
Frankfurter Verein „Zan
Der Frankfurter Verein „Zan
Der NABU Frankfurt-Nord hat in der Eschbachaue einen Hektar Naturraum und einen Teich geschaffen – Libellen, Frösche und ein Graureiher ließen nicht lange auf…
Während ringsum die Wiesen weizengelb und trocken dahin darben, steht ein kleiner Hektar zwischen Pfingstwald und Eschbach in voller Blüte. Schmetterlinge flattern durchs Gras, Bienen summen von Blüte zu Blüte – und plötzlich landet ein Graureiher im frisch angelegten Teich. Willkommen in der Eschbachaue, dem neuen Naturprojekt der NABU-Ortsgruppe Frankfurt-Nord!
Was hier entstanden ist, klingt simpel, steckt aber voller Herzblut und jahrelanger Arbeit: Der NABU Frankfurt-Nord hat einen Hektar Natur gekauft, einen Teich angelegt und damit einen echten Trittstein für Artenvielfalt mitten im Main-Gebiet geschaffen. Der Sound der Weltstadt? Hier ist er Vogelgezwitscher und Bienenbrummen.
Andreas Glienke, Vorsitzender der NABU-Ortsgruppe Frankfurt-Nord, und seine Mitstreiterin Kirsten Englert stehen stolz an dem umwachsenen Teich, den ihr Ortsverband angelegt hat. Doch bis hierhin war es ein langer Weg: Dreieinhalb Jahre vergingen von der ersten Projektidee bis zur Umsetzung. Denkmal- bis Schadstoffgutachten – zahlreiche Nachweise musste der NABU einholen, bevor der erste Spatenstich möglich war.
Von der Nabu-Stiftung Hessisches Naturerbe wurde der Hektar vom Evangelischen Regionalverband gekauft. Tatkräftige Unterstützung kam von der Oberen Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium Darmstadt – und von einem Nieder-Eschbacher Grundstücksbesitzer, der sich als echter Glücksfall entpuppte: „340 Kubikmeter Erde haben wir für den Teich ausgehoben, hätten wir die entsorgen müssen, wäre das richtig teuer geworden“, erklärt Glienke. Der Grundstücksbesitzer übernahm die Erde dankenswerterweise und möchte darauf nun eine Streuobstwiese entwickeln.
Der neue Teich verbindet die Quellen im Pfingstwald mit der Eschbach – und die Natur hat das sofort verstanden. Bereits im ersten Jahr haben sich verschiedene Libellenarten angesiedelt, die ersten Frösche sind ebenfalls schon da. Und natürlich: der Graureiher, der Glienke und Englert so begeisterte, dass der NABU-Vorsitzende sich Schritt für Schritt annäherte – bis der Vogel schließlich ruhig in Richtung Eschbach davonflog.
„Vielleicht kommt ja der Kiebitz zurück“, sagt Glienke mit einem Hauch Nostalgie. Englert reagiert sichtlich bewegt – als hätte er von einer verschollenen Jugendliebe gesprochen. Realistisch sei eine Rückkehr des Kiebitzes in die Eschbachaue zwar unwahrscheinlich. Aber wer weiß.
Was die Ortsgruppe Frankfurt-Nord in der Eschbachaue verfolgt, ist ein besonderer Ansatz: kein Handbuch, keine vorher festgelegte Zielart. „Wir schaffen einen Naturraum und schauen, was sich ansiedelt“, erklärt Glienke. Erst danach entscheide sich, wie die Wiese weiterentwickelt wird – ob und wie gemäht wird oder welche Samenmischung im Herbst ausgebracht wird. Die Ehrenamtlichen beobachten genau, mähen regelmäßig und lernen mit jedem Jahr dazu.
Einziger Wermutstropfen: Hunde, die in der flachen Eschbach toben, stören die Tierwelt erheblich. Graureiher, Fische und möglicherweise sogar der erhoffte Kiebitz werden dadurch verscheucht. Glienke und Englert verziehen das Gesicht – sagen aber nichts, um die Hundehalter nicht gegen sich aufzubringen.
Das Projekt soll erst der Anfang sein. „Wir möchten am liebsten die ganze Eschbachaue vom Pfingstwald bis zum Jägersteg als Naturraum entwickeln“, erklärt Glienke. Die Vision: Die Eschbachaue als Überschwemmungsgebiet, das bei starken Regenfällen Wasser aufnimmt, abbremst und versickern lässt – ein echter Gewinn für die Artenvielfalt und gleichzeitig ein Hochwasserschutz für Harheim. Dafür müsste die Sohle des Eschbachs angehoben werden. Das ist noch Zukunftsmusik – aber die Natur zeigt in der Eschbachaue schon jetzt, was möglich ist, wenn man ihr einfach Raum lässt.

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