
Das Frankfurter Stadttaubenprojekt verhängt Aufnahmestopp: Täglich 10 bis 20 Tauben überlasten die Kapazitäten – und die Stadt deckt nur 9 % der Kosten.
Täglich bis zu 20 kranke und verletzte Tauben – das schafft auch das engagierteste Team irgendwann nicht mehr. Das Frankfurter Stadttaubenprojekt hat jetzt einen Aufnahmestopp verhängt. Gudrun Stürmer, Vorstandsmitglied des Vereins, macht deutlich: „Unsere Kapazitäten sind erschöpft. Täglich nehmen wir mindestens zehn verletzte oder kranke Tauben auf, die Menschen zu uns bringen. An manchen Tagen sind es sogar 20. Wir schaffen das nicht mehr.“ Eine Entscheidung, die dem Verein alles andere als leicht gefallen ist.
Der aktuelle Ansturm auf das Stadttaubenprojekt ist kein kurzfristiges Phänomen – seit bereits sechs Monaten ist die enorme Zahl an Tauben ein Dauerzustand. Auf dem Lebenshof in Oberrad leben derzeit weit über 500 Tauben sowie zahlreiche weitere Vögel. Zwei Festangestellte kümmern sich in Vollzeit um die Tiere, der Rest der Arbeit liegt in den Händen von Ehrenamtlichen.
Stürmer fasst die Situation klar zusammen: „Sowohl unsere Unterbringungsmöglichkeiten als auch die personellen und finanziellen Ressourcen für Pflege und tierärztliche Versorgung sind derzeit vollständig ausgelastet.“ Der Verein hat Anfang der Woche einen Brief ans Ordnungsdezernat geschickt, um schnell eine gemeinsame Lösung zu finden.
Zwischen dem Stadttaubenprojekt und der Stadt Frankfurt gibt es seit 2024 einen Vertrag: Das Ordnungsamt zahlt dem Verein einen jährlichen Zuschuss von 33.000 Euro. Damit soll laut Ordnungsamt die Tätigkeit bei „Taubennotfällen“, der Betrieb eines „Taubengnadenhofs“ und einer Auffangstation gefördert werden – um Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Stadtgebiet zu begegnen.
Klingt nach Unterstützung – ist aber leider viel zu wenig. Stürmer rechnet vor: „Unsere laufenden Kosten werden durch den städtischen Zuschuss lediglich zu etwa neun Prozent pro Tier gedeckt. Der Großteil des Geldes kommt von privaten Spendern.“ Und genau da liegt das nächste Problem: Die Spendenbereitschaft hat deutlich nachgelassen.
Stürmer vermutet, warum viele Menschen nicht mehr spenden: Auf der Website des städtischen Taubenmanagements wird nicht klar kommuniziert, dass die Stadt nur neun Prozent der Kosten übernimmt. „Die Leute denken, sie müssten nichts spenden, weil die Stadt uns finanziert“, erklärt sie. Ihr klarer Appell: Dieser „missverständliche Hinweis“ muss korrigiert und auch der Aufnahmestopp auf der Website bekannt gemacht werden. Stürmer bringt es auf den Punkt: „Entweder gibt die Stadt mehr Geld, dann könnten wir mehr Personal einstellen. Oder es muss eine andere Lösung gefunden werden.“
Auch aus dem Römer kommt Kritik. Michael Müller, Fraktionsvorsitzender der Linken im Römer, teilt mit: „Stadttauben gehören zu Frankfurt. Ziel muss der Aufbau eines Netzes betreuter Taubenhäuser sein, das den Tieren gute Lebensbedingungen hinsichtlich Nahrung und Nistplätzen ermöglicht. Hier hat Frankfurt bislang versagt.“ Die Linke fordert eine konsequente Stadttaubenpolitik und eine bessere finanzielle Förderung des Stadttaubenprojekts.
Das Ordnungsamt reagierte auf Anfrage zurückhaltend: Man werde „nach Abstimmung mit dem Stadttaubenmanagement zu gegebener Zeit auf den Verein zugehen, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen.“ Wann das passiert, bleibt offen.
Frankfurt braucht eine schnelle Lösung – für die Tiere, für die Ehrenamtlichen und für alle, die sich für eine tierfreundliche Stadt einsetzen. Das Stadttaubenprojekt leistet täglich wichtige Arbeit, darf aber nicht allein gelassen werden. Wer den Verein trotzdem unterstützen möchte, kann sich über private Spenden informieren – denn ohne die zählt der Verein auf euch!






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