
Zwei Millionen Euro für Kunst an der Konstablerwache – oder hätte ein Sonnensegel auch gereicht? Frankfurt diskutiert Prioritäten in der Kulturpolitik.
Frankfurt diskutiert gerade heiß: An der Konstablerwache soll ein Kunstwerk der Künstlerin Janet Echelman installiert werden – eine Netzinstallation, die für mehr Schatten sorgen soll. Klingt erstmal gut, oder? Aber dann kommt der Haken: Das Ganze kostet satte zwei Millionen Euro. Und genau da fragen sich viele Frankfurterinnen und Frankfurter zurecht, ob das wirklich sein muss.
Kulturdezernentin Ina Hartwig wünscht sich, dass die Konstablerwache – und sie selbst nennt ihn „diesen oft sehr tristen Ort“ – durch das Kunstwerk völlig anders wahrgenommen wird. Die Hoffnung ist groß. Und ja, Kunst kann Wunder wirken. Bestes Beispiel: die Euro-Skulptur von Ottmar Hörl am Willy-Brandt-Platz. Anfangs belächelt und als Symbol für das kalte „Bankfurt“ verspottet, ist sie heute eines der meistfotografierten Objekte der Stadt und belebt den Platz spürbar.
Aber – und das ist ein großes Aber – die Konstablerwache ist nicht der Willy-Brandt-Platz. Dort strömt das Bürgertum in die Oper und ins Schauspiel, Skater beleben die Fläche. Die Konstablerwache hingegen ist ein reiner Funktionsbau, der die U- und S-Bahn-Station überdeckt. Ein steinerner Ort, auf dem Bäume nicht mal Wurzeln schlagen können. Donnerstags und samstags brutzeln dort die Würstchen auf dem Markt – viel Flair hat das Ganze nicht.
Wenn die Netzinstallation von Janet Echelman am Ende vor allem mehr Schatten bringt – dann wäre das schon viel. Aber genau da liegt die Frage: Hätten dafür nicht auch 50.000 Euro für ein großes Sonnensegel gereicht? Die eigentlichen Kosten bei dem Projekt sind nämlich die vier Masten, die dafür gebaut werden müssen. Die sollen auch nach 2029, wenn das Kunstwerk wieder abgebaut wird, ihren Zweck erfüllen und den Platz dauerhaft verschatten. Das wäre immerhin ein nachhaltiger Gedanke.
Und trotzdem bleibt ein bitterer Beigeschmack: Gleichzeitig streicht Frankfurt dem Theater Alte Brücke 22.000 Euro. Zweiundzwanzigtausend Euro – für ein Theater. Aber zwei Millionen für ein Kunstwerk, das 2029 wieder weg ist? Das ist eine Prioritätensetzung, über die man reden muss.
Niemand ist grundsätzlich gegen Kunst im öffentlichen Raum. Frankfurt lebt von seiner kulturellen Vielfalt – das ist Teil des Sounds dieser Weltstadt. Aber zwei Millionen Euro für ein temporäres Kunstwerk, während kleinen Kultureinrichtungen das Geld gestrichen wird, wirft berechtigte Fragen auf. Die Konstablerwache braucht mehr Aufenthaltsqualität – das stimmt. Ob dafür aber zwingend eine Millionen-Netzinstallation her muss, darf Frankfurt laut und deutlich hinterfragen. Was meint ihr? Diskutiert mit – beim besten Programm im Main-Gebiet, bei Radio Frankfurt!



Die wiederentdeckte Oper „Riccio



Die wiederentdeckte Oper „Riccio
Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.
Dein Beitrag für Radio Frankfurt
Kommentar verfassen
Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit. Wir prüfen Ihren Beitrag und veröffentlichen ihn nach Freigabe.