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2,3 Millionen Euro Netz an der Konstablerwache – Kunstwerk oder Geldverschwendung?

Das 2,3-Millionen-Euro-Netz „A Sky Full of Hope

Redaktion
·
12. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 50 Minuten

Frankfurt hat ein neues Gesprächsthema – und das hängt über der Konsti

Seit einigen Wochen dreht sich in Frankfurt alles um ein farbenfrohes Netz über der Konstablerwache. Die Kunstinstallation „A Sky Full of Hope – Earthtime 1.78 Frankfurt“ von US-Künstlerin Janet Echelman wurde offiziell eingeweiht – und spaltet seitdem die Stadt. Die einen sind begeistert, die anderen fragen sich: War das wirklich nötig?

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hat das Werk gemeinsam mit Echelman vorgestellt und bezeichnet es als „Kunst für alle“. Mehr als sieben Meter über dem Platz hängt das über 200 Quadratmeter große Netz an vier Stützen – verarbeitet wurden dafür rund 103 Kilometer Garn aus hochfesten Polymerfasern, wie sie auch in der Raumfahrttechnik eingesetzt werden. Bei Dunkelheit leuchtet das Werk in bunten Farben und macht die Konsti zu einer ganz anderen Ecke Frankfurts. Jetzt reinhören – oder besser: rausgehen und selbst schauen!

Was steckt hinter dem Werk?

Der vollständige Titel „Earthtime 1.78″ ist kein Zufall: Er bezieht sich auf das schwere Tōhoku-Erdbeben von 2011, das den Tsunami und die Reaktorkatastrophe von Fukushima auslöste. Das Beben veränderte die Erdrotation so stark, dass sich ein Tag um 1,78 Mikrosekunden verkürzte. Messdaten der damaligen Wellenbewegungen dienten Echelman als Grundlage für die Form des Netzes.

Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) sieht im Netz ein Symbol für gesellschaftlichen Zusammenhalt: Erst die Verbindung der einzelnen Knoten schaffe Stabilität – ein Bild für das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und für die Demokratie. Echelman selbst rief die Frankfurterinnen und Frankfurter auf, sich den Raum anzueignen: „Auf diese Weise wird es zu ihrer Skulptur.“

Die Installation ist Teil der World Design Capital Frankfurt-Rhein/Main 2026 und soll zunächst bis Oktober 2029 bleiben. In den Wintermonaten wird das Netz jedoch jeweils abgehängt.

2,3 Millionen Euro – und der Streit ist programmiert

Was die Begeisterung der Verantwortlichen dämpft: die Kosten. 2,3 Millionen Euro hat das Projekt gekostet. Die Stadt betont, das Geld stamme nicht aus dem laufenden Kulturetat, sondern aus investiven Restmitteln der „Initiative Innenstadt“. Ursprünglich waren 1,2 Millionen Euro für eine Innenstadt-Illumination vorgesehen. Neben dem Kunstwerk werden auch Beleuchtung und Pflasterarbeiten finanziert.

In sozialen Netzwerken wird trotzdem heftig gestritten – über Kosten, die massiven Stützen und den Nutzen des Werks. Einer der profiliertesten Kritiker ist Wolfgang Böhm, promovierter Architekt und Architekturtheoretiker. Er war Professor für Gebäudelehre und Entwerfen an der Technischen Universität Kaiserslautern und lehrte als Gastprofessor unter anderem in Peking, Seoul und Japan. In Frankfurt gründete er gemeinsam mit Peter Rhein, der früheren Oberbürgermeisterin Petra Roth und Sylvia von Metzler das Urban Future Forum.

„Stupides Netz“ oder echter Mehrwert?

Böhm spart nicht mit Kritik. Die politischen Aussagen über Demokratie und Verbundenheit nennt er „unerträgliches Geschwafel“. Tagsüber hänge dort vorwiegend ein „stupides Netz“, die vier Stützen seien „brutal“ und unelegant. Sein Urteil ist deutlich: „Ich glaube nicht, dass diese Kunstinstallation dem Ort überhaupt hilft.“ Kunst könne die seit Jahrzehnten bestehenden Probleme der Konstablerwache nicht lösen. Sinnvoller wären aus seiner Sicht Begrünung, Entsiegelung, Beschattung oder andere Maßnahmen für mehr Klimaresilienz und Aufenthaltsqualität gewesen.

Kritisch sieht Böhm außerdem die Vergabe: Echelman wurde ohne öffentlichen Teilnahmewettbewerb beauftragt. Die Stadt begründet das mit der Einzigartigkeit des Werks – Böhm widerspricht: Echelman habe ähnliche Netze als Teil ihrer „Earthtime“-Serie bereits an zahlreichen Orten installiert. „Wenn es schon als Serie bezeichnet wird, ist es nicht einzigartig, sondern eine Variante eines Themas“, so sein Argument. Das Kulturdezernat begründet die Entscheidung auch damit, dass Geld und Idee erst „spät“ kamen.

Frankfurt schaut nach oben – und diskutiert

Fakt ist: Die Konsti zieht gerade mehr Blicke auf sich als seit Langem. Menschen bleiben stehen, schauen nach oben und machen Fotos – genau das, was Kulturdezernentin Hartwig sich erhofft hat. In anderen Städten haben sich unter Echelmans Netzen Yoga-, Tanz- und Trommelgruppen versammelt. Ob das in Frankfurt ähnlich läuft, bleibt abzuwarten.

Auch Böhm räumt ein: Beleuchtet könne das Netz eindrucksvoll wirken. Ob „A Sky Full of Hope“ die Konstablerwache dauerhaft verändert oder am Ende doch zum Stadtmöbel verkommt – das wird der Alltag zeigen. Der Sound der Weltstadt macht eben manchmal auch Geräusche, die nicht alle mögen. Was meint ihr – Kunstwerk oder Fehlinvestition? Diskutiert mit!

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