Die Bafin zieht 2028 ins Gallus – doch der Bürodeal hat einen Haken: Die Berta-Jourdan-Schule geht leer aus und kämpft weiter mit Platzmangel.
Frankfurt hat einen neuen Top-Deal auf dem Bürovermietungsmarkt – doch hinter den Schlagzeilen steckt auch eine bittere Nachricht für viele junge Menschen in der Stadt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zieht im Herbst 2028 mit rund 1.000 Beschäftigten ins Gallus. Genauer gesagt: in die frühere DB-Zentrale an der Stephensonstraße, das sogenannte Raw-Gebäude. Klingt erstmal nach einer echten Erfolgsgeschichte für Frankfurt – ist es auch. Aber eben nicht für alle.
Die Bafin sichert sich rund 23.000 Quadratmeter Fläche in dem denkmalgeschützten Hochhaus, das bis zu 65 Meter hoch ist und einst von Architekt Stephan Boehm entworfen wurde. Der Mietvertrag läuft 15 Jahre. Die Behörde wird dabei drei Gebäudeflügel beziehen – eine eigenständige Haus-in-Haus-Lösung, wie Kira Groth, Managing Director bei Quest Investment Partners, erklärt. Quest Investment und Vivao realisieren das Projekt gemeinsam.
Das Ziel ist klar: Die denkmalgeschützte Immobilie, die einem Dachfonds eines berufsständischen Versorgungswerks gehört, soll zu einem modernen, multifunktionalen Campus werden – mit begrünten Höfen, Kantine und sogar einer Kita. Die Vorvermietungsquote liegt durch den Bafin-Deal jetzt bei rund 60 Prozent. Bereits im Herbst 2025 hatte sich die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte rund 6.000 Quadratmeter gesichert – und soll schon im ersten Quartal 2027 einziehen können.
Warum zieht die Bafin eigentlich um? Bisher ist die Behörde an der Marie-Curie-Straße und der Lurgiallee im Mertonviertel im Norden Frankfurts untergebracht. Das Raw im Gallus gilt dagegen als zentral gelegen und sehr gut angebunden. Bafin-Präsident Mark Branson bringt es auf den Punkt: „Dieser Standort bietet uns die beste Kombination aus Kosten, Erreichbarkeit, Flexibilität und Nachhaltigkeit.“
Soweit, so gut – doch gleichzeitig platzt damit ein lang gehegter Plan der Stadt Frankfurt. Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) hatte noch im Juli öffentlich dafür geworben, im Raw Flächen für die Berta-Jourdan-Schule anzumieten. Die Berufsschule bildet Erzieherinnen und Erzieher aus – und kämpft seit Jahren mit akutem Platzmangel an ihrem aktuellen Standort.
Nach drei Jahren Verhandlungsarbeit ist dieses Projekt nun Geschichte. Das Bildungsdezernat reagierte am Montagabend mit einer deutlichen Stellungnahme: „Es ist dem fehlenden Entscheidungswillen geschuldet, dass dieses große und zukunftsfähige Projekt nun gescheitert ist.“ Und weiter: „Die Leidtragenden sind nun die Schüler:innen und Lehrkräfte, die weiterhin mit Platzmangel am jetzigen Standort kämpfen müssen.“
Harte Worte – und sie zeigen: Wenn Entscheidungen zu lange dauern, verliert am Ende nicht die Behörde, nicht der Investor, sondern die, die am wenigsten Einfluss haben. In diesem Fall: die Schülerinnen und Schüler der Berta-Jourdan-Schule.
Dieser Fall macht deutlich, wie komplex Stadtentwicklung in einer Metropole wie Frankfurt ist. Büroflächen sind begehrt, Investoren handeln schnell – und städtische Projekte brauchen oft zu lange, um mithalten zu können. Der Sound der Weltstadt ist eben nicht immer harmonisch.
Bleibt zu hoffen, dass die Stadt nun schnell eine neue Lösung für die Berta-Jourdan-Schule findet. Die Schülerinnen und Schüler haben genug gewartet. Was denkst du? Schreib’s uns – wir sind gespannt auf eure Meinungen!






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