
2,3 Millionen Euro für eine Netzskulptur: Frankfurts Politik streitet über das Kunstwerk „A Sky Full of Hope
Frankfurt liebt Diskussionen – und das Kunstwerk „A Sky Full of Hope“ an der Konstablerwache liefert gerade reichlich Gesprächsstoff. Seit das bunte Netz vor einigen Wochen über dem Platz aufgehängt wurde, streitet die Römer-Politik lautstark darüber, ob die Investition gerechtfertigt ist. Und ehrlich gesagt: Die Zahlen machen einen schon staunen.
Bei „A Sky Full of Hope – Earthtime 1.78 Frankfurt“ handelt es sich um eine Kunstinstallation der US-amerikanischen Künstlerin Janet Echelman. Das farbenfrohe Netz ist Teil des Programms der World Design Capital (WDC) – und wurde von der Stadt Frankfurt ohne Ausschreibung direkt an Echelman vergeben. Der Grund laut Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD): Echelman folge mit ihren Netzskulpturen einem „einzigartigen Konzept“, das eine Direktvergabe rechtfertige. Das Werk erfülle eine „ganz spezifische Aufgabe“ – und die Vergabe sei rechtlich einwandfrei gewesen.
Gleichzeitig machte Hartwig klar, dass solche Direktvergaben die Ausnahme bleiben müssen. Kein Freifahrtschein also für die Zukunft.
Was die Debatte so richtig anheizt, ist der Preis: 2,3 Millionen Euro – und das für eine dreijährige Leihe inklusive mehrfachem Auf- und Abbau. FDP-Stadtverordnete Isabel Schnitzler bringt es auf den Punkt: „Die Menschen haben dafür kein Verständnis.“ Die Stadt müsse andere Prioritäten setzen, so ihre Kritik.
Noch schärfer formuliert es Thomas Bäppler-Wolf von Die Frankfurter: Während für das Netz Millionen fließen, müssen laut der gerade verabschiedeten Theaterförderung mehrere freie Theater mit weniger Geld auskommen. Ein Widerspruch, der viele Frankfurterinnen und Frankfurter beschäftigt.
Michael Müller von der Linken kritisiert „mangelnde Transparenz“ bei der Auswahl der Künstlerin und fragt direkt: „Warum sind Sie nicht den Weg eines Wettbewerbs gegangen?“ Auch CDU-Stadtverordneter Christian Becker hätte sich „mehr Transparenz“ gewünscht.
Kulturdezernentin Hartwig kontert: Das Geld für das Kunstwerk sei zweckgebunden und Teil der von den Stadtverordneten beschlossenen Finanzierung der World Design Capital. Eine andere Verwendung – zum Beispiel für die freien Theater – sei schlicht nicht möglich gewesen. Das Geld wäre also nicht einfach umgeleitet worden, selbst wenn man gewollt hätte.
Rückendeckung bekommt Hartwig von Türkân Kanbıçak (SPD): Das Kunstwerk sorge für „Kulturgenuss und Teilhabe für die gesamte Stadtgesellschaft“ – ein Argument, das zeigt, wie unterschiedlich das bunte Netz wahrgenommen wird.
Ob Kunstliebhaber oder Kritiker: „A Sky Full of Hope“ lässt niemanden kalt. Das ist vielleicht das Zeichen eines wirklich guten Kunstwerks – auch wenn der Preis dafür ordentlich zu Buche schlägt. Wie seht ihr das? Ist das Netz über der Konstablerwache sein Geld wert, oder hätte Frankfurt die Millionen besser woanders investiert? Der Sound der Weltstadt lebt eben auch vom Streit über Kunst, Kultur und Kohle.
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