Der Brückenwall in Sachsenhausen findet am 5. September zum letzten Mal statt. Veranstalter David Eisenberger gibt nach 18 Jahren auf – doch der Gewerbeverein…
Frankfurt verliert ein Stück Straßenfest-Kultur! Der Brückenwall in Sachsenhausen, jedes Jahr das krönende Finale der Frankfurter Stadtteilfeste zwischen Spätsommer und Herbst, steht vor dem Aus. Am 5. September findet das beliebte Straßenfest im Brückenviertel zum letzten Mal in seiner bisherigen Form statt. Von 11 bis 23 Uhr könnt ihr noch einmal durch die lebendigen Straßen zwischen Wall- und Brückenstraße schlendern – und euch gleichzeitig verabschieden.
Hinter dem Brückenwall steckt seit 2007 ein einziger Mensch: Veranstalter David Eisenberger. Fast zwei Jahrzehnte lang hat er das Fest im Alleingang organisiert – und das neben seinem Job als Eventmanager im Bereich Marketing und Kommunikation. „Es ist mit der Zeit immer schwieriger geworden, das mit meinem Beruf zu vereinbaren“, sagt er offen. „Das ist sehr stressig.“
Einst rief er den Brückenwall gemeinsam mit seinem damaligen Geschäftspartner ins Leben – damals war er noch Co-Inhaber eines Ladens in der Wallstraße, der 2017 schloss. Was einmal lukrativ war, ist heute für Eisenberger nicht mehr rentabel. Der Grund: explodierende Kosten nach der Corona-Zeit. Eine einfache Straßenreinigung kostet inzwischen dreimal so viel wie zuvor. „Die Kosten kann man nur bedingt an die Teilnehmer weiterleiten“, erklärt er.
Was den Brückenwall von anderen Großveranstaltungen unterschieden hat? Sein Charakter! Kein Vergleich mit dem Museumsuferfest oder dem Schweizer Straßenfest, die laut Eisenberger „horrende Standgebühren“ verlangen. Das Angebot beim Brückenwall kam hauptsächlich aus den ansässigen Läden des Brückenviertels – ergänzt durch sorgfältig ausgewählte externe Konzepte. „Nicht der zehnte Erdbeerbowlenstand, keine Spiralkartoffel am Spieß“, betont Eisenberger. Genau diese Individualität machte das Fest aus.
Viele sagen, es sei im Laufe der Jahre das schönste Straßenfest Frankfurts geworden. Und zum Abschluss gibt Eisenberger noch einmal alles: 40 Stände warten auf, dazu Livemusik und „natürlich das beste Essen“. „Ich gehe davon aus, dass sich dieses Mal jeder besonders viel Mühe gibt“, sagt er. „So ein Anlass kann auch gut sein, um sich richtig zu verabschieden und schön miteinander zu feiern.“
Ganz vorbei muss es mit dem Brückenwall aber vielleicht nicht sein! Aroon Nagersheth, zweiter Vorsitzender des Gewerbevereins Brückenviertel, signalisiert Interesse: „Wir als Gewerbeverein möchten das in Zukunft gerne weitermachen. Das wünschen wir uns, aber wir wissen noch nicht, ob wir das können.“
Einen verbindlichen Plan gibt es bisher nicht – aber eine klare Vision. „Die Idee ist schon, das ein bisschen lokaler hinzubekommen“, sagt Nagersheth. Die ansässigen Läden sollen dabei prominenter in den Vordergrund rücken, statt hinter fremden Ständen direkt vor ihrer eigenen Tür zu verschwinden. Ein entscheidender Vorteil gegenüber Eisenberger: Als eingetragener Verein könnte der Gewerbeverein städtische Förderung beantragen. Das Wirtschaftsdezernat unterstützt Stadtteilfeste von lokalen Gewerbevereinen – private Betreiber hingegen gehen leer aus. Auch eine Zusammenarbeit mit der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße ist im Gespräch. „Wir glauben, dass wir das stemmen können.“
Ihr wollt den Brückenwall in seiner ursprünglichen Form noch einmal erleben? Dann nichts wie hin am Samstag, 5. September, ins Brückenviertel in Sachsenhausen! Von 11 bis 23 Uhr könnt ihr feiern, schlemmen, stöbern – und einem echten Frankfurter Kultfest die verdiente Ehre erweisen. Der Sound der Weltstadt klingt manchmal auch aus kleinen Straßen ganz laut.






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