Studio-Hotline 069–669 669 0

100-jähriger Holocaust-Überlebender schenkt Frankfurt einen Schatz

Norbert Cymbalista, 100-jähriger Holocaust-Überlebender, schenkt dem Jüdischen Museum Frankfurt die weltgrößte Rimonim-Sammlung – und mahnt eindringlich mit…

Redaktion
·
31. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 11 Stunden

Eine Geschichte, die bewegt – und mahnt

Im Jüdischen Museum Frankfurt gibt es gerade einen Moment, den so schnell niemand vergisst. Norbert Cymbalista, am 8. Juli 1926 in Worms geboren, steht vor der Presse, entschuldigt sich für sein Deutsch – und hält dann eine Rede in perfektem Deutsch. Der 100-Jährige lacht, das Publikum lacht mit. Kurz darauf weint er. Und mit ihm weinen einige im Saal. So ist das, wenn jemand erzählt, was er erlebt hat.

Cymbalista ist Holocaust-Überlebender. Er hat als Kind erlebt, wie die Schule ihn und andere jüdische Kinder rauswarf. Er wurde mit seiner Familie in einen Zug nach Polen gepfercht. Er floh als Zwölfjähriger allein zu Fuß nach Frankreich. Er überlebte Internierungslager. Und er kam am Ende mit praktisch nichts nach Mailand – wieder zu Fuß, wieder allein, wieder ohne Geld. Nur er, seine Eltern, eine Cousine und ein Cousin überlebten aus seiner weitverzweigten Familie die Schoa.

Die weltgrößte Rimonim-Sammlung kommt nach Frankfurt

Heute besitzt Norbert Cymbalista die weltgrößte Sammlung von Rimonim – kunstvollen Aufsätzen, die die Torarollen schmücken, die heilige jüdische Schrift. 72 Paare hat er dem Frankfurter Jüdischen Museum als Dauerleihgabe übergeben. Die Stücke stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, sind herrlich verziert und kommen aus fast aller Welt. Darunter eine Miniatur aus Altona, die er mitsamt der Torarolle kaufte, um zu zeigen, wofür die Aufsätze eigentlich da sind. Und das älteste je in Schweden hergestellte Paar – dem Jüdischen Museum in Stockholm hat er versprochen, es jederzeit dorthin auszuleihen.

Warum Frankfurt? „Von allen hat mir Frankfurt am meisten zugesagt“, sagt er schlicht. Eine Vermittlerin hatte verschiedene Museen vorgeschlagen. Die Entscheidung war keine leichte: „Es war nicht einfach, aber nun haben sie ein neues Heim gefunden.“ Die Sammlung ist jetzt in der eigens umgebauten Bibliothek des Museums zu sehen – und sie ist so groß, dass Cymbalista selbst findet: „Di kale iz tsu sheyn.“ Die Braut ist zu schön. Damit man sich auf die einzelnen Paare konzentrieren kann, soll regelmäßig ein Paar als „Rimonim des Monats“ präsentiert werden.

Warum Rimonim? Weil sie alle Juden vereinen

Museumsdirektorin Mirjam Wenzel fragt ihn, wie er überhaupt auf die Idee kam, Rimonim zu sammeln. Cymbalista zieht erst mal die Jacke aus – „jetzt wird es ernst!“ – und lacht. Dann erklärt er: Die Einzahl Rimon bedeute Granatapfel, aber auch Handgranate. Rimonim krönten „das einzig Heilige, das die jüdische Religion hat“. Und vor allem: Sie vereinen alle Juden, egal welcher Glaubensrichtung. „In Auschwitz wurde nicht gefragt, zu welcher jüdischen Glaubensrichtung gehörst du?“ Deshalb sammelt er Rimonim. Zur Lebensaufgabe wurde ihm, jüdische Kultur zu stärken und den Zusammenhalt zu fördern.

Eine Warnung, die heute aktueller denn je ist

Cymbalista warnt eindringlich. Bei jedem neuen Nazi-Gesetz habe es geheißen, schlimmer könne es nicht werden. „Das war total falsch.“ Und nach einer Pause: „Wir müssen darüber reden, an welchem Punkt man sagen muss: Es ist genug!“ Die Parallelen zur heutigen Zeit lässt er bewusst stehen. „Schrittweise ist es weitergegangen, niemand hat gesagt: Halt!“ Das ist keine Geschichte von gestern. Das ist eine Mahnung für heute.

Hundert Jahre alt – und noch lange nicht fertig

Wie wird man hundert, nach alldem? Gute Ernährung, nie aufgeben – „aber Mazel muss man auch haben“, sagt er. Glück. Und Cymbalista hat noch einiges vor: Gerade schreibt er ein Buch übers Fitbleiben. Es soll das erste von drei geplanten Werken sein.

Die Ausstellung „Rimonim aus aller Welt: Die Cymbalista-Sammlung von Tora-Aufsätzen“ ist ab dem 3. September im Jüdischen Museum Frankfurt zu sehen – dienstags bis sonntags, 10 bis 18 Uhr, ohne Anmeldung und ohne Eintrittskarte. Es gibt Interview-Videos mit dem Sammler, Details zu den Exponaten auf Tablet-Computern und Führungen mit Kuratorin Eva Atlan. Mehr Infos unter juedischesmuseum.de.

Das ist Frankfurt. Eine Weltstadt, die Geschichte nicht vergisst – und Menschen wie Norbert Cymbalista einen Platz gibt, der ihnen gebührt. Der Sound der Weltstadt trägt auch diese Geschichte weiter.

Quellen

Artikel teilen
Hilf uns, lokale Nachrichten zu verbreiten.

Dein Beitrag für Radio Frankfurt

Ob Meinung, Hinweis oder persönliche Geschichte: Reiche deinen Kommentar ein. Unsere Redaktion prüft deinen Beitrag vor der Veröffentlichung.
Einsatz von KI
Dieser Beitrag wurde mithilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage redaktionell ausgewählter Quellen erstellt, mehrstufig geprüft und vor der Veröffentlichung durch unsere Redaktion freigegeben. KI-generierte Bilder sind entsprechend gekennzeichnet.

Das könnte dich auch interessieren

Diskutiere mit!
Anonym und ganz ohne Anmeldezwang!
Alle Kommentare werden von unserer Redaktion im Vorfeld geprüft.
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

1
Kontakt
2
Unterlagen
3
Datenschutz
WhatsApp vorhanden?
    Datenschutz*

    Kontaktformular

    Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.