
Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen schlägt Alarm: Honorarkürzungen durch die Gesundheitsreform gefährden die ambulante Versorgung in Frankfurt und ganz…
Schlecht nachts schlafen, weil die Praxis nicht mehr wirtschaftlich läuft? Für viele Ärztinnen und Ärzte in Frankfurt und ganz Hessen ist das längst keine Zukunftsangst mehr – das ist Alltag. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV) schlägt jetzt laut Alarm: Die ambulante Versorgung steht vor dem Kollaps. Und der Grund ist klar: Honorarkürzungen und immer schlechtere Rahmenbedingungen durch die aktuelle Gesundheitsreform.
Karl Roth, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, findet klare Worte – und macht keinen Hehl aus seiner Frustration: „Die ambulante Versorgung deckt über 90 Prozent der Fälle ab – und muss immer mehr finanzielle Lasten schultern beziehungsweise Einbußen hinnehmen.“ Die KV stellt sich damit vollständig hinter die Kritik der Frankfurter Ärztinnen und Ärzte, die zuletzt öffentlich auf Honorarkürzungen und verschlechterte Arbeitsbedingungen aufmerksam gemacht hatten.
Roths Urteil ist dabei eindeutig: „Die Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung fährt gerade vor die Wand – und die Politik tut so, als wäre nichts.“ Das Ergebnis dieser Entwicklung werde man noch deutlich spüren: mehr Praxen, die schließen müssen oder schlicht nicht mehr wollen. Und das gilt laut KV nicht nur für Hausarztpraxen – auch die psychotherapeutische Versorgung sei massiv betroffen.
Doch wer ist eigentlich zuständig? Das Hessische Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege sieht sich selbst nicht in der Pflicht. Pressesprecherin Esther Walter erklärt, dass sich die Kritik der Ärztinnen und Ärzte schwerpunktmäßig gegen bundesgesetzliche Regelungen richte – und den Ländern dabei keine aktive Rolle zukomme.
Gleichzeitig betont das Ministerium, die Entwicklungen genau im Blick zu behalten. Walter kündigt an: Sollte es zu ernsthaften Einbrüchen im Angebot medizinisch notwendiger Leistungen kommen, müsse der Bund reagieren und Korrekturen am GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vornehmen. Hessen hatte im Bundesratsverfahren bereits gemeinsam mit Bayern gefordert, die Neuregelung zur sogenannten Fixkostendegression – die besonders die hausarztzentrierte Versorgung trifft – kritisch zu prüfen und am besten ganz zu streichen.
Besonders auffällig: Nicht alle Institutionen wollen sich zu der brisanten Lage äußern. Die Landesärztekammer Hessen (LÄKH), die laut eigener Aussage die Interessen der hessischen Ärztinnen und Ärzte auf allen Gebieten der ärztlichen Berufsausübung vertritt, lehnte eine Stellungnahme gegenüber der Frankfurter Rundschau schlicht ab. „Die LÄKH gibt keinen Kommentar ab“ – das war die einzige Rückmeldung aus dem Präsidium.
Noch weniger Resonanz gab es vom Verband der Ersatzkassen (VDEK): Die Anfrage wurde zwar an die Landesvertretung Hessen weitergeleitet – eine Antwort kam jedoch nie. Auch nach mehrfacher Rückfrage. Kein Kommentar ist eben auch eine Aussage.
Für Menschen in Frankfurt und dem gesamten Main-Gebiet ist das keine abstrakte Gesundheitspolitik – das betrifft den nächsten Arzttermin, die Wartezeit beim Psychotherapeuten und die Frage, ob die Hausarztpraxis um die Ecke in zwei Jahren noch existiert. Die KV Hessen ist unmissverständlich: Ohne schnelles Handeln der Politik werden sowohl Praxen als auch Patienten die Konsequenzen tragen. Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen in Berlin endlich zuhören – bevor es wirklich zu spät ist.






Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.
Dein Beitrag für Radio Frankfurt
Kommentar verfassen
Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit. Wir prüfen Ihren Beitrag und veröffentlichen ihn nach Freigabe.