
Am 3. August 2026 erinnert der Förderverein Roma e.V. in Frankfurt an den 82. Jahrestag der Ermordung von über 4.000 Roma und Sinti in Auschwitz.
Frankfurt erinnert. Am 3. August 2026 lädt der Förderverein Roma e.V. ab 17:00 Uhr zu einer Gedenkkundgebung an der Mahntafel am ehemaligen Stadtgesundheitsamt in der Braubachstraße 18–22 ein. Der Anlass ist der 82. Jahrestag einer der dunkelsten Nächte des Nationalsozialismus – und ein Zeichen, das heute wichtiger ist denn je.
In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurden über 4.000 Roma und Sinti im Vernichtungslager Auschwitz vergast. Bereits am 16. Mai desselben Jahres hatten sich viele von ihnen durch einen mutigen Aufstand kurzzeitig erfolgreich zur Wehr gesetzt. Diejenigen, die als „arbeitsfähig“ galten und den Widerstand organisiert hatten, wurden vor der Mordaktion selektiert und in andere Lager deportiert. Die sogenannte „Liquidation“ des Lagerbereichs war der grausame Höhepunkt einer systematischen Erfassung, Verfolgung und Vernichtung, die bereits in den 1930er Jahren begann. In enger Kooperation zwischen dem „rassehygienischen Institut“ des Reichssicherheitshauptamtes, Kriminalämtern sowie städtischen und kirchlichen Einrichtungen wurden Roma und Sinti in ganz Deutschland registriert, in Lagern inhaftiert und schließlich deportiert. Insgesamt wurden etwa eine halbe Million Roma und Sinti ermordet.
Auch Frankfurt trägt eine besondere Verantwortung. Eva Justin und Robert Ritter waren als maßgebliche NS-„Rasseforscher“ mitverantwortlich für den Völkermord an über 20.000 deutschen Roma und Sinti. Erschreckend: Trotz ihrer Verbrechen wurden beide nach 1945 von der Stadt Frankfurt im Sozial- und Gesundheitsamt in leitenden Positionen beschäftigt. Eva Justin wurde sogar erneut damit beauftragt, Roma und Sinti zu untersuchen.
Erst durch jahrelangen Protest der Roma-Union Frankfurt, des Förderverein Roma und vieler Unterstützerinnen und Unterstützer wurde am 27. Januar 2000 eine Gedenktafel am ehemaligen Stadtgesundheitsamt angebracht. Diese Tafel – ausschließlich durch Spendengelder finanziert – erinnert an die begangenen Verbrechen, benennt die Täter und hält die Verantwortung gegenüber Roma und Sinti auch für die Zeit nach 1945 fest.
Das Gedenken ist nicht nur Rückblick – es ist eine dringende Gegenwartsfrage. In einem am 9. Juni 2026 veröffentlichten Bericht dokumentiert die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus bundesweit 2.076 antiziganistische Vorfälle. Im Vergleich zum Vorjahr mit 1.678 Vorfällen entspricht das einem Anstieg von 24 Prozent. Roma und Sinti, Roma-Migrantinnen und Geflüchtete sind mehr denn je Benachteiligungen, Ausgrenzungen, Diskriminierung und rassistischer Gewalt ausgesetzt.
Besonders schockierend: Der Gelsenkirchener AfD-Bürgermeister sowie eine Kreissprecherin und weitere Parteimitglieder nötigten Anfang Juni dieses Jahres Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils Ückendorf – darunter viele migrantische Roma-Familien – dazu, die Straße zu reinigen. Die Aktion wurde gefilmt und ins Netz gestellt. Die Analogie zur filmisch dokumentierten Demütigung Wiener Jüdinnen und Juden, die 1938 von HJ und SA gezwungen wurden, mit Zahnbürsten den Gehweg zu putzen, ist offensichtlich – und laut Förderverein Roma beabsichtigt.
Angesichts dieser bedrohlichen Lage setzt der Förderverein Roma e.V. mit der Kundgebung am 3. August 2026 ein klares Zeichen. Seid dabei – für Erinnerung, Haltung und Solidarität. Der Sound der Weltstadt Frankfurt steht für Vielfalt und gegen Hass.






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