
Ein Tätowierer aus Maintal wird unfreiwillig zum Werbegesicht auf Frankfurter Mülleimern – für die Zero Waste Kampagne der Stadt Frankfurt.
Manchmal schreibt das Leben die lustigsten Geschichten. Philipp Kraft aus Dörnigheim in Maintal hat nie davon geträumt, Model zu werden. Trotzdem prangt sein Gesicht seit dem Frühling auf Glascontainern und Mülleimern quer durch ganz Frankfurt. Und das Verrückteste daran? Er wusste monatelang nichts davon!
Der 39-jährige Kraft betreibt seit 2015 das Tattoo-Studio „Iron Horse“ am Käthe-Jonas-Platz in Dörnigheim. Im vergangenen Sommer stand er gerade vor seinem Laden, als ihn ein junger Mann ansprach. Der hatte ihn mit seiner englischen Bulldogge „Gladstone“ beim Gassigehen beobachtet und suchte noch ein Model mit Hund für eine Müll-Vermeidungs-Kampagne. Kraft war zunächst skeptisch – aber dann dachte er sich: Warum nicht? „Wann bekommt man schon professionelle Fotos mit seinem Hund? Die Idee fand ich cool“, sagt er.
Drei Wochen später machte er sich mit Gladstone auf den Weg zu einer Agentur nach Frankfurt. Ein Profi-Fotograf aus Berlin lichtete die beiden auf der Wiese ab. Kraft dachte, der Job sei damit erledigt. Doch dann wurde er gefragt, ob noch ein paar Fotos von ihm allein gemacht werden könnten – im Hof, neben dem Mülleimer. Mal Daumen hoch, mal Daumen runter. Er stimmte zu. Man sagte ihm, die Fotos würden in einer App genutzt und als Plakatwerbung an vier U-Bahn-Stationen laufen, sechs Tage lang, zwischen 22 und null Uhr. Dass er bald in ganz Frankfurt auf Mülleimern und Glascontainern kleben würde – damit hatte er nicht gerechnet.
Monate vergehen. Dann, im April, schickt ein Kumpel ihm ein Foto: Philipp Kraft, mit dem Slogan „Müll trennen, Rohstoffe retten“, auf einem Glascontainer im Frankfurter Stadtteil Bornheim. Weitere Schnappschüsse folgen. Der Dörnigheimer nimmt es mit Humor: „Es ist am Ende einfach witzig“, sagt er. Böse sei er niemandem – er habe zwar nichts unterschrieben, aber sein Gesicht gerne für die gute Sache hergegeben.
Hinter den Stickern steckt eine große Idee: Mit der Kampagne „Zero Waste Frankfurt“ will das Umweltamt der Stadt Frankfurt den Restmüll pro Kopf und Jahr von derzeit 205 Kilogramm auf 120 Kilogramm reduzieren. Frankfurt möchte damit als eine der ersten Städte Deutschlands zur Zero Waste City werden. Das Ziel: weniger Verschwendung durch bessere Mülltrennung, stärkere Wiederverwendung und reduzierten Restabfall. Frankfurterinnen und Frankfurter können sich außerdem bei einem Waste-Bewerb anmelden und an einer Verlosung teilnehmen. Alle Infos dazu gibt es unter www.zerowaste-ffm.de.
Dass Kraft für genau diese Kampagne steht, passt eigentlich gut. Mülltrennung ist ihm wichtig – auch wenn er als Tätowierer überdurchschnittlich viel Restmüll produziert. Seinen ökologischen Fußabdruck versucht er deshalb in anderen Bereichen zu reduzieren: Er lässt öfter das Auto stehen, kauft regionale Produkte und sammelt regelmäßig den Müll auf dem Käthe-Jonas-Platz ein, weil er findet, dass sich die Stadt dort zu wenig um Sauberkeit kümmert.
Und die Model-Karriere? Für Kraft bleibt am Ende eine Aufwandsentschädigung von etwa 120 Euro, schöne Fotos mit Bulldogge Gladstone – und ein bisschen Ruhm als unfreiwilliger Anti-Müll-Hero Frankfurts. Der Sound der Weltstadt hat eben manchmal ganz unerwartete Hauptdarsteller!






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