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Hahn im Korb im Kreißsaal: Dieser Mann aus Offenbach ist Hebammen-Student

Roman Linares-Ebert ist Hebammen-Student im Sana-Klinikum Offenbach – einer von nur zwei männlichen Hebammen in Hessen.

Redaktion
·
1. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 3 Stunden

Ein Beruf, der Mut braucht – und Roman Linares-Ebert hat ihn

Stell dir vor, du betrittst jeden Tag einen Raum, in dem du der einzige Mann bist – und das ist für dich genau richtig so. Roman Linares-Ebert ist Hebammen-Student im Sana-Klinikum Offenbach und eine echte Ausnahmeerscheinung. In ganz Hessen gab es laut Statistischem Landesamt 2024 gerade mal zwei männliche Hebammen unter insgesamt 1.057. Zwei! Der Sound der Weltstadt hat eben auch ungewöhnliche Helden – und Roman ist einer davon.

Bundeswehr, Kloster, Kreißsaal – ein Weg mit Umwegen

Romans Weg in die Geburtshilfe verlief alles andere als geradlinig. Nach dem Fachabitur zog es den heute 33-Jährigen zur Bundeswehr, wo er zwei Jahre auf dem Segelschulschiff Gorch Fock diente. „Ich wollte mich von zu Hause abnabeln, brauchte einen Tapetenwechsel“, sagt er rückblickend. Dann kamen ein Job als Fitnesscoach, ein Aufenthalt in einem hinduistischen Kloster und ein Theologie-Studium. Klingt verrückt? Vielleicht. Aber am Ende hat er genau das gefunden, was er gesucht hat.

Der entscheidende Moment kam während eines Praktikums: Roman erlebte seine erste Geburt, sah die Schmerzen der Patientin – und dann ihre Erleichterung. „Die Schultern sind dann runtergesackt, sie hat laut ausgeatmet.“ Für ihn war das überwältigend und hat seinen Berufswunsch endgültig festigt. Seitdem studiert er dual: Theorie an der Hochschule in Frankfurt, Praxis im Kreißsaal in Offenbach.

Skepsis, Neugierde – und dann Vertrauen

Als die Anfrage ankam, einen männlichen Studenten im Hebammen-Team des Sana-Klinikums aufzunehmen, war die Reaktion gemischt. In Offenbach entbinden viele Frauen mit Migrationsgeschichte, und seine Praxisanleiterin Sophia Azzarone erinnert sich: „Manche Kolleginnen hatten Bedenken, ob der Roman da akzeptiert wird.“ Auch seine Kommilitonin und Freundin Annika Schmidt hatte anfangs Fragen.

Doch die Neugier überwog – und Roman bewies, dass die Entscheidung richtig war. Sophia Azzarone beschreibt ihn heute als „empathisch, offen und neugierig“ und sagt mit einem Lächeln: „Roman schlägt sich gut als Hahn im Korb.“ Besonders Väter schätzen seine Anwesenheit: Laut Annika Schmidt trauen sie sich in seiner Gegenwart eher, Fragen zu stellen. Roman selbst ist Vater von Zwillingen – das macht ihn nahbar auf eine ganz eigene Art.

Frust gehört dazu – aber aufgeben kommt nicht in Frage

Natürlich läuft nicht immer alles reibungslos. Manche Patientinnen lehnen ihn ab, wollen keinen Mann im Kreißsaal. „Da darf ich noch nicht mal rein, da rufen die schon, dass sie keinen Mann wollen“, erzählt Roman offen. Er versteht das – und hilft dann eben im Hintergrund, zieht Medikamente auf. Aber er verhehlt nicht: „Ich kann nicht abschalten, dass dann Gefühle wie Zweifel oder Frust hochkommen.“

Die meisten Patientinnen aber akzeptieren und schätzen ihn. Eine Patientin bringt es auf den Punkt: Fürsorge und fachliche Kompetenz seien entscheidend – alles andere sei ihr egal.

„Hebamme ist ein starker Begriff“ – und Männer sind mitgemeint

Seit 2020 ist „Hebamme“ ein generisches Femininum, Männer sind offiziell mitgemeint. Bis dahin hieß der Beruf für Männer „Entbindungspfleger“. Roman gefällt der neue Begriff: „Hebamme ist ein starker Begriff, voller Energie.“ Und seit 2020 führt der Weg in diesen Beruf über ein Studium – in Hessen ist das in Frankfurt, Gießen, Fulda und Marburg möglich.

Roman Linares-Ebert möchte zeigen, dass es in Ordnung ist, in einem klassischen Frauenberuf zu arbeiten. Er wünscht sich, „dass sich mehr Menschen trauen, Dinge zu tun, von denen andere denken, dass sie verkehrt oder nicht so angesehen sind.“ Der Beruf mache einen nicht reich, sagt er selbst – aber er ist „einer der wichtigsten“. So wichtig, dass Nachtschichten und verpasste Weihnachtsfeste in Kauf genommen werden.

Ist das Hebammenstudium vielleicht auch nur ein weiteres Kapitel auf seiner langen Reise? Roman schüttelt den Kopf: „Ich habe das Gefühl, dass ich angekommen bin.“ Und das glaubt man ihm sofort.

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