
Der Sportkreis Frankfurt fordert: Der Marathon muss wieder lokaler werden! Was hinter dem Streit um die Zukunft des ältesten deutschen City-Marathons steckt.
Der Frankfurt-Marathon ist mehr als ein Laufevent – er ist ein Stück Stadtidentität. Doch genau diese Identität steht gerade auf dem Spiel. Der Sportkreis Frankfurt, Dachorganisation von mehr als 400 Turn- und Sportvereinen in der Stadt, schlägt jetzt Alarm. In einem Positionspapier, das Oberbürgermeister und Sportdezernent Mike Josef (SPD) bereits übergeben wurde, fordert der Sportkreis, dass Großveranstaltungen wie der Marathon künftig klaren Kriterien gerecht werden müssen. Das Papier benennt sechs konkrete Anforderungen – und die haben es in sich.
Laut Positionspapier sollen Sportgroßveranstaltungen in Frankfurt künftig lokal verankert, nachhaltig und gemeinwohlorientiert sein. Außerdem müssen die Förderung von Breiten-, Schul- und Vereinssport sowie eine regionale Wertschöpfung berücksichtigt werden. Sportkreis-Vorsitzender Roland Frischkorn bringt es auf den Punkt: „Wir denken nur noch international und wundern uns, dass die regionale Wirtschaft nicht wächst.“ Für ihn ist klar, dass Frankfurt beim eigenen Marathon das Heft des Handelns wieder in die Hand nehmen muss.
Dabei erinnert Frischkorn daran, dass der älteste deutsche City-Marathon ursprünglich von einem lokalen Verein, dem OSC Höchst, ins Leben gerufen wurde. Heute sieht die Realität anders aus: „Jetzt sind wir nur noch Austragungsort und können gar nichts mehr mitgestalten.“ Starke Worte – und verständlicher Frust.
Der Auslöser für die aktuelle Debatte: Seit 2002 wird der Frankfurt-Marathon von der Frankfurter Agentur Motion Events ausgerichtet. Im Frühjahr 2026 gab Renndirektor Jo Schindler bekannt, die Agentur an die London Marathon Events verkauft zu haben. Bereits ab der 43. Auflage der Laufveranstaltung im Oktober dieses Jahres wird der Frankfurt Marathon also auch von London aus organisiert und vermarktet.
Kein Einzelfall in der Frankfurter Sportlandschaft: Eine ähnliche Entwicklung gab es bereits beim Ironman Frankfurt. Die Triathlon-Veranstaltung wird heute komplett von der US-amerikanischen World Triathlon Corporation organisiert. Hinter vorgehaltener Hand kritisieren hiesige Vereine, dass der weltweiten Vermarktung vieles untergeordnet werde und die Kommunikation vor Ort schlecht laufe. Der Sound der Weltstadt verhallt dabei manchmal im Nirgendwo.
Reaktion aus der Frankfurter Zivilgesellschaft: Die beiden Sportler Andreas Bechmann (Zehnkampf) und Fabian Brügmann (Triathlon) gründeten die Frankfurter Sportagentur mit dem Ziel, den Frankfurt-Marathon bereits im kommenden Jahr selbst organisieren zu dürfen. In der Satzung der Agentur wurde nach eigener Aussage verankert, zehn Prozent des erwirtschafteten Überschusses in gemeinnützige Zwecke zu investieren – ein klares Signal pro lokale Verankerung.
Die Stadt Frankfurt hat im Juni allerdings mitgeteilt, den Marathon wohl erst ab 2029 über ein Ausschreibungsverfahren zu vergeben. Der zeitliche Vorlauf sei erforderlich, um einen transparenten, fairen und rechtssicheren Prozess gewährleisten zu können. Für den Sportkreis ist das zu lang. Er appelliert an die Stadt, seine Kriterien verbindlich in künftige Vergabeverfahren aufzunehmen und Sportgroßveranstaltungen strategisch zu steuern – und bietet dabei auch die eigene Expertise an.
Was bleibt: Der Frankfurt-Marathon ist ein Herzensthema für diese Stadt. Wir bleiben dran und halten euch auf dem Laufenden – versprochen! Jetzt reinhören und nichts verpassen.






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