
Invasive Arten in Frankfurt: Ökologe Fabian Schrauth warnt vor Halsbandsittich und Robinie – was das für unser Ökosystem bedeutet, erfährst du hier.
Frankfurt, wir müssen reden! Denn während wir unseren Kaffee schlürfen und den Main genießen, breiten sich in unserer Stadt Tier- und Pflanzenarten aus, die hier eigentlich nicht hingehören. Ökologe Fabian Schrauth (31) vom Senckenberg-Forschungsinstitut Frankfurt weiß genau, was das bedeutet – und er schlägt Alarm. Als Koordinator der Arbeitsgruppe Biotopkartierung beschäftigt er sich täglich mit sogenannten invasiven Arten. Zwei davon hat er ganz besonders im Visier.
Arten wandern – das war schon immer so. Was sich geändert hat, ist die Geschwindigkeit. Flugzeuge und Schiffe schleppen heute Samen oder Insektenpuppen unbemerkt ein, und der Klimawandel macht’s noch einfacher: Weniger Frost im Winter bedeutet, dass tropische Arten bei uns immer besser überleben können. Schrauth erklärt das Ganze mit einer praktischen Faustregel – der sogenannten Zehnerregel: Von zehn neu ankommenden Arten überlebt langfristig nur eine. Von diesen schafft es wiederum nur eine, stabile Bestände zu bilden. Und von denen ist tatsächlich nur eine einzige wirklich gefährlich für unser Ökosystem. Klingt wenig – aber in einer Großstadt wie Frankfurt reicht das.
Schrauths persönlicher Favorit unter den invasiven Arten ist der Halsbandsittich. Der bunte Vogel stammt ursprünglich aus Afrika und Asien und ist seit den 1960er-Jahren in Mitteleuropa unterwegs. Rund um Köln, am Oberrhein sowie in Mainz und Wiesbaden gibt es bereits große Gruppen. In Frankfurt wurde er erstmals 2012 beobachtet.
Gefährlich? Noch nicht direkt – aber der Halsbandsittich wird als potenziell invasiv eingestuft. Das Senckenberg-Institut führt deshalb ein aktives Monitoring durch. Das Hauptproblem: Der Sittich könnte heimischen Baumbrütern die Baumhöhlen streitig machen und sie so verdrängen. Und mit milden Wintern ohne strengen Frost wachsen die Bestände Jahr für Jahr weiter. Frankfurt, das sollten wir im Auge behalten!
Bei den Pflanzen richtet Schrauth seinen Blick auf die Robinie. Einst aus Nordamerika eingeführt, weil sie als Nutzholz schnell wächst, gilt sie heute offiziell als invasiv. Der Grund: Die Robinie verändert aktiv die Bodenchemie. Durch sogenannte Wurzelknöllchensymbiose reichert sie Stickstoff im Boden an – und das wird zum echten Problem für karge Standorte wie Magerrasen-Gesellschaften, die genau an solche nährstoffarmen Bedingungen angepasst sind.
Was tun? Schrauth sagt klar: Nicht alle Robinien müssen weg. Aber wir müssen verhindern, dass sie sich in naturschutzfachlich wertvolle Lebensräume ausbreitet. Als Pionierbaum wächst sie auch auf nährstoffarmen Böden – deshalb ist sie besonders für unsere heimischen Magerrasen eine echte Gefahr, die wir nicht unterschätzen sollten.
Der Sound der Weltstadt ist bunt und vielfältig – aber nicht jede neue Art, die bei uns landet, bereichert unser Ökosystem. Fabian Schrauth und sein Team am Senckenberg-Forschungsinstitut Frankfurt behalten die Lage für uns im Blick. Gut zu wissen, dass Profis auf diese stillen Eindringlinge achten. Bleibt neugierig, Frankfurt – und schaut beim nächsten Spaziergang ruhig mal, welche Vögel in euren Bäumen nisten!






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