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Zwölfmal Training pro Woche: So werden an der Carl-von-Weinberg-Schule Frankfurts Sportasse geformt

An der Carl-von-Weinberg-Schule in Frankfurt trainieren Nachwuchsathleten bis zu zwölfmal pro Woche.

Redaktion
·
19. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 19 Minuten

Frankfurt macht Spitzensport – schon ab der fünften Klasse

30 Stunden Sport pro Woche – und dann nochmal das gleiche Paket in der Schule. Klingt nach Ausnahme? An der Carl-von-Weinberg-Schule in Frankfurt ist das gelebter Alltag für junge Nachwuchsathleten. Koordinator Leistungssport Volker Kemmerer bringt es auf den Punkt: „Alles, was dahintersteckt an Zeit, Schweiß und Tränen, ehe du auf dem Startblock stehst, bleibt unsichtbar.“ Damit dieses System funktioniert, muss laut Kemmerer „alles unglaublich strukturiert sein.“

Nicht irgendeine Schule – eine Talentschmiede

In den Jahrgängen fünf bis zehn gibt es an der Carl-von-Weinberg-Schule jeweils zwei Sportklassen. Wer rein will, braucht mehr als normale Sportbegabung. Gefragt sind Disziplin, Ehrgeiz und – wenn möglich – schon in jungen Jahren einen echten Siegeswillen. Schulleiterin Carolin Kubbe macht aber auch klar: Genauso wichtig wie die sportliche Leistung ist, „was für eine Persönlichkeit sich entwickelt.“ Die Schule begleitet manche Kinder von der fünften Klasse bis zum Abschluss – und das ist kein leerer Satz.

Im Geräteturnen trainieren manche Fünftklässler, die bereits im Bundeskader sind, zwölfmal pro Woche. Am Wochenende sind sie bei Wettkämpfen unterwegs, die Hausaufgaben werden zwischen den Trainingseinheiten erledigt. Dafür braucht es ein ganzes Netzwerk: Eltern, Trainer und Lehrer, die alle an einem Strang ziehen.

Stars, die hier ihre Wurzeln haben

Wie weit dieser Weg führen kann, zeigen echte Erfolgsgeschichten aus Frankfurt. Gesa Felicitas Krause, frisch gekürte Europameisterin über 3000-Meter-Hindernis, ging hier zur Schule. Genauso wie Freiwasserschwimmer Oliver Klemet, der EM-Bronze über 1500 Meter holte, oder die amtierende 100-Meter-Brust-Weltmeisterin Anna Elendt. Auch Eintracht-Spielerinnen wie Sophia Kleinherne und Camilla Küver wurden hier gefördert. Und mit Jana Becker und Vanessa Mikitenko haben zuletzt zwei hoch talentierte Leichtathletinnen ihr Abitur abgelegt.

Die Verbindung zur Schule bleibt: Oliver Klemet habe sich später noch einmal ausdrücklich bedankt, erinnert sich Kemmerer. Die Schule sei für ihn „ein großer Teil davon“ gewesen, dass er so erfolgreich werden konnte.

Ein System, das weit über den Unterricht hinausgeht

An der Carl-von-Weinberg-Schule arbeiten 18 hauptamtliche Lehrertrainerinnen und Lehrertrainer. Sie stehen nicht nur in der Halle oder am Beckenrand, sondern nehmen auch an Zeugniskonferenzen und Elterngesprächen teil. Dazu kommt ein Sportinternat am Olympiastützpunkt mit 48 Plätzen – für Talente aus ganz Deutschland, die kurze Wege zwischen Schule, Unterkunft und Training brauchen.

Sportpsychologen stehen bereit, wenn es mal nicht rund läuft. Besonders seit Corona sei der Bedarf gestiegen, betonen die Verantwortlichen. Die Schule wünscht sich sogar einen eigenen Lehrertrainer für Sportpsychologie. Auch das Thema Smartphones wird pragmatisch angegangen: In manchen Sportarten gibt es vor dem Training eine Art Social-Media-Sperre – gleichzeitig gilt: „Soziale Medien verteufeln wir nicht. Sie können später für die Selbstvermarktung wichtig sein.“

Was noch fehlt – und was die Zukunft bringen soll

Trotz aller Erfolge gibt es Baustellen. Ein professioneller Kraftraum fehlt – der aktuelle ist eine umfunktionierte Umkleidekabine. Die Verantwortlichen drängen die Stadt auf eine Lösung. Außerdem möchte die Schule ab der siebten Klasse eine dritte Sportklasse eröffnen, besonders für Sportarten, in denen sich Talent erst später zeigt. Denn der Andrang ist groß: „Bloß wir haben die Möglichkeit nicht, sie alle aufzunehmen, sodass wir Sportlern auch tatsächlich absagen müssen“, sagt Kubbe.

Und der Fokus der Schüler? Der ist beeindruckend. Kubbe erzählt von zwei Elftklässlern, die bei Unterrichtsausfall nicht wussten, was sie mit der freien Zeit anfangen sollten – und fragten, wo sie sich in der Bibliothek hinsetzen und ihre Aufgaben erledigen könnten. Kubbe: „Toll, wie fokussiert die sind.“ Das ist Frankfurt – der Sound einer Stadtschule, die leise Weltklasse produziert.

Quellen

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