Studio-Hotline 069–669 669 0

Weniger Beton, mehr Grün: Klimaexperte fordert Entsiegelung in Frankfurt

Wolf Rüdiger Hansen vom BUND Frankfurt fordert Entsiegelung, 12.000 neue Bäume pro Jahr und den Schutz von Kaltluftflächen für ein besseres Stadtklima.

Redaktion
·
28. Juli 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 48 Minuten

Frankfurt heizt sich auf – und ein Experte hat klare Forderungen

Wer in diesem Sommer durch Frankfurt gelaufen ist, weiß es: Die Stadt wird heiß – richtig heiß. Steinerne Plätze, versiegelte Flächen, kaum Schatten. Wolf Rüdiger Hansen vom BUND Frankfurt macht sich schon lange Gedanken darüber, was dagegen zu tun ist. Und er hat konkrete Antworten.

Drei Maßnahmen, die Frankfurt kühler machen würden

Hansen nennt drei Dinge, die er sofort angehen würde, wenn er könnte: Erstens möglichst viele Plätze entsiegeln. Natürlich müsse man prüfen, wo das möglich ist – Leitungen, Kabel oder Tiefgaragen im Boden stehen manchmal im Weg. Aber ein konkreter Umsetzungsplan müsste her.

Zweitens: Bäume pflanzen – und zwar deutlich mehr davon. Laut aktuellem Koalitionsvertrag sollen 12.000 Bäume jährlich gepflanzt werden, einer für jedes in Frankfurt geborene Kind. Klingt gut, oder? Die Realität sieht anders aus: Derzeit werden nur 600 Bäume im Jahr gepflanzt. Nötig wäre also eine Steigerung um den Faktor 20. Das ist eine gewaltige Lücke.

Drittens – und das ist Hansens Lieblingsthema – müssten bei Stadterweiterungen die Kaltluftflächen geschützt werden. Der sogenannte Klimaplanatlas, der im Internet einsehbar ist, zeigt: Wichtige Kaltluft für Frankfurt entsteht auf den offenen Feldflächen am Taunushang im Nordwesten und weht als lokaler Wind in die Stadtviertel. Für die drei verbleibenden Quartiere östlich der A5 sollen nun 95 Hektar Feldfläche versiegelt werden – und genau das hält Hansen für einen schweren Fehler.

Josefstadt vs. Klimaresilienz – ein echter Konflikt

Natürlich braucht Frankfurt Wohnungen. Das streitet Hansen nicht ab. Aber er fragt: Warum so unbedingt die Josefstadt, die Wohnraum für höchstens 16.000 Menschen bieten würde – wenn das Stadtplanungsamt auf seiner Internetseite bereits 35 aktuelle Planungsprojekte für 34.800 Wohnungen und damit rund 87.000 Menschen listet? Und warum wird nicht stärker auf Leerstand oder Aufstockungen gesetzt?

Auch das vom Land initiierte Projekt Frankfurter Bogen, das Fördermittel für regionale Baugebiete in 30 Minuten S-Bahn-Entfernung von Frankfurt ausgelobt hatte, sei inzwischen zurückgefahren worden – ohne dass Hansen dafür eine überzeugende Erklärung gehört hätte.

Grüne Zimmer sind nett – aber kein Ersatz

Sogenannte „Grüne Zimmer“ auf Plätzen wie dem Walther-von-Cronberg-Platz in Sachsenhausen findet Hansen zwar nicht schlecht, aber teuer und letztlich nur eine Übergangslösung. Was er sich stattdessen wünscht: Kühlräume in der Stadt, in die sich vulnerable Personengruppen bei extremer Hitze zurückziehen können.

Dass Plätze wie der Atzelbergplatz in Seckbach selbst bei einer Sanierung vor einigen Jahren nicht begrünt wurden, erklärt Hansen so: Den Planern war schlicht nicht bewusst, wie wichtig entsiegelte Flächen für das Stadtklima sind – und wie sehr steigende Hitzetage und tropische Nächte die Zahl der Hitzetoten in die Höhe treiben.

Was jeder von uns tun kann

Hansen macht aber auch deutlich: Nicht alles hängt an der Politik. Hauseigentümer können auf Betongärten verzichten, Bäume pflanzen oder stehen lassen und PV-Anlagen installieren. Gießgemeinschaften können sich bilden, um Baumscheiben und städtische Grünflächen zu versorgen. Und ganz simpel: Öfter mal das Auto stehen lassen und den ÖPNV nutzen.

Damit das Wissen über Klimaprobleme besser ankommt, veranstaltet Hansen beim BUND regelmäßig Klimawanderungen im Frankfurter Nordwesten. Jeweils 20 bis 25 Menschen kommen – insgesamt sind schon über 400 Leute mitgelaufen. Das Feedback sei überwältigend positiv.

Frankfurt muss handeln – jetzt

Das Fazit von Hansen ist eindeutig: Das Wissen ist da, die Umsetzung hapert. Was es braucht, sind Masterpläne mit verlässlichen Zieldaten für Entsiegelungen und Baumpflanzungen – und eine dezernatsübergreifende Zusammenarbeit statt Zuständigkeitschaos. Frankfurt hat die Mittel, die Stadt kühler und lebenswerter zu machen. Es fehlt vor allem an einem: dem konsequenten Willen, es auch wirklich anzupacken.

Quellen


Artikel teilen
Hilf uns, lokale Nachrichten zu verbreiten.

Dein Beitrag für Radio Frankfurt

Ob Meinung, Hinweis oder persönliche Geschichte: Reiche deinen Kommentar ein. Unsere Redaktion prüft deinen Beitrag vor der Veröffentlichung.

Das könnte dich auch interessieren

Diskutiere mit!
Anonym und ganz ohne Anmeldezwang!
Alle Kommentare werden von unserer Redaktion im Vorfeld geprüft.
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

1
Kontakt
2
Unterlagen
3
Datenschutz
WhatsApp vorhanden?
    Datenschutz*

    Kontaktformular

    Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.