondere Bedeutung: Er bezieht sich auf das schwere Tōhoku-Erdbeben von 2011, das die Erdrotation veränderte und einen Tag um 1,78 Mikrosekunden verkürzte. Messdaten der damaligen Wellenbewegungen dienten Echelman als Grundlage für die Form des Netzes. Das Werk ist Teil der World Design Capital Frankfurt-Rhein/Main 2026.
Kulturdezernentin Hartwig bezeichnete das Werk als „Kunst für alle“ und hob hervor, dass Echelmans Arbeiten zu den angesehensten im öffentlichen Raum weltweit gehören. Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) sieht in der Netzstruktur sogar ein Symbol für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt – erst die Verbindung der einzelnen Knoten schaffe Stabilität. Echelman selbst forderte die Frankfurterinnen und Frankfurter auf, sich den Raum anzueignen: „Auf diese Weise wird es zu ihrer Skulptur.“
Dem entgegen steht die scharfe Kritik des promovierten Architekten und Architekturtheoretikers Wolfgang Böhm. Für ihn ist das politische Aufladen des Werks mit Begriffen wie Demokratie und Verbundenheit „unerträgliches Geschwafel“. Tagsüber hänge dort vorwiegend ein „stupides Netz“, die vier Stützen seien „brutal“ und unelegant. Böhm zweifelt grundsätzlich daran, dass die Kunstinstallation den Problemen des Platzes gerecht wird. Sinnvoller wären aus seiner Sicht Begrünung, Entsiegelung oder Beschattung – also konkrete Maßnahmen für mehr Klimaresilienz und Aufenthaltsqualität.
Die Kostenfrage war von Anfang an heiß umstritten. Schon in der Frühphase wurde kritisiert, dass zwei Millionen Euro für Kunst schwer zu rechtfertigen seien, während Frankfurter Schulen unter Finanzierungsproblemen leiden. Die Stadt stellt klar: Die 2,3 Millionen Euro stammen nicht aus dem laufenden Kulturetat, sondern aus investiven Restmitteln der „Initiative Innenstadt“. Ursprünglich waren 1,2 Millionen Euro für eine Innenstadt-Illumination vorgesehen – Geld, das sonst verfallen wäre. Finanziert werden neben dem Kunstwerk auch Beleuchtung und Pflasterarbeiten am Platz.
Böhm kritisiert zudem, dass Echelman ohne öffentlichen Teilnahmewettbewerb beauftragt wurde. Die Stadt begründet das mit der Einzigartigkeit des Werks – und damit, dass Geld und Idee erst „spät“ kamen. Böhm lässt das nicht gelten: Echelman habe ähnliche Netze als Teil ihrer „Earthtime“-Serie bereits an zahlreichen Orten installiert. „Wenn es schon als Serie bezeichnet wird, ist es nicht einzigartig, sondern eine Variante eines Themas“, sagt er.
Die Konstablerwache gilt außerhalb der Markttage als schmuckloser Durchgangsort mit sozialen Spannungen und wenig Aufenthaltsqualität. Genau das soll das Kunstwerk ändern. In anderen Städten hätten sich unter Echelmans Netzen Yoga-, Tanz- und Trommelgruppen versammelt – vergleichbare Nutzungen seien auch in Frankfurt denkbar. Ob das Netz die Konstablerwache wirklich verwandelt oder im Alltag schlicht ignoriert wird, muss sich noch zeigen. Böhm räumt immerhin ein, dass das Werk beleuchtet eindrucksvoll wirken könne. Der Sound der Weltstadt Frankfurt jedenfalls hat ein neues Gesprächsthema – und das hängt jetzt sieben Meter über dem Pflaster.


Ab dem 12. November kommt „Viva Frida Kahlo



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