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Alarm im Schwanheimer Wald: Der Rohrsee ist komplett ausgetrocknet

Der Rohrsee im Schwanheimer Wald ist komplett ausgetrocknet – nur Schlamm und Wildschweinfährten bleiben. Wie die Dürre Frankfurt trifft, liest du hier.

Redaktion
·
16. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 26 Minuten

Frankfurt verdurstet – und der Rohrsee macht’s sichtbar

Es ist ein Bild, das einen sprachlos macht: Der Rohrsee im Schwanheimer Wald führt kein Wasser mehr. Wo sonst ein alter Mainarm glitzert, bleibt nur noch Schlamm – und darin die Spuren von Wildschweinen. Der Sound der Weltstadt Frankfurt hat dieser Tage einen bitteren Unterton, denn die anhaltende Trockenheit trifft die Natur im Main-Gebiet mit voller Wucht.

Der Rohrsee ist kein gewöhnlicher Teich. Er ist ein Erlenbruch, in dem seit Jahrhunderten alte Schwarzerlen wachsen – und er hat sogar seinem Namen etwas zu verdanken: Die Stämme der Schwarzerlen wurden alle 100 Jahre gefällt und zu Brunnenrohren verarbeitet. Dieser historisch bedeutsame Ort im Schwanheimer Wald hat keinen Zufluss und lebt ausschließlich vom Grundwasser. Und genau das fehlt gerade.

Experten schlagen Alarm

Der frühere Schwanheimer Revierförster Holger Scheel, der sich im Ruhestand für die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) engagiert, hat sich persönlich ein Bild gemacht. Sein Fazit nach einem Erkundungsgang: Der Rohrsee ist völlig ausgetrocknet. „Man sieht die Spuren der Wildschweine im Schlamm“, so Scheel. Ein erschreckendes Zeugnis der anhaltenden Hitze und Dürre.

Auch anderswo in Frankfurt sieht es nicht gut aus. Wolf-Rüdiger Hansen, Vorstandsmitglied des BUND Frankfurt, hat sich auf einer Radtour im Nordwesten der Stadt umgeschaut – und überall dasselbe triste Bild gesehen. Der Weiher im Martin-Luther-King-Park in der Nordweststadt zeigt nur noch etwa ein Drittel seiner normalen Wasserfläche. Der Kätcheslach-Weiher am Riedberg liegt rund einen Meter unter dem Normalstand, ein Abfluss zum Kalbach existiert derzeit nicht.

Trockenheit überall – von Bonames bis zum Flugplatz

Der Kalbach selbst liegt laut Hansen fast komplett trocken – nur vereinzelte, unscheinbare Tümpel sind noch übrig. Der Biotopstreifen nördlich der U-Bahn 2 vor Bonames, der bei höherem Wasserstand vom Kalbach profitiert, zeigt derzeit nur kleine flache Tümpel, bedeckt mit Wasserlinsen. Der Oberflächenrand des Biotopweihers am Flugplatz ist etwa drei Meter vom normalen Rand zurückgewichen. Und selbst die Mündung des Urselbachs in die Nidda verzeichnet nur noch geringen Abfluss.

Übrigens: Nicht alle Schreckensmeldungen haben sich bestätigt. Die Nachricht, der Jacobiweiher an der Oberschweinstiege führe kein Wasser mehr, erwies sich beim Ortstermin als falscher Alarm. Der Weiher ist gut gefüllt, Enten, Nilgänse und Schwäne ziehen dort ihre gewohnten Runden. Auch der Ostparkweiher zeigt sich noch von seiner besten Seite – die Wasserzufuhr aus dem Ried tut ihm gut. Ein kleiner Teich im sogenannten Bürgergarten am Südwest-Ausläufer des Ostparks allerdings wirkt trotz leichten Zuflusses fast ausgetrocknet.

Die Stadt bewässert nicht – und das hat Gründe

Wer sich fragt, warum die Stadt nicht einfach die Bäume im Stadtwald wässert: Lena Berneburg vom Grünflächenamt erklärt es klar. „Mit der Ressource Wasser muss sparsam umgegangen werden. Daher bewässert das Grünflächenamt nur neu gepflanzte Bäume in den ersten fünf Standjahren, Neupflanzungen von Sträuchern und Stauden sowie besondere Schmuckpflanzungen.“ Die Rasenflächen am Mainufer werden über Uferfiltrat automatisch bewässert – im Stadtwald hingegen werden die Bäume grundsätzlich nicht bewässert.

Die Folgen sind sichtbar: Im Schwanheimer Areal und rund um den Jacobiweiher ist der Boden komplett mit gelben Blättern bedeckt. Die Hitze versetzt die Bäume in Dauerstress. Sie entziehen den Blättern das Chlorophyll – den grün färbenden Stoff – weil sie ihn selbst zum Überleben brauchen, wie Holger Scheel erklärt.

Was das für uns alle bedeutet

Die Bilder aus dem Schwanheimer Wald und dem Nordwesten Frankfurts sind ein Weckruf. Die Natur vor unserer Haustür leidet – und das nicht leise. Wer morgens eine Schale Wasser für Vögel und Eichhörnchen auf den Balkon stellt, weiß abends: Sie ist bis auf den letzten Tropfen geleert. Auch das kleine Zeichen zählt. Frankfurt, wir schauen hin – und hoffen auf Regen.

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