Die Integrative Drogenhilfe Frankfurt feiert 40 Jahre und warnt vor einer Abkehr vom Frankfurter Weg. Was das für die Stadt bedeutet, erfährst du hier.
40 Jahre Integrative Drogenhilfe – das ist eine Erfolgsgeschichte, die Frankfurt stolz machen kann. Und gleichzeitig ein Weckruf! Die IDH feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen und schaut auf eine beeindruckende Entwicklung zurück. Doch Geschäftsführerin Gabi Becker macht klar: Der Frankfurter Weg ist in Gefahr – und das darf nicht passieren.
1986 sah Frankfurt noch ganz anders aus. Die Drogenszene war größer, sichtbarer, gefährlicher. 147 Drogentote im Jahr 1992 – das war der traurige Höhepunkt einer Krise, die die Stadt an ihre Grenzen brachte. Was danach passierte, war ein echter Paradigmenwechsel.
Professor Hans-Volker Happel lehrte damals an der Frankfurter Hochschule im Bereich der Sozialpädagogik und Sozialen Arbeit. Er und seine Studierenden erkannten: Der damals vorherrschende Abstinenzansatz – also die Voraussetzung, clean zu sein, um überhaupt Hilfe zu bekommen – funktionierte nicht. Daraus entstand der Ansatz der akzeptanzorientierten Hilfe, bei der schrittweise an der Veränderungsmotivation der Betroffenen gearbeitet wird. Die IDH war geboren.
1992 öffnete in der Friedberger Anlage das „FriedA“ als niedrigschwellige Anlaufstelle. Kurz darauf folgte das Eastside im ehemaligen Bade- und Speisehaus der Gaswerke Ost in der Schielestraße. Ein Spritzenbus in der Taunusanlage ermöglichte den Tausch von Konsumutensilien. Und 1994 folgte der absolute Meilenstein: der erste Drogenkonsumraum Deutschlands in der Niddastraße – ermöglicht durch Oberstaatsanwalt Harald Hans Körner, der die Grenzen der rein repressiven Drogenpolitik erkannt hatte.
„Der Frankfurter Weg ist ein Erfolgsmodell“, sagt Becker. Das Konzept – abgeschaut von der Schweiz – basiert auf vier gleichwertigen Säulen: Prävention, Beratung und Therapie, Überlebenshilfen sowie Repression. Alle vier müssen ausgewogen sein. Genau das sieht Becker aktuell in Gefahr.
Heute bietet die IDH weit mehr als Konsumräume. Im Eastside gibt es neben acht Konsumplätzen für intravenöse Drogen auch eine Wäscherei, Schreinerei, Malerei, Gartenarbeit und Parkreinigung. Menschen mit Suchterkrankung finden dort Tagesstruktur, Beschäftigung und Perspektive. Sogar ein eigenes Magazin – das „Jubaz“ – erscheint viermal im Jahr, gestaltet von Menschen mit Suchterkrankung. Dazu kommen betreutes Wohnen in der Kriegkstraße, ein Buddy-Programm, sozialpädagogische Familienhilfe und das Programm Arbeit Technik Kultur (ATK) zur Entwicklung beruflicher Zukunftsperspektiven.
Trotz aller Erfolge ist Becker besorgt. Die Geschäftsführerin kritisiert die zunehmende Fixierung vieler Politiker auf die Säule der Repression – und das mit deutlichen Worten: „Die Lösungen, die viele Politiker derzeit vorschlagen, sind keine.“ Verdrängung etwa löse die Probleme im Bahnhofsviertel nicht.
Stattdessen plädiert Becker für die flächendeckende Umsetzung der Maßnahmen aus der „gibmir5″-Kampagne: ein schnelleres kommunales Frühwarnsystem, Naloxon als Mittel bei Überdosen, Substitution, Drug-Checking und Drogenkonsumräume. Drug-Checking solle nicht nur in der Niddastraße 76 erlaubt sein, sondern auch auf Festivals. Und es brauche Pilotprojekte mit Cannabis, um Crackkonsumierende aus dem ständigen Suchtdruck des Cracks zu holen.
In Zukunft soll außerdem eine temporäre interdisziplinäre, psychosoziale, medizinische und pflegerische Versorgung entstehen – besonders für mobilitätseingeschränkte Suchtkranke mit vielen Begleiterkrankungen. Zudem wird sich die IDH im geplanten Suchthilfezentrum in der Niddastraße 76 engagieren.
Ihr wollt die IDH und ihre Arbeit hautnah erleben? Dann merkt euch diese Termine:
40 Jahre IDH – das sind 40 Jahre gelebter Einsatz für Menschen, die Unterstützung brauchen. Der Frankfurter Weg hat bewiesen, was möglich ist. Jetzt gilt es, ihn zu verteidigen. Seid dabei – und schaut rein!
Update: Es gibt neue Entwicklungen zu diesem Thema:






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