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Wohnungsbau in Frankfurt: Qualität statt Kistenbrei!

Frankfurter Architekten Stefan Forster und Jens Jakob Happ fordern mehr Qualität im Wohnungsbau und einen Gestaltungsbeirat für die Mainmetropole.

Redaktion
·
24. Juli 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 13 Stunden

Frankfurt baut – aber baut Frankfurt auch gut?

Der Sound der Weltstadt ist laut, bunt und lebendig – aber wie klingt eigentlich das, was gerade in Frankfurts Neubauquartieren gebaut wird? Zwei Frankfurter Architekten schlagen Alarm: Stefan Forster und Jens Jakob Happ fordern mehr Qualität im Wohnungsbau und stellen die Frage, die sich viele von uns stellen: Warum sehen so viele neue Wohnquartiere so trist und seelenlos aus?

Anlass für ihr Engagement ist ein konkretes Projekt: das geplante Wohnquartier am Kaiserlei, an der Nahtstelle zwischen Frankfurt und Offenbach. Dort sollen 1.200 Wohnungen entstehen – geplant von einem einzigen Architekturbüro, ohne Wettbewerb. Für Forster und Happ ist das ein Unding.

Großblock statt lebendiges Quartier

„In anderen Städten werden für solche bedeutenden Orte Wettbewerbe ausgeschrieben“, sagt Stefan Forster. „Diese Verfahren sind immer Voraussetzung für Qualität und öffentliche Diskussionsprozesse.“ Jens Jakob Happ sieht darin eine vertane Chance: „Wir reden von der Qualität einer städtebaulichen Planung, die es ermöglicht, Parzellen zu bilden, die von unterschiedlichen Architekten bebaut werden, keinen Großblock.“

Als positives Gegenbeispiel nennen die beiden das Schönhof-Quartier in Frankfurt, wo unterschiedliche Architekten die Häuser geplant haben – mit sichtbarem Ergebnis. Auch das Schwedler-Quartier im Frankfurter Ostend zeigt laut Forster, wie eine abgestimmte, aber vielfältige Gestaltung funktioniert. Und das Dom-Römer-Quartier beweist, dass ein Gestaltungsbeirat echte Wirkung entfalten kann.

Kein Geld-Problem – ein Qualitäts-Problem

Kostet mehr Qualität auch mehr Geld? Die Antwort von Happ ist eindeutig: „Wir reden vielleicht über Mehrkosten von ein oder zwei Prozent der Baukosten. Es ist in erster Linie ein Steuerungsproblem.“ Und Forster ergänzt: „Hier geht es um eine Maßnahme, die mindestens 100 Jahre Bestand haben muss. Ein Wettbewerb würde vielleicht eine Verzögerung von einem halben Jahr bedeuten.“

Was die beiden Architekten beschreiben, klingt erschreckend vertraut: „Bodentiefe dunkle Kunststoffschlitzfenster, weißes Wärmedämmverbundsystem, verzinkte Regenfallrohre gefühlt alle zehn Meter.“ Kein Wunder, so Forster, dass kurz nach Fertigstellung alles mit Graffiti vollgeschmiert ist. Happ bringt es auf den Punkt: „Nach fünf Jahren sind die Häuser schon unansehnlich.“

Der Ruf nach einem Gestaltungsbeirat

Die Lösung, die Forster und Happ vorschlagen, ist klar: Frankfurt braucht einen Gestaltungsbeirat mit echter Verbindlichkeit. Im Koalitionsvertrag von CDU, Grünen und SPD ist ein solches Gremium bereits vereinbart. Doch bisher passiert wenig. Die beiden Architekten haben deshalb das Gespräch mit Frankfurts Planungsdezernenten Marcus Gwechenberger gesucht.

„Die Stadt Frankfurt misst sich auf geschäftlicher Ebene international mit den Metropolen Europas. Aber wenn es um Stadtgestalt, um eine architektonische Qualität in der Breite geht, dann versagen wir völlig“, sagt Happ. Forster sieht im Gestaltungsbeirat vor allem eine Signalwirkung nach außen: „Wenn plötzlich thematisiert wird, wie ein Haus oder wie der öffentliche Raum aussieht, hat das einen großen Einfluss auf das Bewusstsein in der Stadt.“

Warum uns das alle angeht

Das Thema betrifft uns alle – nicht nur Architekten oder Stadtplaner. Studien zeigen laut Happ, dass eine monotone, lieblos gestaltete Umwelt Menschen krank machen kann. Wer möchte schon in einem Quartier aufwachsen oder alt werden, das schon beim Einzug trist aussieht?

Das Ziel sollte sein, Häuser zu bauen, in denen nicht nur die ersten Mieter glücklich werden, sondern auch die nächsten Generationen. Häuser, die 100 oder 150 Jahre lang stehen und geliebt werden – das ist laut Happ echte Nachhaltigkeit. Frankfurt hat die Chance, als Weltstadt auch beim Wohnungsbau Maßstäbe zu setzen. Packen wir’s an!

Quellen


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