
Hubertus von Allwörden hat Frankfurt wie kaum ein anderer geprägt – als Architekt und als Stimme der Stadt. Wir erinnern an einen Baumeister mit Seele.
Frankfurt verliert einen Mann, der die Stadt mit offenen Augen gesehen – und mit Herzblut mitgestaltet hat. Hubertus von Allwörden, geboren 1931 in Rosenow an der Mecklenburgischen Seenplatte, ist im Alter von 95 Jahren in Berlin gestorben. Sein Name mag nicht jedem sofort etwas sagen. Aber seine Werke kennt ihr alle – ob ihr es wusstet oder nicht.
Habt ihr euch jemals in der U-Bahnstation Messe umgeschaut und die Anklänge an Ausstellungshalle und Messeturm bemerkt? Habt ihr in der Ballsporthalle mit den Skyliners mitgefiebert oder euch im Jüdischen Gemeindezentrum im Westend willkommen gefühlt? Dann habt ihr Hubertus von Allwörden schon erlebt. Gemeinsam mit seiner Architektengemeinschaft – Gerhard Balser, Rolf Schloen und Roger Bundschuh – formte er Bauwerke, die Frankfurt bis heute prägen. Dazu zählen auch das „Haus des Straßenverkehrs“ neben der Breitenbachbrücke und das markante grüne Wohnhochhaus an der Rothschildallee. Früh arbeitete er mit Größen wie Paul Baumgarten und Ferdinand Kramer – ein Fundament, das seine Haltung zum Bauen für immer geprägt hat.
Allwörden war nicht nur Architekt, er war auch Stimme. Als Vorsitzender des Frankfurter Städtebaubeirats mischte er sich ein, mahnte, kritisierte – und hatte dabei selten ein Blatt vor den Mund. Schon 1995 forderte er bei der Debatte um die Konstablerwache, dass der Treppensockel verschwinden müsse. Derselbe Sockel steht übrigens bis heute. Im selben Jahr sprach er sich leidenschaftlich für das IG-Farben-Haus aus und betonte dessen „unglaubliche Bedeutung für die Stadt“.
Wenn Konstruktionsschätze wie das Zürich-Haus oder das Historische Museum zur Disposition standen, nannte er das offen „Helle Unverschämtheit“, „Jammer“ oder „Trauerspiel“. Sein Grundsatz, den die Frankfurter Rundschau überliefert: „Behutsam modernisieren und den Charakter des Gebäudes achten – statt einfach abzubrechen.“ Besonders beim Bau der Europäischen Zentralbank sah er diesen Rat grob missachtet. Die Großmarkthalle bekam für ihn bildlich eine Lanze schräg durch den Leib gerammt – und er scheute sich nicht, das in einem Gastbeitrag auch so zu schreiben.
Auch die Pläne für die Neue Altstadt am Römer betrachtete er kritisch und bezeichnete sie als „rückwärtsgewandte Kulisse“. Was ihn antrieb, war die Frage nach der Identität einer Stadt, die sich ständig verändert. Die Frankfurter, sagte er einmal, täten sich schwer mit der Identifikation. Wenn sie moderne Bauten „Betonburgen“ nennten, lasse sich daraus lesen: „Wir sind mit der Zeit nicht einverstanden. Die Veränderungen gehen einfach zu schnell, um sie zu verstehen.“ – Ein Satz, der nachdenklich macht und der heute noch genauso gilt wie damals.
2009 zog Allwörden schließlich mit seiner Lebensgefährtin, der Schriftstellerin Ulrike Kolb, nach Berlin. Doch sein Werk und seine Worte blieben in Frankfurt – auf Schritt und Tritt zu spüren, für alle, die mit offenen Augen durch die Stadt gehen.
Hubertus von Allwörden hat Frankfurt nicht nur gebaut – er hat für Frankfurt gekämpft, gestritten, gemahnt und geliebt. Er war einer, der aus der Seele der Stadt sprach und gleichzeitig aus seiner eigenen Seele baute. Frankfurt hat einen echten Baumeister verloren. Wir verneigen uns.


Das „Ensemble in transition



Das „Ensemble in transition

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