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Dritte Orte in Frankfurt: Wo begegnen wir uns noch?

Frankfurt diskutiert über dritte Orte gegen Einsamkeit: Welche Plätze bringen Menschen zusammen – und wo hakt es noch in der Stadt?

Redaktion
·
5. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Tagen

Frankfurt und die Frage nach dem dritten Ort

Zuhause, Arbeit – und dann? Der sogenannte „dritte Ort“ ist der Platz, an dem Begegnungen ohne Zweck, ohne Konsumzwang und ohne Verpflichtung entstehen. Cafés, Parks, Bibliotheken, Kneipen. Doch genau diese Orte schwinden – auch in Frankfurt. Das war das Thema einer öffentlichen Diskussion, die kürzlich in der Zentralbibliothek stattfand. Und die Fragen, die dort aufkamen, brennen vielen unter den Nägeln: Wie einsam wird unsere Stadt – und was können wir dagegen tun?

Ein Begriff mit Geschichte

Der Gedanke stammt vom amerikanischen Soziologen Ray Oldenburg. In seinem Werk „The Great Good Place“ aus dem Jahr 1989 beschrieb er, wie dritte Orte – also Treffpunkte jenseits von Wohnung und Büro – das soziale Leben zusammenhalten. Oldenburg schrieb über Einsamkeit und Polarisierung, weil amerikanischen Innenstädten damals das Aussterben drohte. Klingt bekannt? Podiumsgast Johannes Cox, geschäftsführender Gesellschafter der HKK Landschaftsarchitektur, brachte es auf den Punkt: „Wenn die dritten Orte nicht stimmen, dann wird meistens auch Mist gewählt.“

Die Zentralbibliothek als lebendiges Beispiel

Die Diskussion fand bewusst in der Zentralbibliothek statt – selbst ein klassischer dritter Ort. Birgit Lotz, Leiterin der Zentralen Bibliotheken Frankfurts, beschreibt es so: „Menschen kommen hierher mit unterschiedlichen Interessen, Hintergründen und Lebensgeschichten. Sie kommen zum Lesen, Lernen, für Veranstaltungen oder nur, um eine Weile hier zu sein.“ Zwei Wochen lang konnten Besucher:innen auf interaktiven Boards ihre Lieblingsorte in der Stadt markieren – und das Ergebnis war bunt und überraschend persönlich.

Lieblingsort Hauptbahnhof – aber mit Problemen

Nicht alle dritten Orte in Frankfurt funktionieren so, wie sie könnten. Christian Eichinger, Geschäftsführer des Architekturbüros KSP Engel International, hat ein ambivalentes Verhältnis zum Frankfurter Hauptbahnhof: „Man blickt durch das Glasdach auf die Hochhäuser und denkt sich: Wow, ich bin in einer großen Stadt.“ Gleichzeitig werde der Hauptbahnhof nicht in einer Form genutzt, die man wirklich schätzen kann. Für ihn steht er sinnbildlich für Frankfurt insgesamt – eine Stadt, die sich schwertue, ihr Potenzial auszuschöpfen.

Auch auf der Zeil sehen Besucher:innen Nachholbedarf. „Viel zu viel Konsum und Fast-Fashion“, lautete eine Haftnotiz an der Pinnwand. Die Pins auf der Problemorte-Karte konzentrierten sich deutlich rund um den Hauptbahnhof und die Zeil.

Frankfurt kann von anderen lernen

Stadtplaner Torsten Becker machte in der Debatte keinen Hehl aus seiner Frustration: „Paris, Mailand, Warschau, Kopenhagen: Alle gestalten ihren öffentlichen Raum um, und hier passiert gar nichts.“ Paris etwa verwandle kleine Plätze in grüne Oasen. Seine Vision für Frankfurt: „Wenn wir die Innenstadt als Garten verstehen, dann würden wir ihn pflegen.“

Doch es gibt auch Lichtblicke. Moderatorin Anna Scheuermann, Architektin und Kuratorin, berichtete von der Ada-Kantine auf dem alten Universitäts-Campus in Bockenheim. Freiwillige retten dort Lebensmittel und bieten ein kostenfreies Mittagessen an. „Bei gutem Wetter sitzt man draußen in dem Hof an langen Tischen und kommt schnell ins Gespräch. Dadurch entsteht ein neues Miteinander.“

Das sagen die Frankfurter:innen selbst

Die Lieblingsorte der Bibliotheksbesucher:innen zeigen: Frankfurt hat mehr zu bieten als Skyline und Bankenviertel. Diese Orte wurden auf den Boards besonders oft genannt:

  • Der Ostpark – für junge Leute, die sich treffen und gemeinsam Zeit verbringen wollen
  • Der Bethmannpark – als Rückzugsort, an dem man abschalten kann
  • Das Mainufer
  • Der Lohrberg
  • Das Harmoniekino
  • Das Zeil-Antiquariat
  • Alle Orte, die gut begrünt sind

Frankfurt, mach was draus!

Die Debatte in der Zentralbibliothek hat gezeigt: Der Wunsch nach echten Begegnungsorten ist riesig – und Frankfurt hat das Potenzial, ihn zu erfüllen. Ob grüne Plätze, offene Kulturräume oder kostenfreie Treffpunkte: Die Stadt muss aktiver werden, wenn sie Einsamkeit und Polarisierung entgegenwirken will. Der Sound der Weltstadt klingt am schönsten dort, wo Menschen zusammenkommen – ganz ohne Konsumzwang. Bleib dran, was in Frankfurt passiert, und hör rein bei Radio Frankfurt!

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