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Urselbach-Renaturierung in Frankfurt: 3.000 Tonnen belastete Erde entdeckt

Bei der Urselbach-Renaturierung in Frankfurt-Heddernheim wurden 3.000 Tonnen schadstoffbelastete Erde entdeckt. Anwohner sind wütend – die Infos blieben aus.

Redaktion
·
23. Juli 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 38 Minuten

Baustelle im Frankfurter Norden sorgt für Aufsehen

Im Frankfurter Stadtteil Heddernheim sollte eigentlich ein Vorzeigeprojekt entstehen: Die Renaturierung des Urselbachs – ein Bach, der von Oberursel nach Frankfurt fließt – soll den Hochwasserschutz verbessern und die Natur aufwerten. Doch statt fleißiger Bagger herrscht seit etwa April auf der Baustelle weitgehend Stillstand. Der Grund: Bei den Arbeiten wurden rund 3.000 Tonnen mit Altlasten kontaminierte Erde entdeckt. Eine Menge, die mehr als 100 Schwerlasttransporter füllen würde – und das ist kein Schulbuch-Beispiel, sondern bittere Realität.

Schwermetalle und krebserregende Stoffe im Boden

Bei den Schadstoffen handelt es sich laut Angaben der Deutschen Bahn um Schwermetalle sowie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) – eine Stoffgruppe, die als potenziell krebserregend gilt. Sowohl die Stadt Frankfurt als auch die Deutsche Bahn, die als Ausgleichsprojekt für den Ausbau der S6 für die Renaturierung zuständig ist, gaben an, grundsätzlich mit belasteten Böden gerechnet zu haben – aber nicht in diesem Ausmaß.

Die Entsorgungskosten werden nach aktuellem Stand „im sechsstelligen Bereich“ liegen, wie die Bahn mitteilt. Diese sollen zwischen Stadt und Bahn aufgeteilt werden. Ob und inwiefern Verursacher zur Kasse gebeten werden können, prüft die Stadt Frankfurt derzeit noch.

Anwohner und Ortsbeirat sind sauer – und das zurecht

Besonders verärgert sind die Menschen vor Ort. Stephanie Mohr-Hauke (SPD), die in der Nähe des Urselbachs in Heddernheim wohnt und im Ortsbeirat sitzt, kritisiert: „Wir Anwohner wurden überhaupt nicht informiert, dass da etwas kontaminiert ist.“ Sie habe nur durch Bauarbeiter erfahren, dass es Probleme mit dem Boden gebe.

Auch Ortsbeirats-Vorsitzende Katja Klenner (CDU) bemängelt, dass der Ortsbeirat keinerlei offizielle Informationen über die Belastungen oder einen etwaigen Baustopp erhalten habe. Alle Fraktionen stimmten deshalb einem Antrag der Grünen an den Magistrat der Stadt Frankfurt zu – um endlich Klarheit zu bekommen.

Ein Viertel mit industrieller Vergangenheit

Dass in Heddernheim Altlasten im Boden schlummern, ist eigentlich keine Neuigkeit. Ein mit Gras bewachsener Hügel, den die Einheimischen schlicht „Müllberg“ nennen, erinnert an die industrielle Vergangenheit des Viertels. Als in den 1980er Jahren das Mertonviertel gebaut wurde, wurden dort Aushübe aus einer früheren Altlasten-Sanierung aufgeschüttet.

Hintergrund: Auf dem Gelände waren einst die Vereinigten Deutschen Metallwerke (VDM) ansässig, die in den 1960er Jahren geschlossen wurden. Davor befanden sich dort die Heddernheimer Kupferwerke, aus denen die VDM später hervorging. Ein Bahn-Sprecher deutete an, die gefundenen Schadstoffe gingen „wahrscheinlich auf historische Abwassereinleitungen von früher oberstromig ansässigen Betrieben zurück“, deren Betriebstätigkeit zum Teil bereits vor dem Zweiten Weltkrieg endete. Da nach hessenschau-Informationen auch Kupfer unter den festgestellten Schadstoffen ist, liegt ein Zusammenhang mit den Heddernheimer Kupferwerken nahe.

BUND fordert vollständige Transparenz

Claudia von Eisenhart Rothe vom BUND Hessen, die sich mit dem Thema Altlasten beschäftigt, kritisiert den Umgang der Behörden mit solchen Funden deutlich: „Der häufige Reflex der Kommunen, die überraschenden Funde nicht groß zu thematisieren, kann Menschen gefährden.“ Der BUND fordert deshalb „komplette Transparenz und Offenheit – von der ersten Minute an“ – inklusive der Veröffentlichung von Daten und Messwerten. Das Regierungspräsidium Darmstadt will die genauen Konzentrationen und Fundorte der Schadstoffe vorerst jedoch nicht herausgeben und verweist auf laufende Untersuchungen.

Wie geht es weiter am Urselbach?

Die Deutsche Bahn betont, dass die kontaminierte Erde mit Folien abgedeckt ist und aktuell „keine Gefahr für Mensch und Umwelt“ bestehe. Ein Teil der belasteten Erde wird bereits seit Ende Mai auf einer Deponie im Großraum Frankfurt entsorgt. Für den übrigen Bereich soll in einigen Wochen ein Entsorgungskonzept vorliegen. Ziel ist es, die Arbeiten bis Ende Oktober abzuschließen und das gesamte Renaturierungsprojekt noch im Jahr 2026 fertigzustellen.

Ortsbeirats-Vorsitzende Klenner bringt es auf den Punkt: Die Urselbach-Renaturierung sei „ein tolles Projekt“, das seit über 20 Jahren geplant ist – „es darf nur nicht weiter verzögert werden“. Wir bleiben für euch am Ball und halten euch auf dem Laufenden!

Quellen


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