
Fake-Polizei-Betrug vor dem Frankfurter Landgericht: Zwei junge Männer sollen einem Rentner-Ehepaar zu einem 117.
Klingt wie ein schlechter Krimi, ist aber bittere Realität: Am Frankfurter Landgericht hat ein Prozess begonnen, der zeigt, wie perfide die Masche mit den falschen Polizisten wirklich ist – und wie leicht man als junger Mensch zum Werkzeug von Betrügern werden kann. Zwei Männer, 20 und 24 Jahre alt, müssen sich derzeit vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Sie sollen dabei geholfen haben, ein Rentner-Ehepaar in Frankenthal (Rheinland-Pfalz) um rund 117.000 Euro zu bringen.
Das Prinzip ist so dreist wie erschreckend effektiv: Unbekannte rufen bei älteren, eher wohlhabenden Menschen an und geben sich als Polizist:innen aus. Sie behaupten, in der Nähe sei ein Raub passiert, die Angerufenen stünden auf einer Täterliste und müssten ihre Wertsachen und ihr Bargeld schnell in Sicherheit bringen. Die Lösung? Alles in einen Behälter packen und vor die Haustür stellen – angebliche Zivilpolizist:innen würden es abholen.
Genau das passierte dem geschädigten Ehepaar frühmorgens. In einem dreistündigen Telefonat überzeugten die Fake-Beamt:innen die beiden, Wertsachen und Bargeld in einen Eisentopf zu füllen – abgedeckt mit einer Bratpfanne. Der angebliche Grund für den Topf: Er schirme den Inhalt vor Geräten der echten Täter ab. Der Rentner rief sogar die 110 an und bekam die Bestätigung, dass alles seine Richtigkeit habe. Das ursprüngliche Telefonat wurde jedoch nie beendet – ein Detail, das im Prozess für Fragen sorgt.
Und wie gerieten die beiden jungen Männer in diese Geschichte? Der 24-Jährige hatte über einen Geschäftskontakt einen gewissen „Bilal“ kennengelernt, der angeblich in der Türkei günstig an Parfum kommt und es weiterverkauft – ein klassisches Schneeballsystem. Erste Bestellungen im Wert von rund 2.500 Euro wurden getätigt, doch die Ware kam nie an.
Als der Angeklagte sein Geld zurückforderte, bot „Bilal“ einen Deal an: Er solle einen Kurierfahrer organisieren, nur um Geld abzuholen – nichts Illegales, keine Drogen. Dafür würde er seine 1.000 Euro zurückbekommen plus einen Bonus. Der ursprünglich gefundene Kurier tauchte jedoch nie auf. Also sprang der 24-Jährige selbst ein und überredete den 20-jährigen Mitangeklagten, gegen eine Aufwandsentschädigung zu helfen und sein Auto zur Verfügung zu stellen.
An der angegebenen Adresse betraten die beiden ein Haus und holten den Kochtopf ab. „Bilal“ war die ganze Zeit per Videotelefonie zugeschaltet. Auf dem Rückweg durften sie den Topf öffnen – darin: eine Klarsichtfolie mit Bargeld und dunkle Plastiktüten. Das Ehepaar schätzt den Gesamtwert des Inhalts auf 117.000 Euro.
Danach bat „Bilal“ die beiden um einen weiteren schnellen Job – diesmal in Eppstein im Main-Taunus-Kreis. Sie sollten dort eine Tüte von einem Mann entgegennehmen. Doch an der Adresse öffnete eine ältere Frau die Tür – und die Polizei wartete bereits. Seit dem 6. Februar sitzen die beiden Angeklagten in Untersuchungshaft. Ihr Anwalt betont, sie seien nur „ein kleines Rädchen“ in dem System gewesen.
Dieser Fall macht deutlich, wie ausgeklügelt solche Betrugsmaschen funktionieren – und wie viele Menschen dabei unwissentlich zum Teil davon werden können. Wer einen Anruf von angeblichen Polizist:innen erhält und aufgefordert wird, Wertsachen herauszugeben, sollte sofort auflegen und eigenständig die 110 wählen. Echte Polizist:innen fordern niemals Bargeld oder Schmuck ein.
Der Prozess am Frankfurter Landgericht läuft – der Sound der Weltstadt hat auch seine dunklen Seiten. Wir halten euch auf dem Laufenden.






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