Studio-Hotline 069–669 669 0

40 Jahre IDH Frankfurt: Drogenhilfe kämpft für den Frankfurter Weg

Die Integrative Drogenhilfe Frankfurt feiert 40 Jahre und warnt vor einer Abkehr vom Frankfurter Weg. Was das für die Stadt bedeutet, erfährst du hier.

Redaktion
·
8. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Stunden

Ein Jubiläum mit klarer Botschaft

40 Jahre Integrative Drogenhilfe – das ist eine Erfolgsgeschichte, die Frankfurt stolz machen kann. Und gleichzeitig ein Weckruf! Die IDH feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen und schaut auf eine beeindruckende Entwicklung zurück. Doch Geschäftsführerin Gabi Becker macht klar: Der Frankfurter Weg ist in Gefahr – und das darf nicht passieren.

Vom Abstinenzansatz zur akzeptanzorientierten Hilfe

1986 sah Frankfurt noch ganz anders aus. Die Drogenszene war größer, sichtbarer, gefährlicher. 147 Drogentote im Jahr 1992 – das war der traurige Höhepunkt einer Krise, die die Stadt an ihre Grenzen brachte. Was danach passierte, war ein echter Paradigmenwechsel.

Professor Hans-Volker Happel lehrte damals an der Frankfurter Hochschule im Bereich der Sozialpädagogik und Sozialen Arbeit. Er und seine Studierenden erkannten: Der damals vorherrschende Abstinenzansatz – also die Voraussetzung, clean zu sein, um überhaupt Hilfe zu bekommen – funktionierte nicht. Daraus entstand der Ansatz der akzeptanzorientierten Hilfe, bei der schrittweise an der Veränderungsmotivation der Betroffenen gearbeitet wird. Die IDH war geboren.

1992 öffnete in der Friedberger Anlage das „FriedA“ als niedrigschwellige Anlaufstelle. Kurz darauf folgte das Eastside im ehemaligen Bade- und Speisehaus der Gaswerke Ost in der Schielestraße. Ein Spritzenbus in der Taunusanlage ermöglichte den Tausch von Konsumutensilien. Und 1994 folgte der absolute Meilenstein: der erste Drogenkonsumraum Deutschlands in der Niddastraße – ermöglicht durch Oberstaatsanwalt Harald Hans Körner, der die Grenzen der rein repressiven Drogenpolitik erkannt hatte.

Was der Frankfurter Weg bedeutet

„Der Frankfurter Weg ist ein Erfolgsmodell“, sagt Becker. Das Konzept – abgeschaut von der Schweiz – basiert auf vier gleichwertigen Säulen: Prävention, Beratung und Therapie, Überlebenshilfen sowie Repression. Alle vier müssen ausgewogen sein. Genau das sieht Becker aktuell in Gefahr.

Heute bietet die IDH weit mehr als Konsumräume. Im Eastside gibt es neben acht Konsumplätzen für intravenöse Drogen auch eine Wäscherei, Schreinerei, Malerei, Gartenarbeit und Parkreinigung. Menschen mit Suchterkrankung finden dort Tagesstruktur, Beschäftigung und Perspektive. Sogar ein eigenes Magazin – das „Jubaz“ – erscheint viermal im Jahr, gestaltet von Menschen mit Suchterkrankung. Dazu kommen betreutes Wohnen in der Kriegkstraße, ein Buddy-Programm, sozialpädagogische Familienhilfe und das Programm Arbeit Technik Kultur (ATK) zur Entwicklung beruflicher Zukunftsperspektiven.

Warnung vor einseitiger Repressionspolitik

Trotz aller Erfolge ist Becker besorgt. Die Geschäftsführerin kritisiert die zunehmende Fixierung vieler Politiker auf die Säule der Repression – und das mit deutlichen Worten: „Die Lösungen, die viele Politiker derzeit vorschlagen, sind keine.“ Verdrängung etwa löse die Probleme im Bahnhofsviertel nicht.

Stattdessen plädiert Becker für die flächendeckende Umsetzung der Maßnahmen aus der „gibmir5″-Kampagne: ein schnelleres kommunales Frühwarnsystem, Naloxon als Mittel bei Überdosen, Substitution, Drug-Checking und Drogenkonsumräume. Drug-Checking solle nicht nur in der Niddastraße 76 erlaubt sein, sondern auch auf Festivals. Und es brauche Pilotprojekte mit Cannabis, um Crackkonsumierende aus dem ständigen Suchtdruck des Cracks zu holen.

In Zukunft soll außerdem eine temporäre interdisziplinäre, psychosoziale, medizinische und pflegerische Versorgung entstehen – besonders für mobilitätseingeschränkte Suchtkranke mit vielen Begleiterkrankungen. Zudem wird sich die IDH im geplanten Suchthilfezentrum in der Niddastraße 76 engagieren.

Feiert mit – zwei Events zum Jubiläum

Ihr wollt die IDH und ihre Arbeit hautnah erleben? Dann merkt euch diese Termine:

  • 26. September, 14 Uhr: Vernissage aktueller Kunstprojekte und Highlights der vergangenen 40 Jahre der IDH im Eastside, Schielestraße 22–26.
  • 26. November, 14–20 Uhr: Tag der offenen Tür mit Film und Tanz im Eastside.

40 Jahre IDH – das sind 40 Jahre gelebter Einsatz für Menschen, die Unterstützung brauchen. Der Frankfurter Weg hat bewiesen, was möglich ist. Jetzt gilt es, ihn zu verteidigen. Seid dabei – und schaut rein!

Quellen

Artikel teilen
Hilf uns, lokale Nachrichten zu verbreiten.

Dein Beitrag für Radio Frankfurt

Ob Meinung, Hinweis oder persönliche Geschichte: Reiche deinen Kommentar ein. Unsere Redaktion prüft deinen Beitrag vor der Veröffentlichung.
Einsatz von KI
Dieser Beitrag wurde mithilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage redaktionell ausgewählter Quellen erstellt, mehrstufig geprüft und vor der Veröffentlichung durch unsere Redaktion freigegeben. KI-generierte Bilder sind entsprechend gekennzeichnet.

Das könnte dich auch interessieren

Diskutiere mit!
Anonym und ganz ohne Anmeldezwang!
Alle Kommentare werden von unserer Redaktion im Vorfeld geprüft.
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

1
Kontakt
2
Unterlagen
3
Datenschutz
WhatsApp vorhanden?
    Datenschutz*

    Kontaktformular

    Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.