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186.000 Betriebe suchen Nachfolger – droht Frankfurt eine Welle von Schließungen?

186.000 Betriebe suchen bis 2030 einen Nachfolger – viele drohen zu schließen. Was das für Frankfurt und das Handwerk bedeutet, liest du hier.

Redaktion
·
5. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 7 Tagen

Das Lebenswerk darf nicht sterben

Er ist 83 Jahre alt und steht noch jeden Tag in seinem Laden im Frankfurter Süden. Einen Nachfolger hat er nicht gefunden – und das will er auch nicht einfach hinnehmen. Wie wir in einem früheren Beitrag berichtet haben, kämpft der Handwerker für sein Lebenswerk und sagt klar: „Wenn ich Schluss mache, wird es diesen Betrieb nicht mehr geben.“ Doch sein Fall ist kein Einzelfall – er ist symptomatisch für ein riesiges Problem, das ganz Deutschland betrifft. Und die neuesten Zahlen zeigen: Es wird noch dringlicher.

186.000 Betriebe – und kaum jemand will übernehmen

Laut dem Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn stehen bis 2030 bundesweit rund 186.000 Unternehmensübergaben an. Allein in Hessen sind es rund 13.600 Betriebe, die einen Nachfolger brauchen. Das klingt nach einer riesigen Chance – wäre da nicht das Problem mit der Nachfrage. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) schätzt das Verhältnis von Angebot zu Nachfrage auf schlechter als 2:1. Heißt: Auf zwei übergabebereite Betriebe kommt nicht mal ein ernsthafter Interessent.

Besonders bitter: Laut Zahlen der IHK erwägen bundesweit 27 Prozent der Unternehmen, die wegen einer möglichen Übergabe beraten werden, stattdessen die Betriebsaufgabe. Gesunde Firmen, die jahrzehntelang funktioniert haben, verschwinden einfach – weil sich niemand findet, der weitermacht.

Frankfurt und das Handwerk: Ein Generationswechsel ohne Abnehmer

Vanessa Falkenstein, Sprecherin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, bestätigt: „Ja, der Generationswechsel ist auch im Handwerk angekommen.“ Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache – 36 Prozent der Einzelunternehmer im Zuständigkeitsbereich der Kammer sind älter als 55 Jahre. Besonders betroffen sind Gewerke wie Maler und Lackierer, Metallbauer und Tischler.

Und wer dann Hilfe sucht, landet oft in der Betriebsberatung der Kammer: Rund 40 Prozent der Beratungsgespräche drehen sich mittlerweile ums Thema Nachfolge. Die Inhaber wollen übergeben – aber an wen?

Was auf dem Spiel steht

Peter Adrian, Präsident des bundesweiten IHK-Dachverbandes, schlägt Alarm: „In Deutschland bricht uns damit immer mehr von unserer wirtschaftlichen Basis weg. Das können wir uns nicht leisten. Wir verlieren dadurch Innovationsimpulse und Wachstumskraft, wir müssen endlich das Ruder herumreißen, damit Unternehmertum wieder attraktiv wird.“

Adrian macht auch konkret, was das für Städte wie Frankfurt bedeuten kann: Wenn Spezialisten vom Markt verschwinden, können ganze Wertschöpfungsketten darunter leiden. Innenstädte drohen mit Leerständen. Und selbst auf dem Land, wo ein Gasthof schließt, geht nicht nur ein Betrieb verloren – sondern ein Ort der Begegnung. „Durch das Wegbrechen solcher Strukturen kann am Ende die Standortqualität einer ganzen Region leiden“, so Adrian.

Fachkräftemangel macht es noch schwerer

Als wäre die fehlende Nachfolge nicht genug, kämpfen viele Betriebe gleichzeitig mit dem Fachkräftemangel. Falkenstein betont: „Parallel zur Nachfolgeregelung bleibt die Gewinnung von Fachkräften und Auszubildenden eine der größten Herausforderungen.“ Die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main versucht gegenzusteuern – etwa mit dem Projekt „Azubibotschafter“, bei dem Azubis direkt an Schulen über ihren Beruf informieren, oder mit „YourPUSH“, einem Beratungsangebot für Studienzweifler.

Denn viele, die eigentlich für einen Handwerksberuf gemacht wären, studieren – weil das gesellschaftlich lange als der einzig richtige Weg galt. Dabei gilt nach wie vor: Handwerk hat goldenen Boden, vor allem wenn man den Schritt in die Selbstständigkeit wagt. Betriebe zur Übernahme gibt es jedenfalls mehr als genug.

Was jetzt gefragt ist

Der 83-jährige Frankfurter steht also stellvertretend für Tausende Unternehmerinnen und Unternehmer, die nicht loslassen wollen – aber auch nicht können, weil niemand da ist, der übernimmt. Die Botschaft ist klar: Wer mit dem Gedanken spielt, sich selbstständig zu machen, findet gerade jetzt eine historisch große Chance. Frankfurt braucht Nachfolger. Das Main-Gebiet braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen. Jetzt reinhören – und vielleicht ist der nächste Schritt deiner!

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