
Hubertus von Allwörden, einer der bekanntesten Frankfurter Architekten, ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Sein Werk prägt die Stadt bis heute.
Traurige Nachricht aus Berlin: Hubertus von Allwörden, einer der bekanntesten Architekten Frankfurts, ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Ein Mann, dessen Handschrift bis heute in der Skyline und unter den Straßen unserer Stadt zu sehen ist – und der Frankfurt nie aufgehört hat, kritisch zu begleiten, auch nachdem er die Stadt längst verlassen hatte.
Geboren 1931 in Mecklenburg, kam Hubertus von Allwörden 1959 nach Frankfurt – und blieb der Stadt satte 50 Jahre lang treu. Er studierte in Karlsruhe bei dem renommierten Architekten Egon Eiermann, gemeinsam mit seinen späteren Büropartnern in der Architektengemeinschaft Gerhard Balser. Dieser prägende Einfluss ist in seinem Werk deutlich spürbar: elegante Konstruktionen, klare Formen, zeitloser Stil.
Sein wohl bekanntestes Hochhaus in Frankfurt? Das 89 Meter hohe Bürogebäude an der Alten Oper mit seiner markanten weißen Metallfassade – ein echter Blickfang in der Frankfurter Skyline. Dazu kommen das Haus des Straßenverkehrs in Bockenheim und ein Wohnhochhaus an der Rothschildallee, das mit seiner grünen Fassade kaum zu übersehen ist. Auch in Eschborn hinterließ er architektonische Spuren.
Allwördens Werk reicht nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Tiefe – ganz wörtlich: Die U-Bahn-Station Messe mit ihren markanten Lichtkegeln geht auf eine Planung der Architektengemeinschaft zurück. Wer dort heute auf die U-Bahn wartet, steht in einem Stück Allwörden-Geschichte.
Dazu kommen das Jüdische Gemeindezentrum im Westend, das er gemeinsam mit Salomon Korn plante, sowie die Ballsporthalle in Unterliederbach, entstanden mit Gabriela Seifert und Zvonko Turkali. Projekte, die zeigen, wie vielseitig sein Schaffen war – von repräsentativen Hochhäusern bis hin zu Kulturbauten mit gesellschaftlicher Bedeutung.
Ein ganz besonderes Projekt blieb leider unrealisiert: Anfang der Siebzigerjahre entwarf Allwörden für den Bauherrn Ignatz Bubis das Hochhaus „Astra“ – ein 110 Meter hoher Turm im Westend, dort wo die Schumannstraße auf die Bockenheimer Landstraße trifft. Die elegante Stahlkonstruktion im Stil Egon Eiermanns hätte sein höchstes Gebäude werden sollen. Gebaut wurde es nie: Es scheiterte an der Finanzierung.
Hubertus von Allwörden war nicht nur Baumeister, sondern auch leidenschaftlicher Kommentator der Stadtentwicklung – stets kritisch, aber mit der nüchternen Art des Norddeutschen. Von 1989 bis 1997 war er Vorsitzender des Städtebaubeirats und setzte sich unter anderem für den Erhalt der früheren Naxos-Fabrik im Ostend sowie eine Wohnbebauung im Osthafen ein.
Auch später meldete er sich immer wieder zu Wort: Den Umbau der Großmarkthalle durch die Europäische Zentralbank lehnte er ebenso ab wie die Bebauung des Dom-Römer-Quartiers mit rekonstruierten Fachwerkhäusern. Und die Leichtfertigkeit, mit der Gebäude der Nachkriegszeit – wie die frühere Hochtief-Zentrale seines Lehrmeisters Eiermann – zum Abriss freigegeben wurden, war ihm ein echtes Anliegen.
2009 verließ Allwörden Frankfurt nach 50 Jahren – seiner Lebenspartnerin Ulrike Kolb zuliebe zog er nach Berlin. Doch die Entwicklungen in Frankfurt ließ er auch von dort aus nicht los. Den Bau der rekonstruierten Fachwerkhäuser im Dom-Römer-Quartier, den er so kritisch begleitete, hat er von der Hauptstadt aus verfolgt.
Jetzt ist er dort, in Berlin, im Alter von 95 Jahren gestorben. Frankfurt verliert mit ihm einen Architekten, der die Stadt nicht nur gebaut, sondern sie auch immer wieder hinterfragt hat. Sein Werk bleibt – in der Skyline, unter den Straßen und in der Stadtgeschichte Frankfurts.






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