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Alarm im Frankfurter Stadtwald: Eichen werfen mitten im Sommer ihre Blätter ab

Im Schwanheimer Wald werfen Eichen mitten im Sommer ihre Blätter ab – ein Alarmzeichen des Klimawandels.

Redaktion
·
23. Juli 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 4 Tagen

Wie im Herbst – nur leider im Juli

Wer dieser Tage durch den Schwanheimer Wald spaziert, traut seinen Augen kaum: Der Boden ist übersät mit gelben und braunen Blättern – und das mitten im Hochsommer. Nach den jüngsten beiden Hitzewellen werfen die Bäume ihre Blätter zwei bis drei Monate zu früh ab. Was sich wie ein früher Herbst anfühlt, ist in Wirklichkeit ein Hilferuf unserer Natur. Frankfurt, wir müssen reden!

Stress pur für unsere Bäume

„Hitze und Trockenheit setzen die Bäume unter Stress“, erklärt der ehemalige Schwanheimer Revierförster Holger Scheel, der sich heute im Ruhestand für die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald engagiert. Um ihre Überlebenschancen zu verbessern, holen die Bäume aus den Blättern den Nährstoff Chlorophyll zurück – der Stoff, der die Blätter überhaupt erst grün macht. Die Bäume versuchen schlicht, ihre Substanz zu retten.

Doch auch dieser Selbstschutzmechanismus hat seine Grenzen. Viele der Stieleichen im Schwanheimer Wald sind in der Krone fast völlig kahl. „Das sieht dort oben aus wie ein Hirschgeweih“, sagt Scheel. Für ihn gilt: „Wenn man mitten im Wald oben den Himmel sieht, geht es dem Wald schlecht.“ Manche Eiche versucht sich zu helfen, indem sie unten neue Äste austreibt – weil das weniger Energie kostet als die Versorgung der Baumkrone.

Flaumeiche statt Stieleiche – die Lösung für Frankfurts Wald?

Da der globale Klimawandel nicht einfach gestoppt werden kann, setzt Scheel auf einen anderen Weg: die sogenannte assistierte Migration. Konkret bedeutet das, hitzefeste Baumarten aktiv neu anzupflanzen, anstatt darauf zu warten, dass sie von selbst zurückkehren. Eine seiner Top-Empfehlungen: die Flaumeiche. Sie ist hitzeresilienter als die Stieleiche und war in unseren Breiten schon vor mehreren tausend Jahren heimisch – heute findet man sie vor allem in Südeuropa.

„Da der Klimawandel so rasant vor sich geht, haben wir keine Zeit zu warten“, betont Scheel. Auf einer Versuchsfläche der Stadt im Schwanheimer Wald, unweit des örtlichen Tennisclubs, werden genau solche Baumarten bereits auf ihre Eignung getestet. Scheel empfiehlt dabei bewusst auf europäische Arten zu setzen – denn die sind nicht invasiv, verdrängen keine heimischen Arten und sind der lokalen Tierwelt vertraut. Eine völlig fremde Art aus Amerika, so Scheel, bliebe „ein Fremdkörper wie ein Plastikbaum“.

Gewinner und Verlierer des Klimawandels

Nicht alle leiden gleich. Wo Hitze und Trockenheit für Eichen und Birken zum Problem werden, profitieren andere: Der Specht liebt das viele Trockenholz, der Hirschbockkäfer das Totholz – und der Eichenheldkäfer fühlt sich im Stadtwald sowieso pudelwohl. Dafür zeigt Scheel traurig auf eine Birke kurz vor dem Fußballplatz von Germania Schwanheim: „Die Birke wird hier nicht mehr lange überleben.“ Genauso wenig wie Vogelbeerbaum und Zitterpappel. Und auch invasive Arten wie die Späte Traubenkirsche breiten sich rasend schnell aus – so dicht, dass kein neuer Baum mehr wachsen kann.

Der leichte Regen, der beim Rundgang einsetzt, bringt kaum Erleichterung. „Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Scheel nüchtern. Das Wasser erreicht die tiefen Wurzeln der Bäume schlicht nicht.

Was können wir tun?

Den gesamten Stadtwald zu bewässern ist wegen der schieren Größe nicht machbar. Was aber helfen kann: Neue Anpflanzungen in den ersten kritischen Jahren gezielt zu wässern. Und auch wir als Frankfurterinnen und Frankfurter können anpacken – indem wir bei Trockenheit die Bäume und Pflanzen in unserer unmittelbaren Umgebung versorgen. Jeder Handgriff zählt!

Wer noch immer zweifelt, ob der Klimawandel wirklich so dramatisch ist, dem hat Scheel eine klare Einladung: „Ich würde ihn mal zu einem Waldspaziergang mitnehmen und ihm zeigen, wie rasend schnell sich hier alles ändert. Das gab es noch nie.“

Quellen


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