
Khaled Hussein floh aus Aleppo und malt heute in Rodgau Hoffnung auf Leinwand. Seine Luftballons über Trümmern berühren – jetzt mehr über seine Geschichte…
Luftballons, die über Trümmer steigen. Kräftige Farben, die gegen Grau und Schwarz ankämpfen. Und dahinter: ein Mensch, der Krieg, Flucht und Neuanfang in Kunst verwandelt. Khaled Hussein lebt seit elf Jahren in Dudenhofen – einem Ortsteil von Rodgau – und seine Geschichte ist eine, die bewegt. Hier bei Radio Frankfurt wollen wir euch zeigen, was direkt vor unserer Haustür passiert. Und das hier ist definitiv einen zweiten Blick wert.
„Vor dem Krieg war es mein Traum, einmal nach Europa zu fliegen. Wegen der Kunst. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich mal als Flüchtling hierherkomme.“ Diese Worte von Khaled Hussein sagen eigentlich schon alles. Der 41-Jährige stammt aus Aleppo, musste seine Heimatstadt wegen des Bürgerkriegs verlassen und kam 2015 nach Deutschland. Seit 2016 lebt er in Dudenhofen – in einer Einzimmerwohnung, die längst einem Atelier gleicht. Pinsel, Farbtuben, Leinwände. Überall Bilder. Mal mit tiefschwarzen Hintergründen, mal in kräftigem Blau, mal mit weichen grauen Pinselstrichen, die an aufsteigenden Rauch erinnern.
Und auf jedem einzelnen Bild: ein Luftballon.
Das war nicht immer so. Als Hussein 2016 zum ersten Mal bei der Kunstausstellung Rodgau Art ausstellt, ist seine Palette dunkel. Menschen mit mattem Blick, hängenden Lidern, Grautöne und bedrohliches Rot. Er hat kaum Freunde, spricht die Sprache kaum, darf nicht arbeiten. Die Schwere dieser Zeit ist in jedem Pinselstrich zu spüren.
Erst 2018 ändert sich etwas. Inspiriert von Banksys „Girl with Balloon“ malt er zum ersten Mal einen Luftballon. Es ist der Moment, in dem er wieder Optimismus zulässt. Vorsichtig, fast schüchtern. Nach und nach findet er zu einer eigenen Bildsprache: skizzenhafte Linien, verspielte Silhouetten, kräftige Farben – und viel Raum für das, was er empfindet. „Du lebst, du hast Emotionen. Wie Farben mischst du alles zusammen und machst daraus ein Bild.“
Wenn Hussein an Aleppo denkt, kommen Bilder von Luftangriffen und Straßen in Trümmern. Aber auch von Geburtstagsfeiern, Hochzeiten und Kindern, die inmitten der Zerstörung miteinander spielen. Genau diesen Widerspruch bannt er auf die Leinwand. „Ich habe das so erlebt. Das ist meine Wahrheit. Deswegen habe ich mich gefragt: Wieso male ich nicht einfach beides?“ Auf seinen Bildern ist Platz für Zwischentöne – für das Leid und die Leichtigkeit, die manchmal eng nebeneinanderliegen.
Die Kunst hat ihn dabei nie losgelassen – nicht mal in den schwersten Momenten. Als er kurz nach seiner Flucht weder Pinsel noch Farben zur Hand hat, greift er zum Bleistift. In der Unterkunft in Neu-Isenburg zeichnet er zwischen Feldbetten und dünnen Vorhängen. Eine Sozialarbeiterin, die er damals porträtiert, sagt ihm: „Du wirst es als Künstler in Deutschland weit bringen.“ Elf Jahre, 35 Ausstellungen und rund 50 verkaufte Werke später denkt er noch immer an ihre Worte.
Ihr wollt seine Bilder selbst sehen? Dann merkt euch den Termin: Vom 30. Oktober bis 1. November stellt Khaled Hussein seine Werke bei der Rodgau Art 2026 im Bürgerhaus Nieder-Roden aus. Wer nicht bis dahin warten will, findet ihn auf Instagram unter khaledhussein_art und auf Facebook unter khaled.hussein.1985 – dort teilt er Einblicke in seine Arbeit und verkauft auch Bilder.
Seinen Traum, irgendwann allein von der Kunst leben zu können, verfolgt Hussein weiter. Aber da ist noch ein anderer Wunsch – vielleicht sogar noch größer: „Ich möchte irgendwann eine Ausstellung in Syrien machen.“ Seine Luftballons sollen über Aleppos zerstörten Straßen schweben. Als stummes Zeichen für Hoffnung und Neuanfang. Wir drücken die Daumen, Khaled!






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