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Hot Printing Festival in Offenbach: Druckkunst, Kulturgut und ein Kampf gegen die Verschrottung

Das Hot Printing Festival im Klingspormuseum Offenbach wächst auf über 90 Aussteller – und kämpft gleichzeitig um den Erhalt einer einzigartigen…

Redaktion
·
21. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 5 Stunden

Offenbach druckt – und wie!

Das Klingspormuseum in Offenbach macht mal wieder klar: Drucken und Offenbach gehören einfach zusammen. Zum dritten Mal steigt das Druckfestival „Hot Printing“ – und es wird größer als je zuvor. Über 90 Aussteller sind dieses Mal dabei, obwohl das Gelände schon auf vier Standorte gewachsen ist. Aus sage und schreibe 150 Bewerbungen musste ausgewählt werden. Der Hype ist real!

Von 50 auf 90 Stände – das Festival explodiert

2022 startete das Hot Printing Festival als Testballon, um Menschen aus der Druckszene zu vernetzen und sichtbar zu machen. Der Plan ging voll auf. Beim ersten Mal waren es 50 Stände, dann 60 – und jetzt über 90. Das Festivalgelände erstreckt sich mittlerweile auf das Klingspormuseum mit Vorplatz, den Hof des Büsingpalais, die Druckwerkstatt im Bernardbau und erstmals die Industriehalle im Haus der Stadtgeschichte.

Museumsleiterin Dorothee Ader erklärt, warum Offenbach als Austragungsort einfach perfekt ist: Die Lithografie wurde hier Ende des 18. Jahrhunderts zum ersten Mal kommerziell für den Notendruck genutzt – und legte damit den Grundstein für den Plakat- und Bilderdruck, wie wir ihn heute kennen. Auch die Firma Manroland war von Offenbach aus lange das Maß der Dinge in der Druckbranche. Die Geschichte steckt hier buchstäblich in den Wänden.

Mitmachen, staunen, ausprobieren

Beim Hot Printing Festival ist für jeden was dabei – egal ob erfahrener Drucker oder neugieriger Laie. Die Vielfalt ist beeindruckend: Siebdruckplakate, traditioneller Buchdruck, experimentelle Lithografie, Materialdruck, Comics und Zines in Knallfarben aus dem Risodrucker. Die Aussteller kommen nicht nur aus der Region, sondern auch aus Leipzig, Hamburg, Berlin, Wien, Zürich und den Niederlanden.

Und das Beste: Ihr könnt selbst ran! Auf dem Mitmachprogramm stehen unter anderem:

  • Postkartendruck auf dem Boston-Tiegel in der Druckwerkstatt
  • Legodruck und Küchenlithografie
  • Socken-Druckstation im Siebdruck
  • Cyanotypie und Wasserlithografie
  • Vorträge, Vorführungen und Lesungen

„Es sind meist junge Menschen, die mit ihren Händen etwas schaffen wollen, unabhängig von der digitalen Welt“, sagt Ader. Beim letzten Mal kamen rund 2.500 Besucher – dieses Jahr könnten es noch mehr werden.

Ein Kulturgut in Not: Die letzte Schriftgießerei Deutschlands

Neben dem Festival kämpft Dorothee Ader gleichzeitig für den Erhalt eines ganz besonderen Stücks Geschichte. Rainer Gerstenberg, der letzte Schriftgießer Deutschlands und wohl einer der letzten Europas, betreibt seine historische Schriftgießerei im Haus der Industriekultur (HIK) in Darmstadt. Das Land Hessen will das Gebäude verkaufen und hat ihm gekündigt. Seit Ende 2023, als das Haus aus Gründen der Verkehrssicherung geschlossen wurde, durfte der 79-Jährige es nicht mehr betreten.

Was dort lagert, ist einzigartig: historische Maschinen aus der Zeit vor 1900, in die Gerstenberg mehr als 100.000 Euro investiert hat – und eine Million Matern, kleine Metallformen zur Herstellung von Lettern in lateinischer, kyrillischer und arabischer Schrift. Diese Matern stehen in direkter Verbindung zur Schriftgießerei der Gebrüder Klingspor. „Sie sind Zeugen eines riesigen Industriezweigs und ein echtes Kulturgut. Das darf nicht einfach verschwinden“, sagt Ader.

Die Zeit läuft ab

Bis zum Jahresende muss Gerstenberg räumen. Den Maschinen droht die Verschrottung – bisher haben sich weder ein geeigneter Lagerort noch ein Investor gefunden. Eine Halle von mindestens 500 Quadratmetern wäre nötig, allein der Abtransport würde in die Zehntausende Euro gehen. Das Land Hessen sieht die Schriftgießerei als privaten Gewerbebetrieb und nicht als Teil des Landesmuseums – und bietet bislang keine alternative Lösung an.

Ader hat sich ans Land gewandt und um Zugang zur Werkstatt gebeten, um zumindest die Stücke mit Klingspor-Bezug zu sichern. Und sie träumt von mehr: „Er würde am liebsten wieder eine Werkstatt aufbauen – und die würde so gut hierherpassen.“ Das Hot Printing Festival zeigt, dass das Interesse an Druckkunst und Handwerk lebendig ist wie nie. Jetzt muss nur noch ein Weg gefunden werden, dieses Stück Kulturgeschichte zu retten.

Quellen

Update: Es gibt neue Entwicklungen zu diesem Thema:

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