Die Klasse 3a der Frankfurter Pestalozzischule kämpft um ihre Lehrerin Helga Göpper – das Schulamt schickt sie trotz Lehrermangels in den Ruhestand.
Freitagfrüh vor der Pestalozzischule im Riederwald: Kleine Schilder, große Botschaft. „Ich bin traurig“, „Mir fehlt Frau Göpper“ – die Kinder der Klasse 3a haben sich zusammengetan und protestieren. Mit Transparenten, mit Eltern und mit echtem Herzblut. Der Grund: Ihre Klassenlehrerin Helga Göpper wurde pensioniert – und das Staatliche Schulamt lässt sie bislang nicht weitermachen. Ohne Begründung.
Was hier passiert, bringt viele in Frankfurt auf die Palme. Denn Helga Göpper will gar nicht aufhören. Sie würde die 3a liebend gerne weiter begleiten – doch das System macht ihr einen Strich durch die Rechnung.
Helga Göpper ist keine Unbekannte in der Bildungslandschaft: Die Gesellschaft Deutscher Chemiker zeichnete sie 2018 als beste Grundschullehrerin Deutschlands für naturwissenschaftliche Themen aus. Auch der Schulgarten, den sie betreute, erhielt mehrere Preise. Eine Lehrerin mit Herz, Erfahrung und Anerkennung – und trotzdem wird ihr der Weg zurück ins Klassenzimmer versperrt.
„Bürokratiemonster statt Bildung“, sagen die Eltern. Und das ist mehr als ein Slogan. Elternbeirätin Nadine Würker bringt es auf den Punkt: „Die Politik spricht von Lehrermangel, an der Pestalozzischule fehlen ausgebildete Lehrkräfte – aber wenn eine erfahrene, hochgeschätzte und überregional ausgezeichnete Pädagogin nach ihrer Pensionierung freiwillig weiterarbeiten will, schiebt man ihr einen bürokratischen Riegel vor. Es ist absolut widersprüchlich.“
Am eindrücklichsten sind die Stimmen der Kinder selbst. „Ich möchte, dass Frau Göpper zurückkommt“, sagt ein Mädchen aus der 3a. „Sie ist nett und streng gleichzeitig – sonst machen die Jungs zu viel Quatsch.“ Eine Klassenkameradin ergänzt schlicht: „Sie ist voll nett!“ Und eine weitere Schülerin hat sogar eine ganz pragmatische Begründung parat: Mit Frau Göpper seien sie beim Lernen einfach schneller fertig.
Auch Mutter Sabine Hildebrandt macht sich für die Lehrerin stark: „Frau Göpper ist eine tolle Lehrerin. Die Kinder lieben sie.“ Der Wunsch der Eltern ist klar – Göpper soll bleiben, wenigstens bis die 3a auf weiterführende Schulen wechselt. Und falls sie sich nicht mehr um den Schulgarten kümmern kann, entsteht dort ebenfalls eine spürbare Lücke.
Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick in die Region: In Königstein ist beispielsweise ein 68-jähriger Lehrer mit einem Angestelltenvertrag aktiv. In Frankfurt hingegen scheiterte ein 67-jähriger Lehrer vor Gericht, der seine Pensionierung aufschieben wollte. Ein einheitliches Bild sieht anders aus.
An der Pestalozzischule selbst spitzt sich die Lage zusätzlich zu: Von vier dritten Klassen hätten zwei zum neuen Schuljahr ihre Klassenleitung verloren, berichtet Nadine Würker. Außerdem habe der Schulleiter zwei Wochen vor Schuljahresbeginn gekündigt. Ein schwieriger Start ins neue Schuljahr – für alle Beteiligten.
Das Staatliche Schulamt reagierte auf Anfrage mit folgenden Worten: „Grundsätzlich freuen wir uns natürlich sehr, wenn eine Lehrkraft so geschätzt wird. Gleichwohl gilt auch für Lehrkräfte wie für jeden anderen Arbeitnehmer, dass sie ihren wohlverdienten Ruhestand nach vielen Jahren exzellenter Arbeit zum gegebenen Zeitpunkt auch antreten.“ Eine Lösung klingt das nicht.
Diese Geschichte geht ans Herz. Kinder, die für ihre Lehrerin auf die Straße gehen. Eltern, die vor verschlossenen Türen stehen. Eine Pädagogin, die weitermachen will und kann – und es nicht darf. „Wir erwarten jetzt vom Land Hessen eine unbürokratische Lösung – und zwar sofort“, fordert Elternbeirätin Würker. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Frankfurt und ganz das Main-Gebiet schaut hin – lasst die 3a nicht im Stich!






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