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Gegen Einsamkeit im Alter: Dieses Projekt in der Region macht echten Unterschied

In Neu-Isenburg besuchen Ehrenamtliche einsame Senioren zu Hause. Was das Projekt „Zusammen gegen Einsam“ bewirkt und warum die Hürde zur Teilnahme oft hoch…

Redaktion
·
17. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Stunden

Wenn ein Besuch alles verändert

Eine fremde Tür, ein klopfendes Herz – und dann geht sie auf. Gisela Wenz steht zum ersten Mal vor der Wohnung einer älteren Dame in Neu-Isenburg, nervös und gespannt. Doch kaum öffnet sich die Tür, legt die Seniorin sofort los zu erzählen. „Da war die erste Scheu genommen. Das war einfach schön“, sagt Wenz. Genau solche Momente sind der Kern des Projekts „Zusammen gegen Einsam“ – und sie zeigen, wie viel eine Stunde Zeit bewirken kann.

Was steckt hinter „Zusammen gegen Einsam“?

Das Projekt ist in Neu-Isenburg entstanden und hat eine klare Mission: Ehrenamtliche besuchen einsame Menschen zu Hause und verbringen einfach Zeit mit ihnen. Keine großen Aktionen, kein Programm – nur zuhören, reden, da sein. Initiiert hat das Ganze Cornelia Mateos von der städtischen Stabsstelle Demografischer Wandel. Ihr Antrieb ist dabei sehr persönlich: Die eigene Erfahrung mit der Pflege eines Angehörigen hat ihr gezeigt, wie sehr Einsamkeit zermürbt. „Wenn man nur mal einkaufen geht und wiederkommt, sagt er: ,Gott sei Dank bist du wieder da'“, erzählt sie.

Unterstützung bekommt Mateos von Sozialpädagogin Nadine Hillabrand vom Caritasverband Offenbach, die als Koordinatorin im Sozialpastoralen Zentrum Gravenbruch (Spaz) tätig ist. Sie bringt es auf den Punkt: „Gerade nach Corona hat die Einsamkeit zugenommen und die Angebote sind weniger geworden.“ Laut Mateos ist inzwischen jeder dritte Bundesbürger von Einsamkeit betroffen – nicht nur Ältere.

Gut vorbereitet dank praxisnaher Schulung

Wer mitmachen möchte, wird im Spaz auf die Besuche vorbereitet. Die Schulungen sind bewusst praxisnah gestaltet: Kommunikation, Spiritualität, der Umgang mit Demenzkranken – für verschiedene Situationen werden konkrete Szenarien durchgespielt. Gisela Wenz, die beruflich keinen sozialen Hintergrund hat, war trotzdem schnell sicher: „Ich habe gelernt, nichts zu bewerten und keine Ratschläge zu erteilen. Ich habe da viel verinnerlicht und fühle mich jetzt sehr sicher.“

Mittlerweile besucht sie gleich mehrere Menschen regelmäßig. Bei einem holt sie automatisch die Spielkarten raus, sobald sie ankommt. „Man braucht gar nicht so viel zu tun, man muss nur zuhören“, sagt sie. „Es sind wirklich tolle und interessante Lebensgeschichten.“ Und beim Kartenspielen? Da musste sie schnell merken, dass sie sich keinen Sieg schenken lassen muss – die Senioren spielen knallhart mit.

Die größte Hürde: Sich melden, weil man einsam ist

So wertvoll das Projekt ist – viele Senioren tun sich schwer, das Angebot anzunehmen. „Die Senioren sind teilweise sehr skeptisch“, sagt Cornelia Mateos. „So eine Einsamkeit macht ja auch krank und kann sehr auf die Psyche gehen. Von daher ist es schon schwierig zu sagen: ,Ich rufe da mal an, weil ich einsam bin.'“

Dabei hat der Besuch von Ehrenamtlichen einen besonderen Vorteil gegenüber Familienbesuchen: Es gibt keine Vorgeschichte, keine emotionale Belastung. „Mit Fremden ist es meist lockerer. Die Menschen wissen: Es geht hier nur um Spaß“, erklärt Mateos. Die Rückmeldungen – sowohl von den Senioren als auch von deren Angehörigen – seien dementsprechend positiv. Hillabrand unterstreicht: „Man darf nicht unterschätzen, wie wichtig es ist, eine Stunde Zeit geschenkt zu bekommen.“

Ein Gewinn für beide Seiten

Was Gisela Wenz am meisten überrascht hat: Das Engagement tut ihr selbst gut. „Ich habe anfangs gedacht, ich tue jemand anderem etwas Gutes, habe dann aber gemerkt, dass mir das selbst guttut. Ich gehe meistens mit einem Lächeln nach Hause.“ Ehrenamt, das zurückgibt – das ist der Sound dieses Projekts.

Und es bleibt nicht bei „Zusammen gegen Einsam“: In Neu-Isenburg ist zuletzt auch ein weiteres Projekt gegen Einsamkeit gestartet. Tischaufsteller in öffentlichen Räumen sollen Menschen einladen, miteinander ins Gespräch zu kommen – ein weiterer Schritt, damit niemand allein bleiben muss.

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