
In einem Frankfurter Kinderheim wurden Kinder misshandelt – die Stadt schuldet den Opfern eine echte wissenschaftliche Aufarbeitung, nicht nur Räume für eine…
Frankfurt hat eine Verantwortung – und die geht weit über das Bezahlen von Räumen für eine Selbsthilfegruppe hinaus. In einem städtischen Kinderheim in Unterfranken wurden vor 60 bis 70 Jahren junge Menschen misshandelt. Das ist kein Gerücht, das ist eine schmerzhafte Realität, mit der sich Frankfurt endlich ernsthaft auseinandersetzen muss. Betroffene wie Heinz-Norbert Schäfer und Helfried Gareis kämpfen bis heute um Anerkennung – und das verdient mehr als ein symbolisches Zeichen.
Ja, die Stadt Frankfurt zeigt ein gewisses Interesse an dem Thema. Dass sie der Selbsthilfegruppe der ehemaligen Heimkinder die Räume finanziert, ist ein Schritt. Aber eben nur ein kleiner. Was fehlt, ist eine Aufarbeitung, die wirklich wissenschaftlichen Anforderungen genügt. Und genau das ist der Punkt, an dem Frankfurt gerade noch hinterherhinkt.
Die Voraussetzungen für eine historische Forschung sind in diesem Fall alles andere als einfach: Offenbar wurde bereits 1955 damit aufgehört, Akten zu führen. Warum das so war, ist eine Frage, die die Stadt ebenfalls dringend klären sollte. Gleichzeitig gibt es aber etwas, das für Historikerinnen und Historiker von unschätzbarem Wert ist – die persönlichen Berichte der Betroffenen, die noch leben und bereit sind, Auskunft zu geben und Nachfragen zu beantworten.
Eine Stadtverwaltung ist mit einer solchen Aufgabe überfordert – das ist keine Kritik, das ist eine Tatsache. Aufarbeitung von institutionellem Unrecht braucht Expertise, Unabhängigkeit und wissenschaftliche Methodik. Frankfurt sollte deshalb externe Unterstützung hinzuziehen. Und ja, das wird Geld kosten. Aber dieses Geld auszugeben ist keine Option, es ist eine Pflicht.
Die Menschen, die in dieser Einrichtung um ihre Jugend gebracht wurden, haben ein Recht auf eine vollständige, ehrliche und unabhängige Aufarbeitung dessen, was ihnen widerfahren ist. Das ist das Mindeste, was Frankfurt ihnen schuldet. Nicht irgendwann – sondern jetzt.
Wir von Radio Frankfurt finden: Eine Stadt, die sich als weltoffene Metropole versteht und stolz auf ihre Geschichte ist, muss auch den Mut haben, die dunklen Kapitel dieser Geschichte aufzuarbeiten. Die ehemaligen Heimkinder warten. Die Linke hat laut Berichten bereits eine Untersuchung gefordert. Jetzt ist die Stadt am Zug – mit echtem Einsatz, echten Mitteln und echter Anerkennung für die Betroffenen.






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