Frankfurts Einkaufsstraßen verlieren Fachgeschäfte an Imbisse und Gastronomie. Was das für Berger Straße, Schweizer Straße und Co. bedeutet, liest du hier.
Wer in letzter Zeit durch Frankfurts Stadtteile gebummelt ist, dem ist sicher eine Sache aufgefallen: Wo früher ein Fachgeschäft war, ist heute oft ein Dönerladen, eine Pizzeria oder ein Café mit To-go-Konzept. Der Einzelhandel steht unter Druck – und das spüren viele Straßen in der Stadt ganz direkt. Der Sound der Weltstadt verändert sich, und nicht alle finden das gut.
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung auf der unteren Berger Straße im Nordend. Kaweh Nemati, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße und Inhaber des Kleidungsgeschäfts „Romy“, bringt es auf den Punkt: „Zu Hochzeiten hatten wir zwölf Boutiquen auf der unteren Berger Straße.“ Heute sind es nur noch sechs – eine Halbierung in weniger als zehn Jahren. Seine Frage, die viele beschäftigt: „Wie viele Pizzerien, Dönerläden und Thai-Imbisse kann eine Straße vertragen?“
Das hat direkte Folgen für die Kundschaft. Früher kamen viele Menschen extra aus dem Main-Taunus-Kreis, um die vielfältigen Einzelhandelsgeschäfte auf der Berger Straße zu besuchen. Doch Nemati weiß: „Die Menschen kommen nicht nur wegen zwei Läden.“ Weniger Auswahl bedeutet weniger Frequenz – ein Teufelskreis.
Ein zentrales Problem ist die Mietentwicklung. Der Durchschnittspreis für eine Gastronomiefläche auf der Berger Straße liegt aktuell bei 10.000 Euro. Für Einzelhändler ist das kaum zu stemmen. „Kein Einzelhändler wird bei dem Preis zugreifen“, sagt Nemati. „Also wird es dann wieder ein Gastronom.“ Denn Gastronomie ist auf kleinen Flächen profitabler – und darf im Gegensatz zum Einzelhandel auch sonntags und an Feiertagen öffnen, was mehr Einnahmen ermöglicht.
Jean-Georges Ploner, Erster Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße, spricht von einem „katastrophalen Transformationsdruck“. Viele Händlerinnen und Händler gingen in Rente, ihre Nachfolger wollten meist nicht dasselbe Geschäftsmodell weiterführen. „Wenn du Pech hast, wird es ein Dönerladen oder eine Shishabar“, sagt er.
Ploner sieht Gastronomie zwar nicht als Feind des Handels, sondern als „Frequenzbringer“ – aber die Balance muss stimmen. Die Schweizer Straße punktet noch mit einer Mischung aus Mode, Feinkost, Papeterie und Schmuck, und Ploner bezeichnet sie als „die letzte stabile und lebendige Straße in ganz Frankfurt.“ Ob das so bleibt, hängt davon ab, wie sich die Mietsituation entwickelt.
Auch auf der Leipziger Straße in Bockenheim läuft es ähnlich. Holger Wessendorf, erster Vorsitzender von Bockenheim Aktiv, beobachtet: „Dass neue charakteristische Einzelhandelsgeschäfte in die Leipziger Straße kommen, ist selten.“ Früher haben Läden jahrzehntelang bestanden – heute sind Imbisse und Franchiseunternehmen die häufigeren Neuzugänge.
Dabei birgt genau das ein weiteres Risiko, wie Nemati erklärt: „Diese schnelllebigen Systemgastronomien sind oft innerhalb kürzester Zeit pleite.“ Quereinsteiger investieren viel Geld ohne ausgereiften Plan – und dann muss das Konzept vom ersten Tag an funktionieren.
Eine positive Ausnahme scheint das Brückenviertel zu sein. Aroon Nagersheth, zweiter Vorsitzender des dortigen Gewerbevereins, schwärmt: „Das ist so ein bisschen die Insel der Glückseligkeit.“ Die Mischung aus Wohnen, Gastronomie und Einzelhandel stimme, und die Händlerinnen und Händler seien oft erfahrene Gründerpersönlichkeiten mit klarem Geschäftsmodell. „Hier feiert fast jeder im Moment Zehn- oder Zwölfjähriges“ – ein Zeichen für Stabilität, das in anderen Straßen gerade fehlt.
Frankfurts Einkaufsstraßen stehen vor einem echten Wandel. Gastronomie allein kann eine Straße nicht am Leben erhalten – zumindest nicht als Ort für vielfältiges Shoppen und Bummeln. Wer das beste Programm im Main-Gebiet für lokalen Einzelhandel erhalten will, muss jetzt handeln. Haltet die Augen offen, unterstützt eure lokalen Läden – und hört rein, wenn wir über das berichten, was Frankfurt wirklich bewegt!






Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.
Dein Beitrag für Radio Frankfurt
Kommentar verfassen
Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit. Wir prüfen Ihren Beitrag und veröffentlichen ihn nach Freigabe.