Ein VR-Fernrohr in der Friedberger Anlage lässt Frankfurts größte zerstörte Synagoge wieder auferstehen – kostenlos und mitten in der Stadt erlebbar.
Was heute ein grauer Betonklotz ist, war einst ein prächtiger Bau: die größte Synagoge Frankfurts, gelegen im Osten der Stadt, in der Friedberger Anlage. Bei den Pogromen im November 1938 brannten die Nationalsozialisten die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft nieder, plünderten sie aus – über mehrere Tage hinweg, während die Frankfurter Feuerwehr tatenlos zusah. Wiederaufgebaut wurde sie nie. Doch jetzt bekommt sie ein zweites Leben – zumindest virtuell.
Wer heute durch die Friedberger Anlage spaziert und durch ein spezielles Fernrohr schaut, erlebt etwas Besonderes: Die Fassade der einstigen Synagoge erscheint – digital rekonstruiert, dank Virtual-Reality-Technologie. Statt des Hochbunkers, den die Nazis in den 40er Jahren auf den Grundmauern der Synagoge errichteten, siehst du plötzlich das prächtige Gebäude, das dort einst stand. Das ist kein Zukunftsprojekt – das kannst du dir jetzt ansehen!
Und es geht noch tiefer: Im Hochbunker selbst kannst du mit VR-Brillen durch das Innere der Synagoge schlendern. Bunte Wände, farbige Fenster – die Rekonstruktion wird immer detailreicher. Max Apel, Geschäftsführer der Initiative 9. November, war beim ersten Eintauchen in die virtuelle Synagoge selbst von der Größe des Raumes beeindruckt. „Für viele ist es ein hässlicher Betonklotz“, sagt Apel über den Hochbunker. Das Fernrohr sorgt nun dafür, dass mehr Menschen wissen, was dort einst stand. Das beste daran: Beide Angebote sind komplett kostenlos.
Hinter dem „Fernrohr in die Vergangenheit“ steckt ein großes Projekt der Technischen Universität Darmstadt, das insgesamt acht Synagogen virtuell wieder sichtbar machen will. Vorangetrieben wurde die Initiative auch vom Verein Initiative 9. November, der sich aktiv für das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus einsetzt.
Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig bringt es auf den Punkt: Es sei „enorm interessant und wichtig, das Zerstörte zu visualisieren“. Das Projekt sei „Erinnerungsarbeit im besten Sinne“ – und eine lebendige, aufgeschlossene Erinnerungsarbeit sei ein starkes Mittel zur Verteidigung unserer demokratischen Grundordnung. Klare Worte, die zeigen, wie relevant dieses Projekt weit über Frankfurt hinaus ist.
Frankfurt trägt seine Geschichte auf Schritt und Tritt mit sich – manchmal sieht man sie nur nicht auf den ersten Blick. Das Fernrohr in der Friedberger Anlage ändert das. Es macht aus einem grauen Betonbunker einen Ort des Erinnerns, des Verstehens und des Respekts. Hol dir die VR-Brille, schau durch das Fernrohr und lass dich in eine andere Zeit entführen. Diese Begegnung mit der Vergangenheit solltest du dir nicht entgehen lassen – mitten in unserer Stadt, kostenlos und für alle zugänglich.
Der Sound der Weltstadt ist nicht nur Musik – er ist auch die Geschichte, die Frankfurt bis heute prägt. Bleibt neugierig, Frankfurt!
Update: Es gibt neue Entwicklungen zu diesem Thema:






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