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Frankfurter Präzisionskunst: Kalbacher Sonnenuhr bundesweit ausgezeichnet

Thomas Meine aus Kalbach wurde für seine Sonnenuhr bundesweit ausgezeichnet. Erfahre, was Frankfurts faszinierende Zeitmesser so besonders macht.

Redaktion
·
25. Juli 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Tagen

Zeit im Sonnenlicht – Frankfurt und seine faszinierenden Zeitmesser

Smartphone, Smartwatch, digitale Uhren überall – und trotzdem schlägt das Herz mancher Frankfurter für eine ganz andere Art der Zeitmessung: die Sonnenuhr. Klingt oldschool? Von wegen! In Frankfurt hat die gnomonische Kunst eine lebendige Tradition – und die wird gerade mit einer nationalen Auszeichnung gefeiert. Der Sound der Weltstadt trifft hier auf jahrtausendealte Himmelsmechanik!

2. Platz bundesweit: Thomas Meine aus Kalbach räumt ab

Frischer Grund zur Freude im Frankfurter Norden: Thomas Meine aus Kalbach wurde von der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie (DGC) mit einem 2. Platz in einem bundesweiten Wettbewerb ausgezeichnet. Der Anlass? Ein ganz besonderes Jubiläum: Die DGC führt seit vielen Jahren ein wissenschaftliches Verzeichnis bedeutender ortsfester Sonnenuhren in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein und Luxemburg – und als sich die Katalognummer 20.000 näherte, rief die Gesellschaft einen Wettbewerb aus. Gesucht wurden herausragende Sonnenuhren in Sachen Idee, Gestaltung und handwerklicher Umsetzung.

Ausgezeichnet wurde die kleinere von zwei Sonnenuhren an der östlichen Hauswand von Thomas Meine im Kalbacher Grubweg. Das Besondere daran: Die Wand wird nur über einen begrenzten Zeitraum am Tag von der Sonne beschienen – je nach Jahreszeit unterschiedlich lang. Meine hat bewiesen, dass eine funktionierende Sonnenuhr auch dort möglich ist, wo keine ganztägige Besonnung herrscht. Respekt!

Weniger ist mehr – Handwerk trifft Mathematik

Hinter der schlichten Eleganz des Werks steckt echter Kopfschmerz-Stoff: ein enormer mathematischer Aufwand. Auf Basis präziser Berechnungen entstand ein feinjustierbares Modell, das dann in Zusammenarbeit mit der Kalbacher „Schlosserei und Metallbau Gerhard Stamm“ in die Tat umgesetzt wurde. Juniorchef Werner Stamm, ein erfahrener Kunstschmied, brachte die anspruchsvolle Konstruktion in Metall zum Leben. Das Ergebnis: wissenschaftliche Präzision, handwerkliche Qualität und klare Gestaltung – perfekt in Einklang.

„Die Leute meinen oft, die Uhr geht falsch. Doch eine korrekt eingestellte Sonnenuhr zeigt immer die richtige Zeit an – die ‚Wahre Sonnenzeit'“, erklärt Thomas Meine schmunzelnd. Während moderne Uhren sich nach Zeitzonen und Sommerzeit richten, kennt die Sonne schlicht keine menschlichen Konventionen. Sie zeigt, was sie zeigt – ehrlich und direkt.

Klassiker am Mainufer: Die große Äquatorialsonnenuhr

Die Auszeichnung in Kalbach reiht sich ein in eine beeindruckende Frankfurter Sonnenuhr-Geschichte. Ein echtes Highlight im öffentlichen Raum ist die Äquatorialsonnenuhr am Mainufer unterhalb der Schönen Aussicht. Diese 100 Kilogramm schwere Kupferkonstruktion wurde 1949 vom damals 29-jährigen Ingenieur und Uhrmachermeister Lothar M. Loske entworfen. Gebaut von den Heddernheimer Kupferwerken unter der Bauleitung der Ingenieurin Hildegard Langeloth und mit astronomischer Unterstützung ihres Ehemanns Kurt, wurde die Uhr 1951 im Nizza-Park eingeweiht – damals als größte Äquatorialsonnenuhr der Welt.

Da heranwachsende Bäume zunehmend Schatten warfen, zog das Kunstwerk 2004 an seinen heutigen Standort an der Schönen Aussicht um. Die Uhr verfügt über ein breites Skalenband mit zwölf parallelen Monatsskalen sowie einen Weltzeitring mit den Namen von 200 Städten. Das städtische Grünflächenamt setzt sich regelmäßig für den Erhalt dieses technischen Kulturdenkmals ein – und das zu Recht!

Erinnerung an den Pomodoro-Brunnen am Goetheplatz

Noch ein Frankfurter Zeitzeuge, der leider nicht mehr steht: der Pomodoro-Brunnen am Goetheplatz. Der vom Mailänder Bildhauer Giò Pomodoro geschaffene Brunnen wurde 1983 eingeweiht. Sein Herzstück war ein sieben Meter hoher Bronze-Obelisk, der als Gnomon – also als Schattenwerfer – diente. Am Tag der Sommersonnenwende fiel der Schatten der Stelenspitze zum astronomischen Mittag exakt auf die Trennlinie der zwei Wasserbecken. Ein durchdachtes astronomisches Bauwerk, das im Alltag viele einfach als Treffpunkt nutzten. 2004 wurde der Brunnen abgebaut – und ein neuer Standort für ihn wird noch gesucht.

Frankfurt und die Sonne – eine besondere Verbindung

Ob in Kalbach, am Mainufer oder in der Innenstadt: Frankfurts Sonnenuhren verbinden Ästhetik, Handwerk und Himmelsmechanik auf einzigartige Weise. Sie erinnern uns daran, dass Zeit im Ursprung ein Geschenk der Sonne ist – lange bevor es Smartphones gab. Wir sind stolz auf solche Geschichten aus unserer Stadt! Habt ihr eine der Sonnenuhren schon entdeckt? Dann nichts wie hin – und die Wahre Sonnenzeit checken!

Quellen


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