
Frankfurts neue Netzskulptur „A Sky Full of Hope
Die Konstablerwache hat ein neues Wahrzeichen – und das sorgt für mächtig Gesprächsstoff! Seit Mitte August hängt über dem Platz die Netzskulptur „A Sky Full of Hope – Earthtime 1.78 Frankfurt“ der US-amerikanischen Künstlerin Janet Echelman. Über sieben Meter hoch, mehr als 200 Quadratmeter groß, aus rund 103 Kilometern Garn gefertigt – und bei Nacht in bunten Farben beleuchtet. Das klingt spektakulär, kostet aber auch genauso viel: rund 2,3 Millionen Euro. Kein Wunder, dass Frankfurt diskutiert!
Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und Künstlerin Janet Echelman haben das Werk gemeinsam vorgestellt. Hartwig bezeichnete es als „Kunst für alle“. Die bunten Polymerfasern – wie sie auch in der Raumfahrttechnik zum Einsatz kommen – reagieren auf Wind und Wetter und machen das Werk zu einem lebendigen Teil des Platzes. Bis Oktober 2029 soll die Skulptur bleiben, in den Wintermonaten wird sie jeweils abgehängt.
Hinter dem etwas rätselhaften Titel „Earthtime 1.78″ steckt eine bewegende Geschichte: Der Name bezieht sich auf das schwere Tōhoku-Erdbeben von 2011, das den Tsunami und die Reaktorkatastrophe von Fukushima auslöste. Das Beben veränderte sogar die Erdrotation – ein Tag verkürzte sich dadurch um 1,78 Mikrosekunden. Die Messdaten der damaligen Wellenbewegungen dienten Echelman als Grundlage für die Form des Netzes. Stoff zum Nachdenken, oder?
Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) sieht das Werk als starkes Symbol: Das Zusammenspiel der einzelnen Knoten im Netz stehe für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft. Ein Bild für die Demokratie – quasi über den Köpfen der Frankfurterinnen und Frankfurter.
Die Stadtgesellschaft kennt das Problem: Die Konstablerwache gilt außerhalb der Markttage als schmuckloser Durchgangsraum mit sozialen Spannungen und wenig Aufenthaltsqualität. Genau hier setzt die Installation an. Das Kunstwerk soll einen neuen Bezugspunkt schaffen und die Menschen einladen, den Platz zu beleben. In anderen Städten haben sich unter Echelmans Netzen bereits Yoga-, Tanz- und Trommelgruppen versammelt – warum nicht auch in Frankfurt?
Echelman selbst rief die Frankfurterinnen und Frankfurter auf, sich den Raum anzueignen: „Auf diese Weise wird es zu ihrer Skulptur“, sagte sie. Natur und Menschen sollen die Choreografie des Werks bestimmen. Ein schöner Gedanke – doch längst nicht alle sind überzeugt.
In sozialen Netzwerken wird heftig gestritten – über die Kosten, die massiven Stützen und den tatsächlichen Nutzen. Einer der schärfsten Kritiker ist Wolfgang Böhm, promovierter Architekt und Architekturtheoretiker sowie ehemaliger Professor für Gebäudelehre und Entwerfen an der Technischen Universität Kaiserslautern. Böhm nennt das Netz tagsüber ein „stupides Netz“ und bezeichnet die vier notwendigen Stützen als „brutal“ und unelegant.
Sein Hauptkritikpunkt geht aber tiefer: „Ich glaube nicht, dass diese Kunstinstallation dem Ort überhaupt hilft“, sagt Böhm. Die politischen Deutungen rund um Demokratie und Zusammenhalt empfindet er als „unerträgliches Geschwafel“. Stattdessen hätte er sich Maßnahmen für mehr Klimaresilienz gewünscht – Begrünung, Entsiegelung oder Beschattung für mehr Aufenthaltsqualität.
Auch die Vergabe ohne öffentlichen Teilnahmewettbewerb stößt ihm sauer auf. Die Stadt begründet die direkte Beauftragung von Echelman mit der Einzigartigkeit des Werks. Böhm widerspricht: Da Echelman ähnliche Netze als Teil ihrer „Earthtime“-Serie an zahlreichen Orten installiert habe, sei das Werk keine Einzigartigkeit, sondern „eine Variante eines Themas“. Das Kulturdezernat verweist zusätzlich darauf, dass Geld und Idee erst spät zusammengekommen seien.
2,3 Millionen Euro klingt erstmal nach viel – die Stadt stellt aber klar: Das Geld stammt nicht aus dem laufenden Kulturetat. Die Mittel kommen aus investiven Restmitteln der „Initiative Innenstadt“. Ursprünglich waren 1,2 Millionen Euro für eine Innenstadt-Illumination vorgesehen. Finanziert werden neben dem Kunstwerk auch Beleuchtung und Pflasterarbeiten an der Konstablerwache.
Frankfurt bleibt gespalten – und genau das macht diese Stadt so lebendig! Ob das farbige Netz über der Konstablerwache langfristig etwas verändert, wird sich im Alltag zeigen. Selbst Kritiker Böhm räumt ein, dass die Installation bei Nacht eindrucksvoll wirken könne. Wir sagen: Schau es dir selbst an, mach dein Foto und bilde dir deine eigene Meinung. Das ist Frankfurt – der Sound der Weltstadt eben!



„A Sky Full of Hope



„A Sky Full of Hope
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